Chiang Mai im Griff des Smogs

Warum die Luftkrise jährlich wiederkehrt

Die geografische Kessellage und landwirtschaftliche Brandrodung sind Hauptursachen für den jährlichen Smog. Foto: Der Farang (ai)
Die geografische Kessellage und landwirtschaftliche Brandrodung sind Hauptursachen für den jährlichen Smog. Foto: Der Farang (ai)

CHIANG MAI: Jedes Jahr, wenn die kühle und trockene Jahreszeit beginnt, legt sich ein grauer Schleier über den Norden Thailands. Was als leichter Dunst beginnt, endet oft in gesundheitsgefährdenden Feinstaubwerten, die Chiang Mai regelmäßig an die Spitze der weltweit verschmutztesten Städte katapultieren. Doch warum wiederholt sich dieses Szenario trotz aller Warnungen und Maßnahmen jedes Jahr aufs Neue? Die Ursachen sind ein komplexes Zusammenspiel aus Geografie, Meteorologie und wirtschaftlichen Zwängen.

Die geografische Lage der „Rose des Nordens“ ist Fluch und Segen zugleich. Die Stadt liegt in einem Tal, umgeben von hohen Gebirgszügen wie dem Doi Suthep und dem Doi Inthanon. In den Monaten Januar bis April entsteht häufig eine sogenannte Inversionswetterlage. Dabei legt sich eine warme Luftschicht wie ein Deckel über die kühlere Luft im Tal. Da in dieser Zeit kaum Wind weht, kann die Luft nicht zirkulieren. Abgase und Rauch bleiben im Talkessel gefangen und reichern sich über Wochen an, ähnlich wie Rauch in einem geschlossenen Raum ohne Fenster.

Wirtschaftliche Zwänge der Landwirtschaft

Der Hauptverursacher der Partikel ist jedoch nicht der Stadtverkehr, sondern das großflächige Abbrennen von Biomasse. Für viele Kleinbauern in der Region ist das Feuer die einzig bezahlbare Methode, um Felder von Ernteresten – insbesondere Maisstrunk und Reisstroh – zu befreien und den Boden für die nächste Aussaat vorzubereiten. Maschinen zur umweltfreundlichen Beseitigung sind teuer und in dem oft steilen, unwegsamen Gelände schwer einzusetzen. Solange es keine kostendeckenden Alternativen oder Abnehmer für die Biomasse gibt, bleibt das Streichholz das Werkzeug der Wahl.

Ein weiterer, oft unterschätzter Faktor sind die Waldbrände, die häufig menschengemacht sind. Ein lokaler Glaube und wirtschaftlicher Anreiz spielen hierbei eine fatale Rolle: Der Pilz „Hed Thob“ (Astraeus hygrometricus), eine teure Delikatesse, gedeiht angeblich besser auf verbranntem Waldboden. Sammler legen daher gezielt Feuer, um das Unterholz zu lichten und die Pilzernte zu erleichtern. Diese Brände geraten in den trockenen Laubwäldern schnell außer Kontrolle und vernichten jährlich tausende Hektar Schutzwald.

Grenzüberschreitendes Problem

Die Luftverschmutzung kennt keine Landesgrenzen. Satellitenbilder der NASA und der GISTDA zeigen regelmäßig, dass ein erheblicher Teil des Rauchs aus den Nachbarländern Myanmar und Laos herüberweht. Auch dort wird Mais für den Weltmarkt angebaut, oft durch Vertragsanbau (Contract Farming) für große Konzerne, die auch in Thailand ansässig sind. Ohne eine koordinierte, transnationale Lösung innerhalb der ASEAN-Staaten bleiben lokale Löschmaßnahmen in Chiang Mai oft nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung sind gravierend. Krankenhäuser in Chiang Mai melden während der „Burning Season“ regelmäßig einen drastischen Anstieg an Atemwegserkrankungen, Augenreizungen und Hautausschlägen. Besonders betroffen sind Kinder und ältere Menschen. Der Tourismus, eine der Haupteinnahmequellen der Region, leidet ebenfalls massiv, da viele Besucher den Norden in diesen Monaten meiden und Hotels mit Stornierungen zu kämpfen haben.

Langfristige Lösungsansätze

In den letzten Jahren wächst der Druck auf die Politik, nachhaltige Lösungen zu finden, statt nur kurzfristige Verbote auszusprechen. Ein vielversprechender Ansatz ist die Schaffung von Lieferketten für Bio-Abfälle, bei denen Bauern Geld für ihre Erntereste erhalten, um diese in Biomasse-Kraftwerken zur Energiegewinnung zu nutzen. Auch die Nutzung von präziseren Satellitendaten zur Überwachung und Ahndung von illegalen Bränden wird intensiviert. Kritiker mahnen jedoch an, dass ohne finanzielle Unterstützung für die Bauern und ohne strengere Regulierung der großen Agrarkonzerne keine schnelle Besserung in Sicht ist.

Der Clean Air Act

Hoffnung ruht auf dem „Clean Air Act“, einem Gesetzesentwurf, der derzeit im thailändischen Parlament diskutiert wird. Dieses Gesetz soll erstmals die Luft als ein Grundrecht der Bürger definieren und den Behörden weitreichendere Befugnisse geben, um gegen Verschmutzer vorzugehen – auch grenzüberschreitend. Experten warnen jedoch, dass die Umsetzung Jahre dauern könnte. Bis dahin bleibt den Bewohnern Chiang Mais oft nur der Blick auf die PM2.5-App und der Griff zur N95-Maske.

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Johannes Tochtermann 08.12.25 19:30
@ Ingo Kerp
Unverständlich? Aus Sicht des Umweltschutzes auf jeden Fall !

"…. Für viele Kleinbauern in der Region ist das Feuer die EINZIGE BEZAHLBARE Methode, um Felder von Ernteresten – insbesondere Maisstrunk und Reisstroh – zu befreien und den Boden für die..."

Aus Sicht eines Kleinbauern (LEIDER) eher verständlich.....
Ich gehe davon aus, dass diese Bauern den Begriff "Subventionen" wohl eher nicht kennen, und erst recht nicht erfahren. Und darum bleibt ihnen im TÄGLICHEN EXISTENZKAMPF wohl keine Wahl.
Wird dieses Problem nicht nachhaltig "bearbeitet" (nich nur durch die Bauern.....) wird es leider nur Verlierer geben....
Ingo Kerp 08.12.25 14:50
So lassen die Bewohner in und um Chiang Mai, die "Rose des Nordens" jedes Jahr unter dem Feinstaub verschwinden. Das sie dabei die eigene Gesundheit ruinieren, scheint sie nicht zu interessieren oder es kommt bei ihnen nicht an. Unverständlich.

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