Wie viele Gäste haben Sie mit ihren Speisen bereits umgebracht
Ich denke, die Hälfte lebt nicht mehr . . .
Spass beiseite. Sie haben Ihr Restaurant „Zum Giftzwerg“ getauft. Bezieht sich das Wort Gift auf die Küche oder auf Sie
Auf mich. Steve Ryser, Präsident des Sauber Fan Clubs in Pattaya, hat mir den Spitznamen Giftzwerg verpasst. Seit sechs Jahren bin ich Mitglied.
In Pattaya gibt’s mit Otto von der „Calypso Bar“ einen weiteren Schweizer mit dem Familiennamen Schaufelberger. Sind Sie mit Otto verwandt
Ich glaube nicht. Wir stammen aber beide aus Wald-Zürich. Otto habe ich erst in Pattaya kennengelernt.
Wann sind Sie zum erstenmal nach Thailand gekommen
Vor 15 Jahren, und nicht als Sextourist. Ich habe fast das gesamte Land bereist, den Norden mit Chiang Mai, den Süden mit Phuket, aber auch den Isaan.
Wann haben Sie sich entschieden, ihren Lebensabend in Pattaya zu verbringen
Vor sechs Jahren. Ich habe meine Zelte in Spreitenbach im Kanton Aargau abgebrochen und bin ganz nach Pattaya gezogen.
Warum dieser Wechsel
Aus gesundheitlichen Gründen. Ich habe Diabetes und bin bereits 1987 in der Klinik Hirslanden in Zürich am Herzen operiert worden. Die Ärzte haben damals sechs Bypässe gelegt.
Ist es für Sie in Thailand nicht zu heiss
Es kann mir nicht heiss genug sein. Ich mag das Klima und habe mit der Hitze keine Probleme.
Im Vorjahr, sie waren bereits 74 Jahre alt, haben Sie an der Soi 9 der Soi Korphai Ihr Restaurant eröffnet und es im November letzten Jahres zur Soi 5 verlegt. Warum haben Sie sich in IhremAlter das noch angetan
Ich bin nur der Finanzier, ich arbeite ja nicht im „Giftzwerg“. Um Küche und Gäste kümmern sich meine Haushälterin Porn und die Köchin Tim. Wesentliche Gründe waren für mich, dass ich gerneunter Leuten bin und diese auch gerne verwöhne. Ich liebe es, auf der Terrasse des Restaurants zu sitzen, den Menschen und dem Verkehr zuzuschauen.
Sie müssen ja viele Millionen Baht auf der Bank haben . . .
Wieso
Weil die Gäste bei Ihnen donnerstags kostenlos essen können. Sie zahlen lediglich für ihre Getränke . . .
. . . und täglich gibt’s bei uns eine Suppe gratis, eine Minestrone oder eine Thai-Suppe. Ich sagte ja schon, ich möchte meine Gäste verwöhnen. Ich bin auf die Einnahmen des Restaurants nichtangewiesen. „Zum Giftzwerg“ ist eher mein Hobby.
Befürchten Sie nicht, dass sich Pattayas Residenten donnerstags zuhauf bei Ihnen niederlassen und auf Lau Ihre Spezialitäten bestellen
Ich glaube nicht. Ein Beispiel: An einem Donnerstag hatten wir an nur einem Tisch von 10 bis 13 Uhr 1.000 Baht Einnahmen. Diesen Betrag haben die Gäste nur für Getränke bezahlt.
Ein Blick in die Speisekarte. Was bietet der „Giftzwerg“
Neben einer Reihe schmackhafter Thai-Speisen kleine Gerichte wie Landjäger, Bratwurst, Hamburger und Sandwiches, aber auch Salate, Lasagne, Spaghetti, einen Fitness-Teller, Schnitzel, CordonBleu und Schweinebraten. Die Preise bewegen sich zwischen 30 und 130 Baht.
Sie leben gerne in diesem Land. Was gefällt Ihnen hier besonders
Eigentlich alles. Vor allem die Wärme und die Menschen. Für Kranke ist es das ideale Land. Und hier kann jeder tun und lassen, was er möchte.
Könnten Sie sich vorstellen, eine thailändische Frau zu heiraten
Ich bin ja nicht krank! In der Schweiz war ich 37 Jahre verheiratet. Das reicht mir.
Haben Sie noch Kontakt zu Ihrer Familie
Im Vorjahr besuchten mich meine Tochter Ivonne und Schwiegersohn Markus. Während ihres Urlaubs sind sie auch zur katholischen Kirche St. Nikolaus an der Sukhumvit Road gekommen. Dort stelltensie fest, dass die Kirche weder Turm noch Glocke hatte. Ivonne und Markus haben daraufhin der katholischen Kirchengemeinde spontan Glocken gestiftet.
Haben Sie nach sechs Jahren Pattaya Heimweh Denken Sie zuweilen daran, wieder zurück zu gehen
Nein, überhaupt nicht. Die Jahrzehnte in der Schweiz waren schön. Ich habe als Kaufmann dort gute Geschäfte gemacht. Aber ein Zurück wird es nicht geben.
Wenn Sie zurückdenken . . . was war in Thailand Ihr schönstes Erlebnis
Eigentlich war alles schön. Besonders aber die Nordthailand-Rundreise. Ich habe hier in all den Jahren keine schlechten Erfahrungen gemacht.
Was missfällt Ihnen in Thailand oder Pattaya Was würden Sie ändern wollen
Gar nichts, mir gefällt das Land, so wie es ist.
Was wünschen Sie der Stadt für die Zukunft
Dass aus den Leitungen stets ausreichend Brauchwasser kommt. Wir hier, die Bewohner der Soi Korphai, sitzen oft auf dem Trockenen.
Und was wünschen Sie sich für die Zukunft
Dass ich 120 Jahre alt werde. Das habe ich mit Petrus auch so abgemacht.