Waffenruhe im Libanon hält weitgehend trotz Verstößen
BEIRUT: Bisher konnte keine Waffenruhe die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah dauerhaft einstellen. Nun herrscht zum ersten Mal seit langem nahezu Ruhe.
Die Waffenruhe im Konflikt zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah wird trotz gemeldeter Verstöße weitgehend eingehalten.
Das israelische Militär griff nach eigenen Angaben zwei Hisbollah-Kämpfer im Südlibanon an. Die Armee sprach von einer «Bedrohung», die «beseitigt» worden sei. Libanons staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete darüber hinaus, dass israelische Soldaten auf zwei zivile Fahrzeuge nahe der Stadt Nabatija geschossen hätten. Verletzte habe es dabei nicht gegeben. Über der Küstenstadt Tyrus wurden erneut israelische Drohnen gemeldet. Sie lösten bei rückkehrenden Bewohnern Sorge vor erneuten Angriffen aus.
In der US-Hauptstadt Washington gehen unterdessen Gespräche zwischen israelischen und libanesischen Regierungsvertretern weiter. Ziel ist dabei vor allem, die Waffenruhe zu festigen. Libanons Ministerpräsident Nawaf Salam betonte in einer Mitteilung seines Büros seine Ablehnung der israelischen Militärpräsenz im Südlibanon. Präsident Joseph Aoun betonte, die Gespräche würden unabhängig von den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran fortgesetzt. Die libanesische Regierung, die nicht Partei ist in dem Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah, will eine dauerhafte und vom Iran unabhängige Einigung mit Israel durchsetzen und den iranischen Einfluss im Land zurückdrängen.
Syrien beginnt Prozess gegen weiteren Cousin Assads
DAMASKUS: In Syrien laufen Gerichtsverfahren gegen Vertreter der gestürzten Regierung. Nun steht ein weiterer Verwandter des früheren Machthabers Assad vor Gericht. Die Hoffnung auf Aufarbeitung ist groß.
In Syrien hat mit dem Prozess gegen Wassim al-Assad, einem Cousin des gestürzten Machthabers Baschar al-Assad, ein Gerichtsverfahren gegen einen weiteren wichtigen Vertreter des ehemaligen Machtapparats begonnen. Nach Angaben des Gerichts werden ihm unter anderem die Bildung bewaffneter Gruppen, Drogenhandel, Entführungen und Erpressung vorgeworfen. Der Prozess wird in Syrien von Anwälten und Beobachtern als symbolträchtig eingestuft.
Wassim al-Assad galt über Jahre als wichtige Figur im kriminellen und paramilitärischen Netzwerk der syrischen Führung. Dabei war er auch an der gewaltsamen Unterdrückung der Opposition beteiligt und stieg laut internationalen Ermittlern zu einem der einflussreichsten Drahtzieher des milliardenschweren, globalen Captagon-Drogenschmuggels auf, weshalb er von den USA und der EU mit schweren Sanktionen belegt wurde. Er wurde vor rund einem Jahr von den aktuellen syrischen Behörden festgenommen.
Unter der Herrschaft von Baschar al-Assad hat sich Syrien zu einem zentralen Umschlagplatz für den illegalen Handel mit Captagon entwickelt. Der Handel mit den Amphetamin-Tabletten galt als eine der wichtigsten Einnahmequellen der damaligen syrischen Regierung.
In Syrien laufen bereits Gerichtsverfahren gegen Vertreter der ehemaligen Assad-Regierung. Darunter ist auch Atef Nadschib, ebenfalls ein Cousin des gestürzten Präsidenten. Nadschib ist der frühere Chef für Sicherheit der südlichen Stadt Daraa. Ihm werden Verbrechen gegen das syrische Volk vorgeworfen, darunter «systematischer Massenmord» und willkürliche Verhaftungen. Mit den Prozessen sind große Hoffnungen verbunden auf Aufarbeitung der Gräuel unter der brutalen Herrschaft Assads.