Kurz gefragt - Dr. Johannes Peterlik

Kurz gefragt mit Dr. Johannes Peterlik
Kurz gefragt mit Dr. Johannes Peterlik

Dr. Johannes Peterlik trat im August 2009 seine Stelle als österreichischer Botschafter im Königreich Thailand an. Der promovierte Doktor der Philosophie ist mit der promovierten Psychologin Dr. Ria-Ursula Peterlik seit 10 Jahren verheiratet. Das Paar hat 2 Söhne (Lukas 10 und Florian 6). Vor seiner Tätigkeit in Thailand war Dr. Peterlik bereits 5 Jahre lang Österreichs Botschafter in Vietnam und von 1995 bis 2004 Pressesprecher von Dr. Ferrero-Waldner, die zuerst Staatssekretärin und später Außenministerin Österreichs war. Die breit gefächerte Berufserfahrung zeichnet den 43-Jährigen für seine Tätigkeiten als Vertreter der Republik Österreich in Thailand aus. 

Seit Mitte August 2009 sind Sie der österreichische Botschafter in Thailand. Was war für Sie ausschlaggebend, das Amt zu übernehmen?  

Da mir das Königreich schon seit meiner Kindheit gut vertraut war, fiel die Entscheidung nicht schwer. Bereits mein Vater, Dr. Karl Peterlik, agierte zwischen 1976 und 1981 als österreichischer Botschafter in Thailand. Seiner Zeit besuchte ich von 1976 bis 1978 die Schweizer Schule in Bangkok und von 1978 bis 1981 die International School Bangkok (ISB). Beide Schulen befanden sich damals noch in zentraler Lage an der Sukhumvit Road und nicht wie heute außerhalb der Stadt.

Wie groß ist die österreichische Gemeinde in Thailand?

Laut unserer Liste, in der sich im Ausland befindliche Österreicher registriert sind, leben hier derzeit ständig ungefähr 400 Österreicher. Ich appelliere an alle Österreicher, die sich für längere Zeit in Thailand aufhalten, sich bei der österreichischen Botschaft in Bangkok registrieren zu lassen.

Wie muss man bei der Registrierung vorgehen?

Das ist ganz einfach: Es genügt eine kurze Email an: bangkok-ob@bmeia.gv.at oder ein Besuch auf der Webseite: www.aussenministerium.at/bangkok. Natürlich kann man sich auch telefonisch unter der Rufnummer 02-303.6046 oder 02-303.6047 registrieren lassen. Benötigt werden der Vor- und Familienname, das Geburtsdatum sowie Geburtsort, Passdaten, Familienangehörige, eventuell auch in Österreich lebende, sowie die Kontaktdaten dieser in Thailand.

Welche Vorteile bringt die Registrierung?

Besonders in Krisenfällen ist eine effektive Kontaktaufnahme nur dann möglich, wenn wir die aktuellen Email-Adressen und Mobiltelefonnummern unserer österreichischen Mitbürger in Thailand haben. Gleichzeitig bitte ich die bereits registrierten Auslandsösterreicher in Thailand, Änderungen von Adressen sowie insbesondere Telefonnummern und Email-Adressen der österreichischen Botschaft in Bangkok mitzuteilen. Die angegebenen Daten unterliegen dem Datenschutz und werden insbesondere für Verständigungen zu Wahlen und bei Krisenfällen benutzt. Die Daten werden nicht an unberechtigte Dritte weitergegeben.

In welchem Rahmen kann die österreichische Botschaft bei Krisenfällen Hilfeleistung erbringen?

Eine Auslandsreise oder ein Auslandsaufenthalt ist heutzutage nichts Außergewöhnliches mehr. Hunderttausend Österreicher verbringen jährlich ihren Urlaub in Thailand oder leben hier. Die österreichische Botschaft versteht sich in diesem Sinne eher als Servicestelle für österreichische Staatsbürger in Thailand. Bei einer Notlage werden ich und meine Mitarbeiter uns bemühen, rasch, wirksam und unbürokratisch zu helfen. In Krisenfällen sind wir darum bemüht, dem Hilfesuchenden geeignete Problemlösungsmöglichkeiten aufzuzeigen und zu besprechen.

Wo liegen dabei die Grenzen?

Wir agieren für unsere Staatsbürger weder als Reisebüro, Arbeitsamt, Detektivbüro, Postamt für postlagernde Briefe und Pakete oder als Kreditinstitut. Auch sind die hier ansässigen Botschaften durch das Völkerrecht und das in Thailand geltende Recht gebunden. Daher verfügen wir nicht über unbeschränkte Möglichkeiten. Die österreichische Botschaft hat vor allem keine Polizeigewalt und kann den thailändischen Behörden auch keine Anweisungen geben.

Ist Ihnen bekannt, in welchen Regionen Thailands die meisten Österreicher leben?

Ja. Von den registrierten Österreichern leben etwa 50 Prozent in Zentralthailand und an der Ostküste, vor allem in Bangkok, Pattaya, etwa fünf Prozent im Norden, verstärkt in der Nähe zu Chiang Mai, etwa 5 Prozent im Nordosten, 25 Prozent im Osten und etwa 15 Prozent im Süden des Königreiches, mit Schwerpunkt auf den bei Urlaubern populären Ferieninseln.

Gibt es in Thailand inhaftierte Österreicher?

Derzeit ist ein Österreicher in Bangkok in Haft. Zwei weitere Staatsbürger befinden sich in Abschiebehaft in Pattaya und Chiang Mai. Unsere Mitarbeiter absolvieren regelmäßig Haftbesuche bei allen Inhaftierten. Zusätzlich werden die Gefangenen auch von den Honorarkonsuln vor Ort, deren Mitarbeitern und von ehrenamtlichen Gefängnisbetreuern betreut. Die Häftlinge erhalten – sofern sie finanziell nicht durch Angehörige unterstützt werden können – Zuwendungen aus dem Unterstützungsfonds des österreichischen Außenministeriums und dem Weihnachtsfond des Roten Kreuzes.

Gibt es in Thailand einen Hilfsverein für gestrandete Österreicher?

Bei finanziellen Schwierigkeiten, zum Beispiel bei einem Krankenhausaufenthalt, besteht seitens der Botschaft die Möglichkeit des sogenannten Depot­erlags. In Österreich lebende Angehörige zahlen in diesem Fall beim Außenministerium in Wien den notwendigen Betrag ein. Dieser wird seitens der Botschaft dann hier in Bangkok ausgezahlt und abgerechnet. Sollten Österreicher, die sich in finanzieller Not befinden, keine Angehörigen haben, die ein Depot erlegen können, besteht die Möglichkeit, Zuwendungen aus dem Auslandsösterreicher-Fonds (AÖF) oder dem Unterstützungsfonds, beides nicht rückzahlbare Unterstützungen, zu erhalten.

Was versteht man unter dem Auslandsösterreicher-Fonds?

Der AÖF wurde 1967 per Gesetz für die Betreuung in Not geratener Auslandsösterreicher errichtet. Der Fonds verfolgt den Zweck, österreichischen Staatsbürgern, die ihren Hauptwohnsitz im Ausland haben, zur Überbrückung vorübergehender Not oder Linderung andauernder materieller Not einmalige oder periodische Zuwendungen zu gewähren. Bei den Leistungen des Fonds handelt es sich um ergänzende Unterstützungen, vergleichbar mit der Sozialhilfe in Österreich. Im Antrag ist insbesondere die vorübergehende oder andauernde materielle Notlage glaubwürdig darzulegen. Denn ein Rechtsanspruch auf eine Zuwendung besteht nicht.

Welche Veranstaltungen organisiert die österreichische Botschaft?

Der Schwerpunkt unserer Kulturarbeit konzentriert sich auf das Verständnis für die besonderen Charakteristika der österreichischen Kultur, Lebensart und Kommunikationsformen. Dem zeitgenössischen künstlerischen Schaffen gilt dabei unser besonderes Augenmerk. Dazu veranstalten und organisieren wir Lesungen, Symposien, Konzerte und Ausstellungen und fungieren als Schaltstelle bei der Anbahnung und Intensivierung von Kontakten österreichischer Kulturschaffender und Wissenschaftler zu Partnerinstitutionen in Thailand.

Wie zelebrieren Österreicher ihren Nationalfeiertag in Thailand?

Wir feiern unseren Nationalfeiertag in Thailand schon seit mehreren Jahren im Rahmen eines vom jeweiligen Botschafter gegebenen Empfangs in einem geeigneten Hotel in Bangkok. Dieses Jahr feiern wir im Intercontinental Hotel Bangkok, wo der Österreicher Markus Platzer Generaldirektor ist. Mir ist wichtig, dass dieser jährliche Empfang nicht einfach als "Routine" oder als "Empfang des Botschafters" abgehandelt wird. Es soll in erster Linie eine Veranstaltung für Österreicher und Thailänder sein, wo Kontakte und Freundschaften gepflegt werden können. Deshalb lade ich, neben den in Thailand lebenden Österreichern, den offiziellen Vertretern der thailändischen Regierung und den in Bangkok tätigen Botschaftern, immer auch viele sowie bekannte "Freunde Österreichs" zu diesem Empfang ein.

Was ist das Besondere an Ihrem Nationalfeiertag?

Am 15. Mai 1955 wurde der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet, der Österreich die staatliche Souveränität bringen sollte. Dieser Vertrag wurde von allen Signatarstaaten, Frankreich, Großbritannien, Sowjetunion und den Vereinigten Staaten, ratifiziert. Die letzte Ratifizierungsurkunde wurde am 27. Juli 1955 hinterlegt. Damit begann die vertraglich vereinbarte Frist, in der die Besatzungstruppen Österreich zu verlassen hatten. Der 26. Oktober 1955 war der erste Tag, an dem sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges keine fremden Truppen mehr auf österreichischem Hoheitsgebiet befanden und Österreich nach zehn Jahren Besatzungszeit wieder ein freies Land war. An diesem Tag beschloss der österreichische Nationalrat in Form eines Verfassungsgesetzes die immerwährende Neutralität Österreichs sowie die Ernennung dieses Tages zum Nationalfeiertag.

Wie verbringen Sie in Thailand Ihre Freizeit?

Natürlich bleibt mir wenig Freizeit, jedoch bereitet mir das keine Probleme. Ich übe meinen Beruf sehr gerne aus, und mir liegt Thailand sehr am Herzen. Die Freizeit, die mir bleibt, verbringe ich mit meiner Familie. Wir machen gerne Ausflüge, und meine Gattin und ich begreifen den Auslandsaufenthalt als Chance, dass unsere beiden Söhne möglichst aufgeschlossen aufwachsen. Ich schätze Thailand sehr, auch wenn einzelne Situationen oftmals auch eine Herausforderung darstellen.

Wo gefällt es Ihnen im Königreich am besten?

Jeder Ort und jede Stadt haben Besonderes zu bieten. Wie in einer Bibliothek wird es mir jedoch leider nie gelingen, alle Bücher zu lesen!

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