Nato-Chef lenkt Fokus vor Trump-Treffen auf europäische Unterstützung
BRÜSSEL/WASHINGTON: Trump wirft Europäern mangelnde Unterstützung im Iran-Krieg vor. Kurz vor dem Nato-Gipfel bekommt er Besuch von Rutte. Dieser will die Wogen glätten, wie ein Gespräch mit einem US-Sender zeigt.
Kurz vor seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump hat Nato-Generalsekretär Mark Rutte die Unterstützung mehrerer europäischer Länder für die Vereinigten Staaten während des Iran-Kriegs hervorgehoben. «Was die Nato angeht, weiß ich, dass es Enttäuschung gibt, aber wir sollten auch bedenken, dass es sich hierbei um Einzelfälle handelt», sagte Rutte dem Sender Fox News. Zuvor hatten US-Regierungsvertreter mehrfach die aus ihrer Sicht mangelnde Unterstützung von Alliierten für den US-Krieg gegen den Iran kritisiert. Dabei ging es unter anderem um die Erlaubnis zur Nutzung von Militärstützpunkten und um Überflugrechte.
Nach Angaben Ruttes gab es während des Iran-Kriegs auf Stützpunkten in europäischen Ländern mehrere tausend Starts und Landungen von US-Militärflugzeugen. Der Kontinent sei für die Vereinigten Staaten eine «Plattform der Machtprojektion». Rutte bezog sich damit auf die Tatsache, dass die europäischen Stützpunkte wegen ihrer geografischen Nähe Einsätze des US-Militärs etwa in Afrika und dem Nahen Osten deutlich vereinfachen.
Rutte will Trump heute in Washington treffen - und damit kurz vor dem Nato-Gipfel, der in zwei Wochen in der türkischen Hauptstadt Ankara stattfindet.
Für den Chef des westlichen Verteidigungsbündnisses geht es bei den Gesprächen im Weißen Haus darum, die Wogen so gut wie möglich zu glätten. Trump hatte erst am Montag mehreren europäischen Verbündeten erneut mangelnde Unterstützung vorgeworfen. Als Washington Hilfe erbeten habe gegen den Iran, seien wichtige Partner nicht für die USA da gewesen, kritisierte er. Trump nannte dabei Großbritannien, Deutschland und Italien - führte seine Vorwürfe aber nicht näher aus.
Weltschifffahrtsorganisation will 11.000 Seeleute evakuieren
LONDON: Für Tausende Seeleute an Bord von Tankern und Frachtern war die Blockade der Straße von Hormus eine besondere Belastung. Sie saßen fest. Nun sollen sie nach Hause kommen.
Nach der Einigung der USA und Irans auf ein Ende der Kampfhandlungen und die Öffnung der Straße von Hormus will die Weltschifffahrtsorganisation IMO über 11.000 Seeleute aus der Region evakuieren. «Wir werden die Umsetzung des Evakuierungsplans für mehr als 11.000 Seeleute beginnen, die noch immer in der Region festsitzen», sagte IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez einer Mitteilung zufolge.
Der Großeinsatz werde in enger Zusammenarbeit mit dem Iran, dem Oman und anderen Golf-Anrainerstaaten sowie den USA und der Schifffahrtsbranche umgesetzt, sagte der Chef der UN-Sonderorganisation mit Sitz in London. Die notwendigen Sicherheitsgarantien seien eingeholt worden und die Bedingungen über die Sicherheit Schifffahrt zur Unterstützung des Einsatzes gründlich geprüft worden.
Dominguez verurteilte die Angriffe auf die zivile Schifffahrt auf Schärfste und würdigte die 14 Seeleute, die während des Konflikts ums Leben gekommen waren.
«Frankfurter Rundschau» zu Verhandlungen zwischen USA und Iran
Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran kommen nicht voran.
Beide Seiten widersprechen einander, wenn die jeweils andere einen Fortschritt verkündet. Das erinnert an den Verlauf der Gespräche vor der vereinbarten Waffenruhe. Sie scheint nur eine Atempause gewesen zu sein. Der erhoffte Frieden ist wieder in weite Ferne gerückt, wie die Entspannung für die Weltwirtschaft, weil die zugesicherte freie Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus infrage steht. Zwei scheinbar unüberwindliche Hürden stehen Washington im Weg. Zum einen die Mullahs, die verhandeln, ohne Zugeständnisse zu machen. Zum anderen die israelische Regierung von Benjamin Netanjahu, die weder die vereinbarte Waffenruhe im Libanon einhält, noch ihre Armee aus dem Nachbarland abziehen will. Das könnte dazu führen, dass die Verhandlungsfrist von ursprünglich 60 Tagen verlängert wird. Das wäre eine gesichtswahrende Lösung für Trump, die Mullahs und Netanjahu. Sonst würde niemand davon profitieren.
Kurz vor Gipfel: Nato-Generalsekretär zu Gespräch bei Trump
BRÜSSEL: Droht der Nato-Gipfel im Ankara wegen des Streits um den Iran-Krieg zu einem Desaster zu werden? Generalsekretär Mark Rutte will das verhindern .
Nato-Generalsekretär Mark Rutte will an diesem Mittwoch bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump über die amerikanischen Erwartungen an den bevorstehenden Bündnisgipfel sprechen. Thema sind dabei insbesondere die US-Forderungen nach einem zügigen Ausbau der Verteidigungskapazitäten der europäischen Bündnispartner.
Der Nato-Gipfel wird am 7. und 8. Juli in der türkischen Hauptstadt Ankara organisiert. Erwartet werden zu ihm die Staats- und Regierungschefs der 32 Bündnisstaaten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist als Gast eingeladen.
Erwartet wird bei Ruttes Treffen mit Trump allerdings auch ein Austausch zur ausgebliebenen Unterstützung von Alliierten für den US-Krieg gegen den Iran. US-Regierungsvertreter wie Verteidigungsminister Pete Hegseth und Außenminister Marco Rubio hatten den Kurs von Verbündeten zuletzt als «beschämend» bezeichnet und eine Neubewertung der US-Beziehungen zur Nato angekündigt.
Für Rutte geht es bei dem Treffen mit dem US-Präsidenten nun darum, die Wogen so gut wie möglich zu glätten. Dabei stellt sich vor allem die Frage, welche Zusagen die Europäer und Kanada Trump machen könnten, um einen Eklat beim Gipfel in zwei Wochen zu verhindern.
Chameneis Beisetzung am 9. Juli in Maschhad
TEHERAN: Mehr als 130 Tage nach seinem Tod wird das iranische Staatsoberhaupt beigesetzt. Unklar ist, ob auch sein Sohn und Nachfolger Modschtaba teilnehmen wird.
Mehr als 130 Tage nach der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei soll am 9. Juli sein Begräbnis stattfinden. Er werde in seiner Geburtsstadt Maschhad im Nordosten des Irans beigesetzt, neben dem Mausoleum des achten schiitischen Imam Resa, gab Vizepräsident Mohammed-Resa Aref laut der Nachrichtenagentur Isna bekannt.
Zuvor sollen Trauerzeremonien in Teheran und in der schiitischen Pilgerstadt Ghom abgehalten werden. Da Aref zufolge Millionen Menschen erwartet werden, wurden in den drei Städten insgesamt fünf Feiertage ausgerufen.
Chamenei war Ende Februar 2026 bei einem israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in Teheran getötet worden. Er wurde 86 Jahre alt. Seine Bestattung war deutlich früher vorgesehen, wurde jedoch mehrfach aus Sicherheitsgründen verschoben - auch weil die gesamte politische Führung an den Zeremonien teilnehmen müsste.
Unklar war, ob auch sein Sohn und Nachfolger Modschtaba, der bei dem Angriff schwer verletzt wurde, teilnehmen wird. Er wurde eine Woche nach dem Tod seines Vaters zum neuen Oberhaupt ernannt. Seitdem trat er jedoch nicht öffentlich auf, was Spekulationen über seinen Gesundheitszustand und seinen möglichen Tod auslöste.
UN: Mehr als 11.000 Gebäude im südlichen Libanon zerstört
BEIRUT: Teils sind es Angriffe aus der Luft oder mit Artillerie, teils Sprengstoff und Baufahrzeuge. Tausende Häuser im Südlibanon sind inzwischen unbewohnbar, an eine Rückkehr ist für viele nicht zu denken.
Im Kriegsgebiet im südlichen Libanon sind einem neuen UN-Bericht zufolge mehr als 11.000 Gebäude vollständig zerstört worden. Die entstandenen Schäden werden auf 1,38 Milliarden US-Dollar geschätzt, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP). Der Bericht wurde zusammen mit dem Nationalen Rat für Forschung veröffentlicht, der seit 2023 Kriegsschäden im Libanon im Auftrag der Regierung untersucht.
Der Bericht befasst sich mit Gebieten südlich des Flusses Litani, der eine wichtige Grenzlinie im Krieg Israels mit der Hisbollah darstellt. Untersucht werden unter anderem Bezirke Tyrus, Nabatija und Bint Dschubail. Durch die Zerstörung von fast 11.100 Gebäuden seien dort 18.000 Wohneinheiten betroffen. 2.200 weitere Gebäude seien teils beschädigt und 9.300 gering beschädigt. Für den Bericht wurden unter anderem Satellitenaufnahmen aus dem April verglichen mit Aufnahmen aus dem vergangenen Oktober. Nicht untersucht wurden Straßen, Brücken oder Strom- und Wasseranlagen.
Der südliche Libanon ist seit Monaten ein aktives Kriegsgebiet, viele Ortschaften sind komplett zerstört und unbewohnbar. Israels Armee setzt bei seiner Bodenoffensive auch Sprengstoff und Baufahrzeuge ein, um Gebäude in dem Gebiet zu zerstören. Das erklärte Ziel dabei ist, die Infrastruktur der vom Iran unterstützten Hisbollah zu zerstören und neue Angriffe der Miliz zu verhindern. Libanons Regierung spricht dagegen von einer «kollektiven Bestrafung» der Libanesen, bei der eine Rückkehr von Bewohnern des Südens verhindert werden soll.
Sechs Männer erhängt
AMMAN: Eigentlich schien es Hinrichtungen in Jordanien nur noch sporadisch zu geben. Mit der Exekution von sechs Männern an einem Tag stellt die Regierung sich nun wieder hinter die stark umstrittene Praxis.
Das erste Mal seit fast zehn Jahren hat Jordanien wieder mehrere verurteilte Straftäter hingerichtet. Es seien die ersten Hinrichtungen seit 2017, teilte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch heute mit. Die sechs Hinrichtungen am selben Morgen seien eine «deutliche Rückkehr» zu einer Praxis, die das Königreich seit Wiedereinführung der Todesstrafe vor zwölf Jahren eigentlich nur sporadisch eingesetzt habe.
Die sechs Männer wurden am Sonntag erhängt, wie ein Regierungssprecher der staatlichen Nachrichtenagentur Petra zufolge sagte. Sie wurden verurteilt wegen Terrorismus- und Drogendelikten, bei denen im Land in Fällen ab 2014 unter anderem mehrere Sicherheitskräfte getötet wurden.
Insbesondere durch Exekutionen im Iran ist die Zahl der weltweit erfassten Hinrichtungen im vergangenen Jahr massiv gestiegen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verzeichnete 2025 mindestens 2.707 Hinrichtungen in 17 Ländern. Jordanien setzt die Todesstrafe wie der Iran oder Ägypten durch Erhängen um.
Israel will Unabhängigkeit von US-Waffenlieferungen
TEL AVIV: Als Folge des Iran-Krieges fordert Israels Regierungschef Netanjahu den Ausbau der eigenen Militärstärke. Ziel sei die vollständige Unabhängigkeit von US-amerikanischen Waffenlieferungen.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu strebt den Aufbau einer eigenen und von den USA unabhängigen Rüstungsindustrie an. Netanjahu erklärte auf X, er schätze die Unterstützung der USA sehr, Israel müsse sich jedoch aus dieser Abhängigkeit befreien und eigene, unabhängige Rüstungssysteme entwickeln.
Netanjahu erklärte zudem, Israel habe dem Iran und dessen Verbündeten einen Schlag versetzt. Der Konflikt sei jedoch noch nicht beendet. Es hänge von Israels Stärke ab, wo es in 30 Jahren stehen werde. Ziel sei es: «Unabhängigkeit von anderen erreichen, immer mehr Stärke aufbauen, immer mehr Technologie einführen, immer mehr Generationen von Kommandeuren ausbilden».
Nach Daten des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri ist Israel inzwischen der siebtgrößte Waffenexporteur der Welt. Besonders stark ist Israel in den Bereichen Drohnen, Luftabwehr, Raketenabwehr, elektronische Kampfführung, Sensorik, Cyber und Aufklärungssysteme. Die USA lieferten laut Sipri in den Jahren 2021 bis 2025 rund 68 Prozent der israelischen Waffenimporte. Außer Kampfflugzeugen und Triebwerken spielt Munition wie Präzisionsbomben, Luft-Boden-Munition, verschiedene Raketenarten und Artilleriemunition eine zentrale Rolle.
«Sme»: An diese USA-Iran-Vereinbarung hält sich niemand
BRATISLAVA: Die slowakische Tageszeitung «Sme» schreibt am Dienstag zu den vorläufigen Vereinbarungen zwischen den USA und dem Iran:
«Auch wenn abgesehen vom Versprechen, die Meerenge (von Hormus) wieder zu öffnen, alle anderen Punkte der Vereinbarung als Kapitulation der USA gelesen werden könnten, gilt für (US-Präsident Donald) Trumps Iran-Memorandum vielmehr die bildliche Formulierung: Der Brei wird nicht so heiß gegessen, wie er gekocht wurde. Oder genauer: Er wird gar nicht gegessen.
Das "Memorandum of Understanding" hat zwei Eltern. Vater ist die Panik vor den drohenden Folgen eines weltweiten Wirtschaftseinbruchs, die Mutter sind die Midterm-Wahlen in den USA. (...) Um einem Katastrophenszenario zu entgehen, kann man in einen Text jeden haltlosen Unsinn hineinschreiben. Wenn nötig auch so etwas wie die Verpflichtung Israels, die Militäroperation im Libanon einzustellen. (...) Oder noch besser: Dass die Ölmonarchien, die der Iran gerade rücksichtslos bombardierte, einen 300-Milliarden-Fonds für Reparationen einrichten sollen.
Die USA selbst wollen natürlich nicht mitzahlen. Für die "Schiffbarmachung" der verminten Straße von Hormus wollen sie aber schrittweise die Sanktionen lockern. Neben den eigenen, amerikanischen auch diejenigen, die die UNO, EU oder Deutschland und Großbritannien verhängt hatten.
Kurz und gut: Das Memorandum ist reine Fantasterei. Es ist nur ein amerikanischer Trick für die Weltöffentlichkeit, die Aktienmärkte und die amerikanische Wählerschaft. (...) Dass das Rahmenabkommen keinen Fortschritt bringt, ist daher keine Niederlage der USA. Und zwar deshalb nicht, weil sich ohnehin niemand daran halten wird.»
Iran meldet mehr als 3.500 Kriegstote
TEHERAN: Teheran nennt neue Opferzahlen bei den Angriffen der USA und Israels auf die Islamische Republik. Aktivisten gehen von noch mehr Getöteten aus.
Im Iran sind im Zuge der Angriffe der USA und Israels nach Angaben der Justiz 3.519 Menschen getötet worden. Dabei handele es sich um neueste Zahlen der Gerichtsmedizin, sagte Justizsprecher Asghar Dschahangir der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna am Montag.
Einen konkreten Zeitrahmen nannte Dschahangir nicht. Mitte April hatte die iranische Gerichtsmedizin bereits als endgültig bezeichnete, etwas niedrigere Zahlen (3.375) veröffentlicht. Damals hieß es, unter den Toten seien 496 Frauen sowie 383 Kinder und Minderjährige. Den neuen Angaben nach wurden 517 Frauen getötet, Zahlen zu Kindern und Minderjährigen wurden nicht mitgeteilt. Im April hieß es, die meisten Opfer habe es in der Hauptstadt Teheran, in der Stadt Isfahan im Zentrum des Landes sowie in der Küstenprovinz Hormusgan gegeben.
Die tatsächliche Zahl der Toten könnte deutlich höher liegen. Die Menschenrechtsorganisation Hengaw mit Sitz in Norwegen berichtete im April, dass mindestens 7.650 Menschen ums Leben gekommen seien, darunter 1.030 Zivilisten. Unabhängig überprüfen lassen sich die Opferzahlen nicht.
Die USA und Israel griffen den Iran am 28. Februar an. Die Attacken richteten sich vor allem gegen Raketen- sowie Luftabwehrstellungen, Militärstrukturen, die politische Führung und Einrichtungen des iranischen Atomprogramms. Teheran meldete aber auch Angriffe auf zivile Einrichtungen. Seit 8. April herrscht in dem Konflikt eine Waffenruhe, die vereinzelt gebrochen wurde.