Den Damen an die Wäsche!

Das ist ein Bekennerschreiben: Ich gehe jede Woche einmal den Frauen in unserem Haushalt an die Wäsche. Bevor die #MeToo-Aktivistinnen durch diese Nachricht aufgeschreckt werden und womöglich mit Schrifttafeln - Stop the pig - vor unserem Gartenzaun aufkreuzen, muss ich gleich einschränken: Ich habe den Waschdienst in unserer WG übernommen, der Umwelt zuliebe, der Not gehorchend, aber ungewöhnlich erfolgreich.

Am Montagmorgen sortiere ich gewissenhaft Bunt- und Weißwäsche aus, mache ein paar adäquate, maschinengerechte Häufchen, studiere die Waschprogramme, messe das Waschpulver ab und drücke die Go-Taste. Dann gurgelt, platscht und pflotscht es animalisch aus dem Blech, als wäre etwas darin, das nur darauf gewartet hat, gefüttert zu werden. Ich genieße das, wie andere Leute ein Symphoniekonzert. Laundry die Erste, Taste sieben, Weißwäsche in Splash-Dur, ist mein Favorit.

Konzert in Splash-Dur

Wenn die Trommel am Ende rotiert, als würde sie gleich davonfliegen, weiß ich: Das Ende naht, rette dich in die Bar, sonst bist du geliefert und musst weitermachen, bis der Waschberg weg ist. Ich meine bei aller Freude: Eine Überdosis der bezaubernsten Musik hat die Tendenz, sich hinsichtlich der Genussfähigkeit ins Gegenteil zu verkehren.

Zwei, drei Waschgänge schaffe ich dann jeweils doch noch und wundere mich über das Verhältnis von Frauen- zu Männerwäsche. Es ist nach grober Schätzung zehn zu eins. Der Grund ist einfach: Ich wechsle meine Klamotten alle 24 Stunden, meine WG-Genossinnen nach Lust und Laune mehrmals täglich. Unsere Elfjährige hält sich für ein Model und probiert ihre gut sortierte Garderobe mit den entsprechenden Posen vor dem Spiegel aus. Das ist lustig anzusehen und viel vitaler im Ausdruck als die Zombieshows der echten Models, die völlig entrückt mit zusammengepressten Lippen und hängenden Mundwinkeln über den Laufsteg geis­tern. Kommen dann noch ihre Freundinnen hinzu, stöckeln die Mädchen hüftewackelnd durch die Gänge und äffen die Profimodels so gekonnt nach, dass es eine Freude ist.

Das Problem ist bloß: Sie schmeisst die Klamotten nach den Shows einfach in den Wäschekorb, aus den Augen, aus dem Sinn. Meine Frau ist zwar über das Alter der permanenten Selbstbespiegelung hinaus, aber am Sonntag kann es schon mal ein Short mit Bluse von 10 bis 14 Uhr und anschliessend eine schicke Hose mit trendy T- Shirt sein. Ich wäre allerdings der Letzte, der etwas dagegen einzuwenden hat, eine modebewusste Frau an der Seite zu haben. Die Kehrseite ist dann einfach der Wäschehaufen am Montagmorgen, vor dem ich dann wie der Esel am Berg stehe und mich ratlos am Kopf kratze.

Wie der Esel am Berg

Natürlich habe ich versucht, mit gutem Zureden und typisch männlicher Logik auf das Problem aufmerksam zu machen und um Mässigung gebeten. Den Hinweis auf den enormen ökologischen Fußabdruck habe ich mir erspart, aus Furcht davor, dass die Tochter dann fragt: „Footprint? What footprint? Is this a new shoe-brand? In what shop can i buy it?“

Was blieb mir anderes, als zur Selbsthilfe zu greifen? Ungewöhnliche Situationen verlangen geniale Lösungen. Ich habe damit begonnen, die Wäsche auszusortieren: Die Saubere ins Töpfchen, die Schmutzige ins Kröpfchen. Will heißen: Die nach meinem Ermessen noch saubere Wäsche hänge ich an die Wäscheleine und spritze sie mit dem Gartenschlauch ab, damit sie schön zerknittert und wie frisch gewaschen aussieht. Daneben hänge ich die Klamotten, die die Waschmaschine wirklich von innen gesehen haben. Funktioniert tadellos. Wer einen Unterschied sieht oder riecht, lügt.

Wenn die Frauen am Abend nach Hause kommen, wundern sie sich zwar ein bisschen, dass ich viel weniger Zeit für den Job brauche, als sie früher (und viel weniger Waschmittel). Ich nehme die Komplimente dankbar entgegen, bin aber ein bisschen beunruhigt, weil mich die Nachbarin kürzlich dabei beobachtet hat, wie ich die Wäsche mit dem Gartenschlauch abgespritzt habe. Ihrem Gesichtausdruck zu entnehmen, fand sie das ziemlich bizarr. Es bleibt nur zu hoffen, dass mich mein Status als Farang davor schützt, dass sie mich denunziert, denn als Exote habe ich bei den Thais einen gewissen Spielraum, was die Definition von „verrückt“ betrifft.

Ghostlaundry - voll ÖKO

Ich gehe davon aus, dass die Leser des Magazins DER FARANG diese Methode dankbar aufgreifen und ihren Damen auch an die Wäsche gehen. Wer Probleme mit der Umsetzung hat, darf sich getrost an mich wenden, ich schreibe gerade an einem zukünftigen Bestseller. Titel: Voll ÖKO-Ghostlaundry mit Resjek.


​Über den Autor

Khun Resjek lebt mit seiner thailändischen Frau und Tochter in Hua Hin. Seine Kolumne „Thailand Mon Amour“ illustriert auf humorvolle Weise den Alltag im „Land des Lächelns“ aus der Sicht eines Farang und weist mit Augenzwinkern auf das Spannungsfeld der kulturellen Unterschiede und Ansichten hin, die sich im Familienalltag ergeben. Ein Clash der Kulturen der heiteren Art, witzig und prägnant auf den Punkt gebracht.

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