Kein Tag wie jeder andere

Ein Tag für die Füchse: Am frühen Morgen hat mich eine Wespe beim Schwimmen im Pool gestochen, später blieb mein E-Bike mit einem Platten vor meinem Stammcafé liegen und ich durfte eine halbe Stunde durch die Tropenhitze nachhause trotten. Da angekommen wollte ich alle Türen schließen, um die Hitze draußen zu halten, doch hinter dem Haus schien jemand nicht damit einverstanden zu sein, und schlängelte auf mich zu, wohl um auch in den Genuss der Aircondition zu kommen: Eine schwarze Schlange…!

Eine von der Sorte mit gelben Zickzacklinien auf dem Rücken, die wie Blitze auf den Betrachter zielen. Sie bewegte sich erstaunlich schnell mit ihren S-Bewegungen, was eigentlich absurd ist, denn normalerweise fliehen sie vor Menschen. Vielleicht wollte sie mir etwas mitteilen, aber ich zog es vor, mich hinter die Küchentüre zu retten. Jetzt gehe ich immer mit einem großen Reisbesen bewaffnet hinters Haus, mal sehen, ob sie davon beeindruckt ist.

Einmal habe ich einen Besen an der der Gartenmauer angelehnt zurückgelassen und eine Weile später hat sich eine große, grüne Schlange um den Stiel gewickelt – wohl ein Paarungsversuch mit zweifelhaftem Erfolg. Von der grünen Sorte ist eine giftig und die andere nicht, aber ich habe keine Lust herauszufinden, welche was ist…

Monsieur Smiley

Aber der Höhepunkt des Tages kommt noch: Gegen Mittag rief mich meine Frau an, weil sie zu einem Kunden fahren musste, der kein Englisch und nur Französisch spricht. Er ist hier als Original bekannt, ein schmächtiger Mann mit einem bauernschlauen Kindergesicht. Er hätte als Inspiration für den Smiley Erfinder dienen können.

Er hängt den ganzen Tag in seinem Haus herum, hat hie und da Damenbesuch, der sich aber meist kein zweites Mal blicken lässt. Er kocht gerne, redet auch immerzu davon und will uns auch immer gleich zum Essen dabehalten. Einmal haben wir die Einladung angenommen. Er erklärte uns detailreich, was für ein toller Lammbraten im Ofen schmore, hier in Thailand sei das eher eine Spezialität, was er auch immer wieder betonte. Tatsächlich haben wir hier noch nie Lamm gegessen, es ist rar und teuer. Nun berauschte sich der gute Mensch nach dem Empfang derart an seiner Kochkunst, dass er den Braten im Ofen vergaß und wir ein angekokeltes Schaf serviert bekamen. Meine Frau stocherte ein bisschen darin herum und fragte mich, ob wir anschließend noch essen gingen.

Vergebliche Ehrrettung

Ich stellte mir kurz vor, ob ich etwas zur Ehrenrettung des Gastgebers sagen könnte, etwa, dass es auch schwarze Schafe gebe und dass er wohl so eines erwischt habe. Die Bemerkung, dass Schafe im Ofen blöken, wenn sie gar sind und er es vielleicht überhört habe, konnte ich mir verkneifen. Der Scherz hätte zu langwierigen Erklärungen geführt, und wäre wohl kaum vermittelbar gewesen. Zudem hätte er bei ihr erst noch den noch den Verdacht genährt, dass ich bereits an der Porzellankrankheit leide.

Die Geister, die er rief…

Ok, der Grund, weshalb wir ihn besuchten, war: Er hatte zwei streunende Hunde angefüttert, die sich dies gerne gefallen ließen und auch nicht mehr weiter herumstreunen wollten. Das ist nachvollziehbar, denn die Leftover der höheren Cuisine française waren sogar verkohlt noch besser, als das, was sie am Straßenrand aus den Plastiksäcken kratzen mussten.

Die beiden Hunde wollten ihre Dankbarkeit auf ihre Weise bezeugen und verstanden sich nach einiger Zeit als Wachhunde, die den Frenchman beschützen wollten. Mit anderen Worten, sie bauten sich vor jedem Besuch bedrohlich auf und knurrten durch das Gartengitter hindurch die Passanten an.

Porzellankrankheit

Nun begann sich der Mann vor den Hunden zu fürchten und rief uns um Hilfe an, deshalb waren wir da. Meine Frau schlug dann vor, dass zwei Bauarbeiter ihrer Firma gegen Abend vorbeikommen würden, um die Werwölfe zu dislozieren. Damit war er einverstanden, fühlte sich aber offensichtlich in seinem Mannesstolz verletzt und meinte, er könne die Hunde auch gleich erschießen „aucun problème pour moi…“ Er habe auch eine Pistole im Nachttisch und machte dazu die entsprechende Geste. Er gab zum Abschied den kaltblütigen Macho, soll aber geweint haben, als die Männer die Tiere am Abend abschleppten.

Und was ist jetzt die Porzellankrankheit (lat. Porzlessthenie?), deren Symtome hier nur allzu offensichtlich waren? Sie wird diagnostiziert, wenn einer nicht alle Tassen im Schrank hat. Aber diese Zeitgenossen muss man einfach mögen.

Aus dem Bauernkalender von 1683

Der Bauer hat zur Winterszeit
endlich mal Gelegenheit
Stall und Scheune auszuputzen
und soll dabei auch Hilfe nutzen
Er soll des Nächtens einen Besen,
der schon viel gebraucht gewesen,
mit falschem Tand gar reich verzieren
und ihn der Hexe präsentieren
Putzt sie Scheune, Hof und Stall,
auf Feld und Wald und überall,
Ist der Besen Dank und Lohn
und sie fliegt vergnügt davon
-ok-


Über den Autor

Khun Resjek lebt mit seiner thailändischen Frau und Tochter in Hua Hin. Seine Kolumne „Thailand Mon Amour“ illustriert auf humorvolle Weise den Alltag im „Land des Lächelns“ aus der Sicht eines Farang und weist mit Augenzwinkern auf das Spannungsfeld der kulturellen Unterschiede und Ansichten hin, die sich im Familienalltag ergeben. Ein Clash der Kulturen der heiteren Art, witzig und prägnant auf den Punkt gebracht.

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Dieter Kowalski 15.08.25 10:40
@ Herr Resjek
Die Rattenschlange ist ungiftig.
Wahrscheinlich war sie auf der Suche nach einer fetten Ratte, die es offenbar bei Ihnen gibt ;-)

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