Vier Tote bei israelischen Luftangriffen im Libanon
BEIRUT/TEL AVIV: Eigentlich soll das Rahmenabkommen der USA mit dem Iran auch den Libanon umfassen. Vorerst setzen die vom Iran unterstützte Hisbollah und Israel ihre Angriffe hier aber fort.
Trotz einer Vereinbarung der USA und des Irans über ein Kriegsende an allen Fronten läuft der Krieg im Libanon weiter. Dabei wurden bei einem israelischen Luftangriff im Raum der Stadt Nabatija am Dienstag mindestens vier Menschen getötet, wie die Staatsagentur NNA berichtete. Einige örtliche Medien berichteten von mindestens sechs Todesopfern.
Auch am Morgen berichtete NNA von Angriffen Israels mit Kampfflugzeugen und Artillerie in dem umkämpften Gebiet um Nabatija.
Israels Armee teilte am Dienstagabend mit, sie habe Ziele der Hisbollah-Miliz im südlichen Libanon angegriffen.
Auch die Hisbollah setzte ihre Angriffe Berichten zufolge fort. Der Nachrichtenkanal Al Jazeera berichtete von Angriffen der Miliz mit mindestens zehn Raketen auf israelische Truppen im Libanon. Israels Armee teilte am Dienstagabend ebenfalls mit, sie habe mehrere Raketen der Hisbollah abgefangen, die auf Gebiete gezielt hätten, in denen israelische Truppen im Einsatz seien. Die Hisbollah beanspruchte zunächst keinen der neuen Angriffe für sich.
«Pravda»: Jetzt ist im Iran-Krieg Israel am Zug
BRATISLAVA: Die slowakische Tageszeitung «Pravda» schreibt am Mittwoch zum Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran:
«Am wichtigsten für (US-Präsident Donald) Trump ist natürlich, dass jetzt die Ölpreise wieder fallen und die Aktienkurse steigen. Denn auch wenn der Großteil der Weltöffentlichkeit empört über die Aggression Israels und der USA gegen den Iran war, ist dennoch das, was wirklich zählt, leider nicht irgendein Frieden in einem nichteuropäischen Gebiet, sondern billiges Benzin. Und das weiß Trump genau, auch wegen seiner sinkenden Beliebtheit im eigenen Land.
(...) (Es) spielt aber immer auch eine Ungewissheit mit, und zwar die wichtigste, nämlich ob es wirklich Frieden gibt. Das Rahmenabkommen spricht nämlich nur von Waffenruhebedingungen und Plänen für ein längerfristiges Friedensabkommen. Von Frieden als oberster Priorität hat nur der iranische Außenminister gesprochen. Und er hat zugleich eine unangenehme Wahrheit ausgesprochen: Der Iran wird den Krieg erst als beendet sehen, wenn Israel jegliche Okkupation des Libanons aufgibt. Alles andere werde man als Bruch des Memorandums zwischen Teheran und Washington betrachten. Wer ist also jetzt am Zug?»
«Trouw»: Konflikt mit dem Iran könnte endlos weiter schwelen
AMSTERDAM: Zum Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran meint die niederländische Zeitung «Trouw» am Mittwoch:
«Tatsächlich gibt es derzeit nur eine vorläufige Einigung für 60 Tage; alle wirklich schwierigen Themen wurden auf die lange Bank geschoben. Was geschieht mit dem Atomprogramm des Iran? Was geschieht mit seinem hochangereicherten Uran? Darf das Land weiterhin ballistische Waffen bauen? All diese Fragen müssen erst noch in weiteren Verhandlungen geklärt werden. (.)
So gibt es noch unzählige offene Fragen, wodurch dieser Konflikt endlos weiter schwelen könnte, auch wenn klar ist, dass US-Präsident Donald Trump die gesamte Iran-Affäre am liebsten hinter sich lassen möchte. Das Problem ist, dass er dies auch tun kann, indem er das Thema künftig einfach ignoriert - man denke an das von Trump initiierte «Friedensabkommen» für den Gazastreifen, wo Tod und Zerstörung nach wie vor an der Tagesordnung sind.
Fest steht jedenfalls, dass dieser ganze Krieg ein sinnloses und schädliches Unterfangen war. Selbst wenn die weiteren Verhandlungen auf wundersame Weise zu einem endgültigen Abkommen führen sollten, sind wir als Weltgemeinschaft bestenfalls wieder am Ausgangspunkt angelangt - bei einem Abkommen, das dem ähnelt, das zuvor US-Präsident Barack Obama mit dem Iran geschlossen hatte. Doch die Tausenden Toten, die mittlerweile zu beklagen sind, werden nicht wieder zum Leben erweckt werden.»