BANGKOK: Die thailändische Hotelbranche steht vor ihrer ersten Schrumpfung seit fünf Jahren. Laut einer aktuellen Prognose des Kasikorn Research Centre wird der Gesamtumsatz 2025 voraussichtlich um 4,5 Prozent zurückgehen.
Die Experten machen dafür eine Kombination aus sinkenden internationalen Touristenzahlen, rückläufigen Auslastungsraten und geringeren Einnahmen aus Zusatzleistungen verantwortlich.
Rückgang bei Touristenzahlen und Auslastung
Für das Jahr 2025 wird erwartet, dass die Zahl der internationalen Besucher um 9 Prozent auf rund 32,2 Millionen fällt. Zudem sinkt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer ausländischer Gäste. Zwischen Januar und Juli 2025 lag die landesweite Hotelauslastung bei 71,66 Prozent, was einem Rückgang um 0,2 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Für das Gesamtjahr wird ein weiterer Rückgang auf etwa 69,83 Prozent prognostiziert. Gleichzeitig dürften die durchschnittlichen Zimmerpreise um 4 Prozent fallen, nachdem sie in den ersten sieben Monaten bereits um 5 Prozent zurückgingen.
Weniger Einnahmen aus Veranstaltungen
Ein zusätzlicher Belastungsfaktor ist der Rückgang von Einnahmen aus Konferenzen, Seminaren und internationalen Events (MICE). In der ersten Jahreshälfte 2025 sank die Zahl der Meetings und Tagungen – sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene – um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch Konzerte und andere Großveranstaltungen finden seltener statt, was die Umsätze weiter schmälert.
Steigende Betriebskosten bei hoher Konkurrenz
Trotz der sinkenden Nachfrage haben Hotelbetreiber mit deutlich höheren Betriebskosten zu kämpfen, insbesondere durch gestiegene Lohnkosten. Aufgrund der angespannten Marktsituation und des starken Wettbewerbs können die erhöhten Kosten jedoch kaum an die Gäste weitergegeben werden.
Regionale Unterschiede und Risikogruppen
Das Kasikorn Research Centre betont, dass die Krise nicht alle Regionen gleichermaßen betrifft. Besonders gefährdet sind Hotels, die stark von internationalen Gästen abhängig sind, etwa in Bangkok, Chonburi, Songkhla und Chiang Mai. Hier verschärft ein großes Überangebot an Zimmern den Preisdruck.
Ebenso betroffen sind Hotels in Grenzprovinzen wie Sakaeo und Ubon Ratchathani, wo die anhaltenden Spannungen an der thailändisch-kambodschanischen Grenze die Tourismusnachfrage zusätzlich belasten.
Gleichzeitig gibt es Regionen, die von dieser Entwicklung kaum betroffen sind oder sogar wachsen. Dazu zählen Kanchanaburi, Phang-nga, Nakhon Si Thammarat, Nakhon Ratchasima und Nakhon Phanom, die vor allem bei inländischen Touristen beliebt sind.
Hohe Unsicherheit und strukturelle Anpassungen
Die Experten warnen, dass die Risiken für die Branche noch zunehmen könnten, sollten die Touristenzahlen – sowohl international als auch im Inland – stärker als erwartet zurückgehen. Gründe dafür sind die schwächelnde Weltwirtschaft, eine gedämpfte Binnennachfrage sowie geopolitische Spannungen. Besonders kleine und mittelständische Hotels stehen unter Druck, da viele von ihnen hohe Schuldenquoten im Verhältnis zu ihren Einnahmen haben.
Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, empfehlen die Analysten einen strategischen Wandel hin zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell. Hotels sollen künftig stärker auf umweltbewusste Konzepte setzen, um den wachsenden Anforderungen von Gästen und Geschäftspartnern gerecht zu werden und gleichzeitig ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.