Stadt der Sterne

Herrlich unspektakulär – Natururlaub für Geist und Seele in Chiang Dao

Der Berg ruft. Foto: newroadboy / Fotolia.com
Der Berg ruft. Foto: newroadboy / Fotolia.com

CHIANG DAO: Lust auf eine Auszeit jenseits von Massentourismus und urbanisierten Zentren? Die malerische Bergwelt von Chiang Dao im hohen Norden des Landes entfaltet eine positive Wirkung aufs Wohlbefinden und lockt zu unvergesslichen Erlebnissen in der Natur. Besonders in den Wintermonaten, wenn die Temperaturen nachts auf bis zu 10 Grad sinken können und die frühmorgens über die Täler kriechenden Nebelschwaden die Landschaft verwunschen wirken lassen, entfaltet die Region ihren ganz besonderen Reiz.

Schon aus der Ferne sticht der markante Berg ins Auge. Mit seinen 2.175 Metern zählt der Doi Luang Chiang Dao zu den höchsten Gipfeln in Thailand. Er kann in einem Tag bestiegen werden. Fotos: Spraul-Doring
Schon aus der Ferne sticht der markante Berg ins Auge. Mit seinen 2.175 Metern zählt der Doi Luang Chiang Dao zu den höchsten Gipfeln in Thailand. Er kann in einem Tag bestiegen werden. Fotos: Spraul-Doring

Obwohl Chiang Dao von der Metropole Chiang Mai nur 90 Fahrminuten entfernt ist, verirren sich wenige Touristen hierher. Die 80.000-Seelenstadt am Ping-Fluss selbst erstreckt sich hauptsächlich entlang der Hauptstraße und ist weniger reizvoll. Umso mehr hat die Umgebung zu bieten.

Chiang Dao bedeutet „Stadt der Sterne“ und liegt an den grünen Hängen des Doi Luang Chiang Dao. Der 2.175 Meter hohe Berg ist einer der höchs­ten Thailands und dominiert den Ort mit seiner majestätischen Pracht. Dieser Berg ist durchlöchert von Höhlen. Die Chiang Dao Caves bilden ein weit verzweigtes Höhlensystem mit mehreren Räumen, das sich angeblich über rund 15 Kilometer in den Berg hineinzieht. Nur ein kleiner Teil davon ist für Besucher zugänglich.

Im Innern des Berges

Die Chiang Dao Cave mit ihren beleuchteten Buddha-Figuren und Schreinen ist die populärste Sehenswürdigkeit.
Die Chiang Dao Cave mit ihren beleuchteten Buddha-Figuren und Schreinen ist die populärste Sehenswürdigkeit.

Und dieser Teil der Chiang Dao Caves (täglich, 7 bis 17 Uhr, Eintritt 40 Baht, Führerin 100 Baht zzgl. Kerosinlampe 100 Baht für längere Trips) ist die Hauptattraktion der Gegend, sowohl für einheimische Gäste als auch für Touris­ten aus aller Welt. Die heilige Höhle ist in den vorderen Kammern beleuchtet, so dass man die Schreine, Statuen und Stalaktiten gut sehen kann. Teilweise wird sie dezent beleuchtet, was westlichen Touristen gefällt, mal in grellen, bunten Farben, wie es mehr Asiaten anspricht. Der leicht zu begehende Pfad führt durch verschiedene, recht breite Kammern und endet nach ca. 200 Metern.

Auch der Bereich vor der Höhle verdient gebührende Aufmerksamkeit. Im malerischen Teich gleich vor der Höhle kann man die bunten Karpfen füttern. Das macht nicht nur Spaß, sondern ist auch gut fürs Karma. Halb verfallene Tempel und überwucherte Buddha-Statuen hinter dem Teich wirken malerisch. Auf dem Tempelgelände muss man auch nicht verhungern oder verdursten. Es gibt zahlreiche Essstände und Cafés. Andere Stände bieten Wurzeln, Samen oder Naturmedizin an. Wenn man fragt, wozu spezielle Kräuter oder Tinkturen gut sind bekommt man die aufschlussreichen Antworten: „Good for men“, „Black magic“ oder „For long life“…

„Good for men“, „Black magic“ oder „For long life“, an diesem Stand gibt es Kräuter und Tinkturen für besondere Anliegen.
„Good for men“, „Black magic“ oder „For long life“, an diesem Stand gibt es Kräuter und Tinkturen für besondere Anliegen.

Für die andere zugängliche Route benötigt man eine Führerin, die mit einer altmodischen Kerosinlaterne vorausgeht. Der 725 Meter lange abenteuerliche Pfad führt durch dunkle, verwinkelte Gänge in die Tiefe. Die Führerin spricht in der Regel kein Englisch, aber sie zeigt auf besondere Felsformationen, die mit viel Fantasie einem Elefanten, einer Lotosblume oder einem Buddha ähneln. Der einzige Satz, den alle Führerinnen gelernt zu haben scheinen ist: „Mind your head“. Und auf den Kopf muss man tatsächlich oft aufpassen, wenn man sich unter der Höhlendecke vorantasten, durch niedrige Tunnel kriechen oder sich durch Engstellen zwängen muss. Auch auf die reinen weißen Kristallformationen weist die Frau mit der Lampe gebührend hin. Das Getier, das sich in den Felsritzen bewegt, wie Spinnen oder Fledermäuse, findet sie keiner Beachtung würdig. Wahrscheinlich sind alle „Höhlenforscher“ nach ungefähr 45 Minuten froh, das Tageslicht wieder zu erblicken. Es ist übrigens ratsam, feste Schuhe zu tragen und eine eigene Taschenlampe dabei zu haben. Wer Angst vor Dunkelheit oder Spinnen hat, unter Klaustrophobie leidet oder Probleme beim Treppensteigen hat, sollte auf diese Aktivität verzichten.

Vor der Chiang Dao Cave befindet sich ein malerischer Teich mit vielen Karpfen. Sie zu füttern, bringt Karmapunkte.
Vor der Chiang Dao Cave befindet sich ein malerischer Teich mit vielen Karpfen. Sie zu füttern, bringt Karmapunkte.

Dienstags auf dem MarktEs macht übrigens Sinn, die Wochentage des Chiang-Dao-Aufenthaltes gut zu planen. Wochenenden sollte man meiden, wenn man die Höhle nicht mit Tausenden Einheimischen teilen will.

Am Dienstag findet der bekannte Dienstagmorgenmarkt statt. Gigantisch in der Größe, erstreckt er sich über einen halben Kilometer an beiden Seiten der Hauptstraße 107. Riesige bunte Schirme, Planen und Zelte auf der Straße und im Brachland dahinter bilden den Markt. Hier findet man neue und gebrauchte Kleidung in allen Größen, Haushalts- und Drogerieartikel, Obst und Gemüse, lebende Fische, rohes Fleisch und vieles, vieles mehr. Alles ist spottbillig, so dass sich Feilschen nicht lohnt. Man kann hier wirklich eine Menge finden. Nur – wer Angehörige der Bergstämme in ihrer traditionellen Tracht sucht, wie noch in den Reiseführern beschrieben, kommt einige Jahre zu spät.

Am Donnerstagabend wird das Ortszentrum in Chiang Dao zur Walking Street. Vor allem Einheimische vergnügen sich hier. Viele Essensstände laden zum Probieren traditioneller Snacks und Gerichte ein, aber auch allerhand anderes wie Kleidung, Taschen oder Büstenhalter wird geboten.

Bergkloster mit Aussicht

510 Stufen muss man erklimmen, um den Bergtempel Wat Tham Pha Phlong zu erreichen. Die Aussicht ist überwältigend.
510 Stufen muss man erklimmen, um den Bergtempel Wat Tham Pha Phlong zu erreichen. Die Aussicht ist überwältigend.

Vier Kilometer hinter den Chiang Dao Caves kommt man zu dem Waldtempel Wat Tham Pha Phlong. 510 Stufen muss man bewältigen bis man oben ist. Die friedvolle, ruhige Atmosphäre und die fantastische Aussicht ins Tal und über die Berge lohnen die Anstrengung. Am frühen Morgen, wenn die Berggipfel in Nebel gehüllt und die Sonne sich langsam einen Durchbruch bahnt, herrscht eine fast mystische Stimmung. Der Aufstieg führt durch einen sehr gepflegten Wald. An vielen Bäumen sind buddhistische Weisheiten angebracht, die zum Nachdenken anregen. Der relativ neue Tempel ist in einen Felsen hineingebaut. Ganz oben befindet sich ein kleiner Schrein mit einigen Habseligkeiten des verehrten Tempel-Gründers, des Mönchs Luang Poo Sim Buddhacaro.

Kristallklares Wasser

Etwa 30 Autominuten nördlich von Chiang Dao befindet sich der Pha-Daeng-Nationalpark. Hier locken vor allem die Pong Arng Hotsprings und die Sri Sungwan-Wasserfälle. Die Hotsprings bestehen aus zwei kristallklaren heißen Quellen von 51 ° C und 58 ° C. Die dritte Quelle ist kalt und sieht eher milchig aus. Das Wasser wird in einen naturnahen Pool mit angenehmer Temperatur geleitet, in dem man wohlig entspannen kann. Die ortsnahen Hotsprings, die aus Betonkübeln bestehen, in die das heiße Wasser geleitet wird, sind weniger attraktiv.

Übernachtung für Naturfreunde

Malee‘s Nature Lovers Bungalows bietet genau das, was der  Name besagt: Gemütliche Bungalows für Naturliebhaber.
Malee‘s Nature Lovers Bungalows bietet genau das, was der Name besagt: Gemütliche Bungalows für Naturliebhaber.

Wer wahre Ruhe mitten in der Natur sucht, sollte nicht direkt im Ort absteigen, sondern möglichst noch hinter den Höhlen, zum Beispiel in Malee´s Nature Lover Bungalows.

Die Anlage liegt fernab jeden Verkehrslärms. Nur Vogelgezwitscher stört die Ruhe. Überall blüht und grünt es und Schmetterlinge schweben von Blüte zu Blüte. Es gibt 12 Bungalows mit unterschiedlichem Standard. Man kann zwischen den hübschen einfacheren Bungalows für 700/ 900 Baht oder den luxuriösen Honeymoon-Bungalows für 1.100/ 1.400 Baht wählen. Malee, die Besitzerin, kümmert sich um alles und ist sehr hilfsbereit. Zum Frühstück serviert sie neben anderem selbstgebackenes Vollkornbrot und hausgemachte Marmelade. Ihr Schweizer Mann Kurt kennt sich bestens in den Bergen aus und berät gerne die an Abenteuer interessierten Gäste seiner Frau.

Auch Kinder sind willkommen. Für sie steht ein kleiner Pool bereit. Viele Gäste der Malee´s Nature Lover Bungalows sind ausgesprochene Birdwatcher. Direkt im Garten oder aber auch im Chiang-Dao-Nationalpark sind sehr viele Vogelarten beheimatet, zum Beispiel der seltene große Kleiber oder der besonders hübsche Humefasan. Ornithologen aus der ganzen Welt kommen hierher, um Vögel zu beobachten.

Wenn der Berg lockt

Die Tagestour zum Berggipfel vom Doi Luang Chiang Dao setzt eine Anmeldung beim Nationalparkbüro voraus.
Die Tagestour zum Berggipfel vom Doi Luang Chiang Dao setzt eine Anmeldung beim Nationalparkbüro voraus.

Um den Berg Doi Luang Chiang Dao besteigen zu dürfen, muss man einige administrative Hürden überwinden, die der Nationalpark verlangt. Die Tagestouren auf den Gipfel werden zu 2.500 Baht/ Person angeboten. Die Buchung hat rechtzeitig am Vortag zu erfolgen. Frühmorgens geht die eineinhalbstündige Fahrt mit dem Geländewagen über holprige Naturstraßen durch grünen Dschungel auf 1.400 Meter Höhe. Ein lokaler Führer begleitet die Gruppe auf der 8,5 Kilometer langen Wanderung. Es müssen ungefähr 800 Höhenmeter überwunden werden, um den 2.200 Meter hohen Gipfel zu erreichen. Die Ausblicke oben sind atemberaubend.

Kulinarische Highlights

Wer alle die ausgezeichneten Restaurants und Cafés der Stadt durchprobieren will, muss mindestens zwei Wochen in Chiang Dao einplanen.

Der berühmteste kulinarische Hotspot ist sicher Chiang Dao Nest direkt oberhalb von Malee´s. Hier wird internationale Küche mit Raffinesse und Qualität kredenzt. Feinschme­cker kommen nur dieses Restaurants wegen für ein Dinner von Chiang Mai angereist. Das Restaurant des Nest 2 an der Straße in Richtung der Höhlen ist auf thailändische und thailändische Fusionsgerichte konzentriert. Hier werden hochwertige lokale Produkte ästhetisch präsentiert. In beiden Lokalen sollte man einen Tisch im Voraus reservieren.

Lust auf mehr? Lesen Sie auch das Interview mit Malee Keratitaweesuk, Besitzerin von Malee´s Nature Lover Bungalows.


Anreise

Chiang Dao befindet sich 72 Kilometer nördlich von Chiang Mai am Highway 107 nach Fang und Thaton. Von Bangkok ist es 786 Kilometer von entfernt. Von Chiang Mai aus fahren halbstündlich lokale, unklimatisierte Busse von der Chang Puak Bus Station ab. Private, klimatisierte Minivans bedienen die gleiche Route in stündlichem Rhythmus. Die Fahrtzeit beträgt etwa zwei Stunden. Mit PKW oder Motorrad geht es schneller. Am einfachsten ist es, am Flughafen Chiang Mai ein Taxameter zu nehmen. Mit dem Auto benötigt man von Bangkok aus ca. 11 Stunden.

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Hansruedi Bütler 11.01.20 13:30
Jenseits des Massentourismus kann man
in Chiang Mai zu dieser Jahreszeit auch ordentlich "dicke" Luft genießen. Ansonsten wären die Wälder und Berge ein Paradies.