Wenn eine Thaifrau am Morgen vor dem Spiegel steht und sich nicht entscheiden kann, welche Klamotten sie anziehen will, kann das dauern. Ein Mann hat aber keine Probleme damit. Er kann diese Zeit ungestört nutzen, um ein Gartenhaus zu bauen, ein halbes Dutzend Bäume zu pflanzen und nebenbei eine vier Meter lange Kobra erschlagen, die sich durch sein Tun gestört fühlt. Steht sie dann endlich in einem Traum aus dem Arsenal von Dior, Versace oder Chanel unter der Türe, und wiegt sich dabei in den Hüften, wäre er auch bereit, einen Drachen für sie zu meucheln.
Eros macht aus uns Farangs eben Ritter ohne Furcht und Tadel. Das ist unser Schicksal und je weniger wir uns dagegen sträuben, umso größer ist der Lustgewinn.
Der ewige Jungbrunnen
Nun hat eben jede Gewohnheit die Tendenz, mit der Zeit auszuufern, eine Eigendynamik zu entwickeln, und vom männlichen Betrachter aus gesehen in eine ausgewachsene Klamottitis zu münden. Meine Frau BeTaZ (Beste Thaifrau aller Zeiten) hat sich in dieser Disziplin als Pionierin einen Namen gemacht. Wenn ich mich nicht irre, trägt sie ihre Klamotten nur ein einziges Mal!?! Sie lebt wohl nach der Devise: Wenn ich mich jeden Tag neu einkleide, fühle ich mich immer wieder wie neugeboren. Nun hat diese Art von ewigem Jungbrunnen natürlich eine Kehrseite, oder mehrere. Eine davon sind die Moneten, die da in der Tiefe des Brunnens auf Nimmerwiedersehen verschwinden und eine andere die Belastung der Umwelt.
Frauensolidarität
Das erste Argument kontert sie mit der Tatsache, dass die Kleider meist Second Hand seien und sie sie ihrerseits wieder weitergebe, damit ihre Freundinnen sich auch jeden Tag wie neugeboren fühlen können. Das nennt sich Frauensolidarität und die hat eigene Regeln. Sie sieht sich dabei als selbstlose Vertreterin von Fashion und Thai-Kultur, was nur ästhetisch Unbedarfte nicht zu schätzen wissen, also Männer. Um meine Argumente noch mehr zu entschärfen, zeigte sie mir ein Foto von einer Hochzeit vor drei Jahren und betonte, dass sie dieses Kleid mehr als einmal getragen habe (Ich weiß, zweimal: bei der Anprobe beim Schneider und beim Fest selbst). Dann fiel mir nichts mehr ein, denn sie war gerade dabei ihre Lilabluse aufzuknöpfen und bat um meine Hilfe, weil sich ein Knopf angeblich verhakt hatte…
Alles Öko – oder was?
Und was die Belastung der Umwelt betrifft, zerzauste sie meine Bedenken mit folgendem zwingenden Argument: „Wenn jede meiner zehn Freundinnen dasselbe Kleid einmal trägt und damit glücklich ist, ist es doch für die Umwelt besser, als wenn es von einer Person fünfmal getragen und nachher im Schrank vergessen wird.“
Nun war ich wirklich platt. Hatte meine Frau heimlich Kurse in rhetorischer Dialektik besucht? Liest sie nachts unter der Bettdecke die Traktate von Hegel und Nietzsche? Und: Ist Klamottitis letzten Endes eine Neurose, die dank Clothes-Sharing ökologisch wertvoll ist und die Welt vor dem Kollaps bewahrt? Nichts ist, wie es scheint, wenn man sich mit BeTaZ auf eine Diskussion einlässt, nicht einmal die Farbe ihres Teints…
Whitening
Whitening ist das Zauberwort vieler Thai-Damen. Etwas abschätzig könnte man es mit „weißeln“ übersetzen, wie man eine Wohnwand mit weißer Tünche überzieht. Weiß zu sein, gilt hier als hübsch, ja als vornehm und wird mit allen Mitteln, die die Kosmetikbranche hervorzaubert, sehr aggressiv in den Medien beworben. Von einfachen Körperlotions bis zu Cremes und Salben werden diese sogenannten „Whiteners“ verkauft. In der Werbung sieht man kaum je ein gebräuntes Gesicht, die Models sind alle unnatürlich weiß und lächeln mit noch weißeren Zähnen in die Kameras…
Am Strand und beim Schwimmen im Pool tragen viele von ihnen Ganzkörperbadeanzüge, um sich vor der Sonnenbräune zu schützen.
Auf der Sonnenseite des Lebens?
Wir Westler interpretieren Schönheit und Gesundheit genau andersrum: Sonnengebräunte Haut soll Gesundheit und Erfolg ausstrahlen, man will der Umgebung signalisieren, dass man auf der Sonnenseite des Lebens steht. So jedenfalls hat es einst der Tycoon und Reeder Onassis gesagt.
Bei uns privat haben diese gegensätzlichen Schönheitsideale einen witzigen Nebeneffekt. Weil ich die Farbe ohne absichtliches Zutun schnell annehme und braungebrannt auf Bildern und Fotos erscheine, sehen meine Frau und die Tochter neben mir wie Bleichgesichter aus.
Rein von der Gesichtsfarbe her sehe ich thailändischer aus, als sie. Das nennt man geglückte Integration.
Aus dem Bauernkalender von 1683 Hat die Frau die Vollmondnacht |
Über den Autor
Khun Resjek lebt mit seiner thailändischen Frau und Tochter in Hua Hin. Seine Kolumne „Thailand Mon Amour“ illustriert auf humorvolle Weise den Alltag im „Land des Lächelns“ aus der Sicht eines Farang und weist mit Augenzwinkern auf das Spannungsfeld der kulturellen Unterschiede und Ansichten hin, die sich im Familienalltag ergeben. Ein Clash der Kulturen der heiteren Art, witzig und prägnant auf den Punkt gebracht.