Starke Währung bedroht Thailands Wirtschaft

Foto: epa-efe/Diego Azubel
Foto: epa-efe/Diego Azubel

BANGKOK: Die Sorge um die Stärke der thailändischen Währung wächst. Prachai Leophairat, CEO von TPI Polene Public Company Limited, warnte kürzlich vor den möglichen wirtschaftlichen Folgen eines anhaltend starken Baht. Er zieht dabei Parallelen zur verheerenden „Tom Yam Kung“-Krise im Jahr 1997, die das Land tief in eine wirtschaftliche Rezession stürzte.

Laut Prachai könnte eine vergleichbare Krise drohen, wenn der Baht weiter an Wert gewinnt. Er nannte insgesamt elf Hauptrisiken, die durch die Aufwertung des Baht entstehen. Besonders kritisch sieht er die Entwicklung der Zinssätze in den USA und Thailand: Fällt der Zinssatz des US-Dollars bei gleichzeitigem Anstieg des Zinssatzes für den Baht, könnte dies zu einer weiteren Stärkung der thailändischen Währung führen.

Ein Anstieg des Baht um 10 Prozent kombiniert mit einem Rückgang des US-Dollar um ebenso 10 Prozent würde die Produktionskosten thailändischer Unternehmen um 20 Prozent in die Höhe treiben. „Diese Kostensteigerung würde unsere Produkte auf dem internationalen Markt um 20 Prozent verteuern und damit unattraktiv machen“, erklärte Prachai. Die Folge: ein Rückgang bei den Primärgütern und eine potenzielle Einstellung der Produktion in den Sekundär- und Tertiärindustrien.

Die drohenden wirtschaftlichen Konsequenzen sind gravierend:

  • Fabriken könnten geschlossen werden,
  • die Arbeitslosigkeit könnte steigen,
  • die Konsumausgaben könnten sinken,
  • Industrieinvestitionen könnten eingestellt werden,
  • Verschuldungen von Haushalten und Unternehmen könnten zunehmen,
  • höhere Kosten für Bankdarlehen aufgrund steigender Rückstellungen für uneinbringliche Forderungen könnten entstehen,
  • Banken könnten die Kreditvergabe an angeschlagene Unternehmen einschränken,
  • Steuereinnahmen könnten fallen und Haushaltskürzungen nötig werden,
  • Staatsausgaben könnten zurückgehen,
  • das Bruttoinlandsprodukt (BIP) könnte schrumpfen,
  • die Devisenreserven könnten sinken.

Prachai warnte abschließend, dass ein Mangel an Devisenreserven, gepaart mit einem Rückgang der Exporte und weiteren Fabrikschließungen, Thailand in eine ähnliche Situation wie 1997 bringen könnte. Eine solche Krise würde das Land anfällig für ausländische Ausbeutung seiner Vermögenswerte machen. Diese Szenarien stellen eine ernste Warnung dar, die die Wirtschaftspolitik Thailands in den kommenden Monaten maßgeblich beeinflussen könnte.

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Tom​ 01.10.24 12:56
@Siegfried Kienberger
Danke für die Darstellung der "anderen Seite". Solche Währungsausschläge haben natürlich immer zwei Seiten und so reiben sich aktuell auch viele Thai-Firmen die Hände. Eben die, die auf Importe angewiesen sind. Das macht die Sache so schwierig, weil es den "goldenen Mittelweg" zu finden gilt. Ich bin mir relativ sicher, die thailändischen "Währungshüter" werden bald dezent(?) gegensteuern. Und die Instrumente dafür haben sie.
Joa Dumke 01.10.24 12:55
Ich erinnere mich noch gut a Zeiten als ich 51 Bhat für den Euro bekam
Gerd Schmitt 01.10.24 12:52
Nicht nur Nachteile
Eine starke Währung hat auch Vorteile:
- Importe werden günstiger
- Energie wird günstiger
- Übernahme von/ Beteiligungen an ausländischen Firmen wird günstiger
- Auslandsurlaub wird günstiger

Unangenehm für Expats, aber aus Thaisicht lieber eine starke als eine schwache Währung. Eine starke Währung lässt sich leicht schwächen, andersrum ist das schwer.

@IK: warum sollten die täglichen Einkäufe teurer werden? Der Verdienst bleibt gleich, inländische Waren werden wegen internationalem Konkurrenzdruck eher günstiger, importierte sowieso.
Harald Mannel 01.10.24 12:52
zusätzlich zu den geplanten Steuern, wo nach über 1 Jahr (welch eine Schande für Thailand!) immer noch nichts Konkretes zu hören ist, kommt noch dieses Währungsdesaster hinzu! Wenn das so weiter geht, stehen wir Weihnachten bei 32 Baht für den Euro! Und das ist wie Ingo Kerp schrieb für etliche Rentner ein Riesenproblem!
Ja, Ieschim Alex, du schreibst hier genau das RIchtige! Phuut maak, das können die, aber Handeln, um den Kurs zu stabilisieren, können sie nicht!
Guido Gassen 01.10.24 12:51
Es wäre doch ein grosses Investment den Herrn Kerb als Sozial wirtschaftlichen Vollprofi ins Parlament mit einzugliedern. Wir/die ärmsten Expats wären bei seinen Überlegungen immer mit im Vordergrund und wir könnten ihm auf immer "Danken"......Ironie off
Kradi 30.09.24 18:40
Wir sind hier nur geduldete Gäste - lasst sie machen, aber es wird sich rächen.
Siegfried Kienberger 30.09.24 16:10
Die Importeure freuen sich, die Exporteure ärgern sich. Man muss feststellen was wichtiger für die Wirtschaft ist.

Ich befürchte der Baht geht rauf auf 33 Baht / Euro wie wir es schon vor 5 Jahren hatten.
Ingo Kerp 30.09.24 12:20
Das sind momentan keine guten Zukunftsaussichten für die thailändische Wirtschaft und damit verbunden auch für die Menschen, deren Einkauf der taäglichen Llebensgüter immer teurer wird. Das immer in der Hoffnung, das sie ihre Arbeitsstelle nicht verlieren und noch einen Lohn / Gehalt mit heim bringen koennen. Auch Expats, die keine erforderlichen 800.000 THB auf dem Konto haben und monatlich die erforderlichen 65.000 THB Einkommen nachweisen müssen, koennen Probleme bekommen, da die Renten sich nicht an der Währungspolitik beteiligen.
leschim alex 30.09.24 12:20
Nicht nur warnen, rumlamentieren, reden .....
..... und Sitzungen abhalten die nichts bewirken. Handeln - und zwar sofort.

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