Thailand drohen neue US-Strafzölle

Exportwirtschaft fürchtet Risiken im zweiten Halbjahr

Container im Hafen von Laem Chabang: Neue US-Zölle könnten die thailändische Exportwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte belasten. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Container im Hafen von Laem Chabang: Neue US-Zölle könnten die thailändische Exportwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte belasten. Foto: epa/Rungroj Yongrit

BANGKOK: Thailands Exporte könnten in der zweiten Jahreshälfte 2026 durch neue US-Zölle unter erheblichen Druck geraten. Ökonomen und Wirtschaftsvertreter warnen vor zunehmenden Unsicherheiten im internationalen Handel, falls die Vereinigten Staaten die angekündigten Maßnahmen nach Section 301 des US-Handelsgesetzes wie geplant im kommenden Monat umsetzen.

Nach Einschätzung von Nuttaporn Triratanasirikul, stellvertretende Geschäftsführerin des Kasikorn Research Center (K-Research), könnte das Exportwachstum Thailands in der zweiten Jahreshälfte im ungünstigsten Fall auf dem Niveau des Vorjahres stagnieren. Grundlage der geplanten Maßnahmen ist Section 301 des US Trade Act, die es der US-Handelsbehörde ermöglicht, gegen Länder vorzugehen, denen unfaire oder diskriminierende Handelspraktiken vorgeworfen werden. Dazu zählen unter anderem Überkapazitäten in der Industrie, Verstöße gegen geistige Eigentumsrechte, digitale Sondersteuern sowie Zwangs- und Kinderarbeit.

Washington nimmt Lieferketten ins Visier

Die US-Handelsbehörde begründet die geplanten Zölle insbesondere mit aus ihrer Sicht unzureichenden Maßnahmen gegen Zwangsarbeit. Dabei könnten auch Produkte betroffen sein, die zwar nicht direkt in einem Land unter Einsatz von Zwangsarbeit hergestellt werden, deren Lieferketten jedoch Rohstoffe oder Vorprodukte aus entsprechenden Herkunftsländern enthalten.

Die neuen Section-301-Zölle könnten die derzeit geltenden Section-122-Zölle ersetzen, die am 24. Juli 2026 auslaufen. Diese waren eingeführt worden, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA die von Präsident Donald Trump verhängten sogenannten „reziproken Zölle“ für verfassungswidrig erklärt hatte.

Thailand drohen 12,5 Prozent Zoll

Nach den bisherigen Vorschlägen würden Einfuhren aus Thailand künftig mit einem Zollsatz von 12,5 Prozent belegt. Thailand wäre damit gemeinsam mit Ländern wie China, Brasilien, Südkorea und der Schweiz betroffen. Derzeit gilt für thailändische Waren ein Zollsatz von zehn Prozent. Die ursprünglich vorgesehenen reziproken Zölle von 19 Prozent waren zuvor vom Gericht aufgehoben worden.

Für den 7. Juli 2026 hat die US-Handelsbehörde öffentliche Anhörungen zu den geplanten Maßnahmen angesetzt. Nach Abschluss der Prüfung könnten die endgültigen Zollsätze bereits im kommenden Monat festgelegt werden. In einzelnen Fällen könnten die neuen Section-301-Zölle zusätzlich zu bestehenden Basiszöllen erhoben werden.

Zölle als Druckmittel in Verhandlungen

Nuttaporn erklärte, dass die Vereinigten Staaten mit der Maßnahme betroffene Länder zu Verhandlungen bewegen wollten. Staaten wie Thailand müssten möglicherweise Zugeständnisse machen, um günstigere Zollbedingungen zu erreichen. Sollte das Ergebnis aus Sicht Washingtons nicht zufriedenstellend ausfallen, könnten die Zölle später weiter angehoben werden.

Während Länder wie Malaysia, Indonesien und Kambodscha bereits Handelsvereinbarungen mit den USA erzielt hätten, stehe eine endgültige Einigung zwischen Thailand und Washington weiterhin aus. Zudem könnten die Maßnahmen Gegenreaktionen anderer betroffener Staaten auslösen, ähnlich wie bereits bei früheren Zollkonflikten.

Exportprognose bleibt bei 8,2 Prozent

K-Research erwartet trotz der Risiken weiterhin ein Exportwachstum für das Gesamtjahr 2026 von 8,2 Prozent. Die Prognose war erst kürzlich von zuvor einem Prozent angehoben worden. Hintergrund ist ein kräftiger Anstieg der Ausfuhren um nahezu 20 Prozent in den ersten vier Monaten des Jahres. Für die zweite Jahreshälfte rechnet das Institut jedoch mit einer deutlichen Abschwächung.

Auch die Federation of Thai Industries (FTI) sieht die Entwicklung mit Sorge. Die Aussicht auf neue Zölle habe bei vielen Exporteuren bereits Diskussionen über steigende Kosten ausgelöst. FTI-Vorsitzende Pimjai Leeissaranukul erklärte, insbesondere die Lebensmittelindustrie dürfte betroffen sein. Unternehmen müssten ihre Kosten möglichst streng kontrollieren. Gleichzeitig müsse Thailand verstärkt neue Absatzmärkte erschließen.

Entscheidung hängt von Trump ab

Pimjai zeigte sich zwar zuversichtlich hinsichtlich der laufenden Verhandlungen zwischen Thailand und den USA, betonte jedoch, dass die endgültige Entscheidung letztlich auch von Präsident Trump abhänge. Dessen Vorgehen sei häufig von Druck und Drohungen geprägt.

Weniger besorgt äußerte sich Koraphat Vorachet, Forschungschef von Krungsri Securities. Nach seiner Einschätzung dürften die Auswirkungen begrenzt bleiben. Schnell wachsende Elektronikexporte seien von den geplanten Maßnahmen ausgenommen. Die meisten Zölle beträfen Agrarprodukte, deren Produzenten sich bereits auf frühere Zollmaßnahmen eingestellt hätten.

Reis und Textilien besonders betroffen

Nach ersten Bewertungen des National Economic and Social Development Council werden die wirtschaftlichen Folgen der Section-301-Untersuchung voraussichtlich überschaubar bleiben. Als besonders gefährdete Exportgüter gelten Reis, Textilien, Garne, persönliche Schutzausrüstungen sowie Solarzellen.

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