«El Mundo»: Trumps Iran-Fiasko
MADRID: Die spanische Zeitung «El Mundo» kommentiert das angekündigte Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran:
«Das Abkommen zwischen den USA und dem Iran zur Beendigung des Krieges ist eine Erleichterung für die internationale Gemeinschaft, die von seinen geopolitischen und wirtschaftlichen Folgen schwer getroffen ist. Es bietet jedoch keine Garantie für Stabilität in der Region. (...)
Obwohl das Ende der Feindseligkeiten das Risiko einer Eskalation nach fast vier Monaten israelisch-amerikanischer Offensive verringert, kann es nicht Donald Trumps Fiasko verdecken, dass er bei dem Versuch erlitten hat, das verachtenswerte Regime der Ajatollahs zu stürzen und dessen Atomprogramm zu demontieren. Große Teile der amerikanischen Öffentlichkeit werden das Abkommen als militärische Niederlage werten, was die Position des Präsidenten kurz vor den Zwischenwahlen untergräbt. (...)
Der Iran konnte im Gegenzug für die Wiedereröffnung von vor dem Krieg offenen Seewegen diesen Konflikt beilegen, ohne wichtige strategische Positionen räumen zu müssen. Anstatt die Unsicherheiten auf der internationalen Bühne zu beseitigen, läutet das Abkommen zwischen Trump und den Ajatollahs eine neue Phase der Ungewissheit ein.»
Ischinger warnt nach Iran-Deal vor Schadenfreude gegen Trump
BERLIN: Der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz ist skeptisch, ob das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran für Stabilität in der Region sorgt.
Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, hat nach dem Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran vor Schadenfreude gegenüber US-Präsident Donald Trump gewarnt. Auch wenn die USA mit dem Krieg «eigentlich erstrebenswerte Ziele» nicht erreicht hätten, sei «jede Schadenfreude abwegig und falsch» sagte Ischinger im RBB-Inforadio.
«Dem Iran die Möglichkeit zu nehmen, eine militärische Nuklearfähigkeit aufzubauen, dieses Ziel teilen wir natürlich mit den USA», sagte Ischinger. «Also bitte nicht ein Tag der Schadenfreude, sondern ein Tag möglicher Sorge, dass die USA mit diesem Krieg leider anscheinend weniger erreicht haben als wünschenswert gewesen wäre», so Ischinger weiter. Er sei skeptisch, ob das vereinbarte Rahmenabkommen Stabilität und Frieden für die Region sowie eine Einhegung des Iran bringen werde.
Nach wochenlangen Verhandlungen hatten sich die USA und der Iran in der Nacht auf Montag auf ein Rahmenabkommen hin zu einem Kriegsende verständigt, das am Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden soll. US-Präsident Trump steht in der Kritik, dass er den Krieg ausgelöst, seine Ziele aber nicht erreicht habe.
«The Times»: Iran bleibt eine Quelle der Instabilität im Nahen Osten
LONDON: Zum Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran meint die Londoner «Times» am Dienstag:
«Von den Märkten und von westlichen Staats- und Regierungschefs gab es vereinzelten Beifall für Präsident Trumps vorläufige Einigung mit dem Iran. Ein Ende der Kämpfe und der Blockade der Straße von Hormus, die den Welthandel lahmgelegt hat, muss eine gute Sache sein. Doch auffälliger als der Beifall war das Schweigen: Über Teherans Streben nach Atomwaffen wurde nichts vereinbart, und über die Reichweite der Raketen des Iran, deren Bestände und Produktion wurde kein Wort verloren. Der Iran bleibt eine Quelle der Instabilität im Nahen Osten, eine Bedrohung nicht nur für die Freiheit der Schifffahrt, sondern für jede Macht, die seine geopolitischen Ambitionen einzudämmen versucht.
Das Abkommen soll am Freitag unterzeichnet werden und als Absichtserklärung eine Laufzeit von 60 Tagen haben. Die Hälfte dieser Zeit wird für die Minenräumung in der Meerenge von Hormus aufgewendet, und die Operation wird zeigen, ob das Regime ernsthaft handelt. Die Hardliner im Iran beklagen bereits, dass die Verhandlungsführer des Landes durch die Wiederöffnung der Wasserstraße ihr mächtigstes politisches Druckmittel aufgegeben hätten. Kritiker in den USA werfen Trump unterdessen vor, in eine Falle zu tappen, da das Abkommen letztendlich Geld für das islamische Regime und seine bösartigen Stellvertreter freisetzen werde. Die 60 Tage sind, mit anderen Worten, eine Zeitbombe.»