Kurz gefragt - Deutscher Hilfsverein (DHV)

Kurz gefragt mit Deutscher Hilfsverein (DHV)
Kurz gefragt mit Deutscher Hilfsverein (DHV)

Jedes Jahr besuchen rund 500.000 deutsche Urlauber Thailand. Schätzungsweise rund 20.000 Deutsche haben das Königreich gar als neue Heimat auserwählt. Doch auch in Deutschland werden knapp 100.000 deutsch-thailändische Ehen geführt. Zwischen beiden Ländern gibt es somit viele Berührungspunkte. Leider kommt es dabei nicht selten zu sozialen Problemen, die über die Hilfsmöglichkeiten der deutschen Botschaft weit hinausgehen. Seit 2006 betreut der Deutsche Hilfsverein Thailand e.V. (DHV) in Not geratene Landsleute und gewährt darüber hinaus rechtliche Beratung und psycho-sozialen Beistand. Außerdem zählen Kinder-, Jugend-, Kranken- und Altenhilfe sowie Häftlingsbetreuung zu den Aufgaben des eingetragenen Vereins. DER FARANG traf sich mit Franziska Chawla, Leiterin der DHV-Sozialstation in Bangkok, sowie Karl-Heinz Heckhausen, stellvertretender Vorsitzender des DHV, und unterhielt sich mit ihnen über die vielfältigen Aufgaben des Vereins sowie über die Gründe, warum immer wieder deutsche Residenten in Problemlagen geraten. Durch das Interview führte Björn Jahner.

Herr Heckhausen, was führte Sie zum DHV?

Heckhausen: Da ich zehn Jahre als Präsident von DaimlerChrysler Thailand agierte, lebe ich hier bereits seit 12 Jahren. Ich hatte das große Glück, die Tsunami-Katastrophe 2004 überlebt zu haben. Meine Frau besitzt ein Haus im Süden, dass von der Flutwelle überrollt wurde. Zufällig befanden wir uns zur Zeit des Unglücks in Bangkok. Dieses prägende Ereignis veranlasste mich dazu, zu helfen.

Auf welcher Initiative wurde der DHV gegründet?

Heckhausen: Die Initiative zur Gründung vom DHV stammt vom ehemaligen deutschen Botschafter Dr. Brümmer. Da sich die Notfälle deutscher Urlauber und Expats häuften, überlegte er, wie man diesem Problem entgegenwirken könnte.

Frau Chawla, wie kamen Sie zum DHV?

Chawla: Da mein Ehemann Thai ist, lebe ich hier bereits seit 30 Jahren. Als gelernte Sozialarbeiterin übernahm ich im Mai 2007 die Leitung der DHV-Sozialstation in Bangkok. Anfangs hatte ich jedoch kein Büro, sondern nur ein Notfall-Handy. Seit 2008 verfügen wir über ein eigenes Büro auf dem Gelände der Rajamangala University of Technology Krungthep, etwa zwei Kilometer entfernt von der deutschen Botschaft. Die Universität stellt uns das Büro unentgeltlich zur Verfügung. Ich spreche Deutsch, Thailändisch und Englisch und stehe Hilfesuchenden ganztägig telefonisch zur Verfügung.

Wie finanziert sich der Verein?

Heckhausen: Der DHV finanziert sich vorwiegend aus Spenden und Veranstaltungserlösen. Haupteinnahmequelle ist unter anderem das "Fest der Deutschen", zu dem der DHV zusammen mit der deutschen Botschaft und der deutsch-thailändischen Handelskammer einlädt.

Gibt es finanzielle Unterstützung vom Bund?

Heckhausen: Nein. Denn warum soll der deutsche Staat für Deutsche in Thailand aufkommen? Wenn die Bundesrepublik das tun würde, müsste sie auch für alle Auslandsdeutschen in Not in den restlichen Ländern der Welt aufkommen. Das wäre weder vertretbar noch finanzierbar!

Wie erfolgt die Koordination mit der Botschaft?

Heckhausen: Der deutsche Botschafter Dr. Hanns Schumacher unterstützt uns sehr. Überhaupt erfolgt der Kontakt zur Botschaft relativ eng, effizient sowie kollegial. In regelmäßigen Abständen stimmen wir uns ab, wo und wie Hilfeleistung erbracht werden kann.

Wie wird über die Hilfe entschieden?

Chawla: Ich nehme alle uns gemeldeten Fälle auf. Wenn es finanziell betrachtet um kleinere Beträge geht, entscheide ich direkt über die Vergabe. Bei größeren Summen entscheidet jedoch der Vergabeausschuss. Doch häufig geht es gar nicht um Geld, sondern eher um moralischen Beistand oder Hilfe zur Selbsthilfe. Jeder, der sich mit einer Frage an mich wendet, bekommt auch eine Antwort.

Welche Hilfe wird nicht gewährt?

Chawla: Satzungsgemäß hilft der Verein in Thailand in Not geratenen Personen vorwiegend deutscher Staatsangehörigkeit. Fahrlässigkeit, Verantwortungslosigkeit oder Leichtsinn honoriert der DHV nicht. Auch wenn zum Beispiel ein Thailand-Resident bemerkt, dass er kein Geld mehr hat und von uns ein Rückflugticket in die Heimat haben möchte, können wir diesen Wunsch nicht erfüllen. Jedoch bemühen wir uns in diesen Fällen, den Kontakt nach Deutschland herzustellen, zum Beispiel, um Angehörige um die Übernahme der Flugkosten zu bitten. In 70 Prozent der Fälle fallen die Gespräche erfolgreich aus.

Warum geraten immer wieder Deutsche in Not?

Heckhausen: Zum einen ist die deutsche Community in Thailand sehr groß. Zum anderen verbringen in den Touristengebieten viele Deutsche ihren Ruhestand. Oftmals nur mit einer schmalen Rente ausgestattet, ist es ihnen nur selten möglich, empfehlenswerte Versicherungen abzuschließen. Wenn dann der Ernstfall eintritt, geraten viele in eine finanzielle Problemlage. Aber auch das Thema "Overstay", sprich abgelaufene Visa, ist immer wieder ein großes Problem.

Kann man von Blauäugigkeit sprechen?

Heckhausen: Nein, eher von Leichtsinn. Viele kommen mit guten Vorsätzen hierher, möchten auch arbeiten, handeln jedoch zu naiv. Sie sprechen kaum Englisch und erst recht kein Thai. Das angesparte Budget ist dann meist schneller weg als geplant.

Erfahren inhaftierte Deutsche Hilfe?

Chawla: Eine große Hilfe können wir da nicht mehr leisten, schließlich befinden sich die Betroffenen bereits hinter Gittern. Wir führen jedoch Gespräche mit den Inhaftierten, versorgen sie mit deutschen Zeitschriften und stellen nötige Kontakte her. Mit Geld versorgen wir Gefangene nicht, das wäre schließlich nicht im Interesse unserer Spender!

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