«de Volkskrant»: Iran-Abkommen enthält zu viele Unklarheiten
AMSTERDAM: Die niederländische Zeitung «de Volkskrant» kommentiert am Samstag das erneute Aufflammen militärischer Gewalt im Konflikt zwischen dem Iran und den USA:
«Wie definiert man anno 2026 einen Waffenstillstand? Angesichts der Militäraktionen des Irans und der USA in dieser Woche scheint das kaum noch möglich zu sein. Das iranische Regime beschoss Tanker in der Straße von Hormus, die USA antworteten mit rund 170 Luftangriffen. Vier Länder der Region - Jordanien, Katar, Kuwait und Bahrain - gerieten in die iranische Schusslinie. Und dennoch gilt der gegenseitige Beschuss offiziell, bei allen Vorbehalten, als «eingestellt». Man versuche mal, damit eine Definition des Begriffs Waffenstillstand für ein Nachschlagwerk zu formulieren.
Moderne Waffenstillstandsabkommen - so lautet wohl die naheliegende Schlussfolgerung - haben einen außergewöhnlich weiten Rahmen. Alles passt da hinein. Oder, in einer etwas weniger hoffnungsvollen Variante: Selten waren Vereinbarungen auf dem Papier so wenig wert. US-Präsident Donald Trump konnte diese Woche das Rahmenabkommen mit dem Iran für gescheitert erklären («I think it's over»), um im selben Moment hinzuzufügen, dass er keinerlei Hindernis für weitere Verhandlungen sehe.
Texte à la Trump sehen, kurz gesagt, so aus: große Worte, wenige Details. Schon kurz nach der Unterzeichnung des Rahmenabkommens zwischen dem Iran und den USA hatten Experten vor vielen nicht tragbaren Unklarheiten gewarnt. So kann die Passage über die Straße von Hormus jeder nach Belieben interpretieren. Die Meerenge wird geöffnet, sagten die Amerikaner, dafür werden die Iraner sorgen. Genau, antworteten die Iraner, sie wird geöffnet zu unseren Bedingungen: Schiffe, die sich nicht bei uns melden, riskieren eine Bombe auf ihrem Deck.»