Jemand hat ein Auge auf mich geworfen. Es ist tatsächlich nur eines, sitzt in einem festen Gehäuse über unserem Balkon und schaut, was bei uns passiert: Wie und wo ich mein Krafttraining mache, den Garten begieße und die Rosen vergesse, Bananen und Mangos pflücke, wie jämmerlich ich vom Papayabaum gefallen bin, wann und womit ich das Haus verlasse, wer oder was zu Besuch kommt, in welche Rasenecke Nachbars Katze gerade hinscheißt….
Mein ganzes Leben wird erfasst, aufgezeichnet, gestreamt und archiviert. Ganz bestimmt gibt es schon einen Clip auf TukTuk …ähm TikTok, sorry. Bei OnlyFans bin ich sicher auch schon ein Star, ohne davon zu wissen und jemand verdient sich eine goldene Nase mit mir.
Ich bin jetzt ein Mensch ohne Geheimnisse, der „gläserne Farang“ von Hua Hin. Und wem habe ich dieses zweifelhafte Vergnügen zu „verdanken“? BeTaZ, der besten Thaifrau aller Zeiten!
Protest ohne Chance
Sie kam eines Abends mit dieser Kamera unter dem Arm nach Hause. Ich war entsetzt, erst mal wegen dem Einbruch in unsere Privatsphäre und auch wegen der schlichten Tatsache, dass es bei uns nichts von Wert zu holen gibt. Mein Fahrrad ist zehn Jahre alt, die Motorräder von Frau und Tochter gute fünf, wäre also alles zum Schrottwert zu klauen.
Aber: Ich habe eine hochkarätige Gemäldesammlung mit auserlesen Exemplaren aus allen Epochen, die nur zwei Mängel hat: Sie ist nicht versichert und die Kunstwerke stammen von mir. Lacht da jemand? Wartet mal ab, in zehn Jahren werden sie zu astronomischen Summen gehandelt. Der Künstler, der eine Banane auf ein Bild klebte, hat es ja auch geschafft. Er ist mein Vorbild.
Vollendete Tatsachen
Nun zog meine Frau den Joker aus der Tasche und sagte, dass unser Nachbar um seine Sicherheit fürchte, da die Seite zu unserem Grundstück nicht hinreichend gesichert sei, quasi eine Einladung für Diebe, Räuber und Halunken. Er schenkte ihr die Blackbox zur gefälligen Montage in unserem Garten. Na ja, wer könnte einem solchen „Geschenk“ widerstehen?
Ich finde das alles übertrieben, wir haben ja schon an beiden Enden des Ressorts Guards, die da Tag und Nacht Wache halten. Meine Frau meinte dazu mit bestechender weiblicher Logik, dass sie immer nur „wach“ seien, wenn wir unterwegs an ihnen vorbeigingen und wir nicht wüssten, ob sie schliefen, wenn wir NICHT an ihnen vorbeigingen…? Bei so viel Scharfsinn bleibt selbst dem hartgesottensten Ehemann die Spucke weg.
Klammheimliche Sabotage
Ok, ich habe inzwischen so getan, als würde ich nachgeben, habe aber in Wirklichkeit eine Strategie vorbereitet, die ich mir in ihrer Raffinesse selbst nicht zugetraut hätte. Not macht eben erfinderisch. Diskrete Sabotage ist das Gebot der Stunde: Ich befestige ein Foto von einem bekannten Politiker, den alle außer meine BeTaZ kennen, vor der Kamera. Sie wird es für etwas Obszönes halten und darin den Hintern eines übergewichtigen Mannes sehen, wenn sie im Office den Film kontrolliert. Wenn sie dann nach Hause kommt und zum Rechten schauen will, ist das Foto wieder weg, dafür trage ich Sorge. Das wird dann eine Weile so durchgespielt. Ist sie im Büro, ist der Hintern da, kommt sie nach Hause, ist er wieder weg.
Mal sehen, wie lange sie das durchhält. Wenn sie sich dann beklagt, sage ich in aller Unschuld: Du bist nicht die Einzige, weltweit sehen Milliarden diesen A… tagtäglich auf allen Kanälen, wieso solltest du damit verschont werden, so privilegiert ist heute niemand mehr.
Aus dem Bauernkalender von 1683 Kommt der Fuchs auf leisen Sohlen, |
Über den Autor
Khun Resjek lebt mit seiner thailändischen Frau und Tochter in Hua Hin. Seine Kolumne „Thailand Mon Amour“ illustriert auf humorvolle Weise den Alltag im „Land des Lächelns“ aus der Sicht eines Farang und weist mit Augenzwinkern auf das Spannungsfeld der kulturellen Unterschiede und Ansichten hin, die sich im Familienalltag ergeben. Ein Clash der Kulturen der heiteren Art, witzig und prägnant auf den Punkt gebracht.