Kasetsart-Uni verteilt gratis Kondome

Diskrete Aktion soll Aufklärung stärken und Infektionen eindämmen

Kostenlose Kondome auf dem Campus: Das Angebot soll Infektionen vorbeugen und Scham beim Kauf entgegenwirken. Archivbild: epa-efe/Narong Sangnak
Kostenlose Kondome auf dem Campus: Das Angebot soll Infektionen vorbeugen und Scham beim Kauf entgegenwirken. Archivbild: epa-efe/Narong Sangnak

BANGKOK: Auf dem Campus der Kasetsart-Universität in Bangkok setzt eine ungewöhnliche Initiative ein stilles Zeichen für Aufklärung und Verantwortung: In Toiletten und Nebenräumen werden kostenlos Kondome bereitgestellt – diskret, niedrigschwellig und mit großem Zuspruch der Studierenden. Hintergrund ist der alarmierende Anstieg sexuell übertragbarer Krankheiten unter jungen Menschen in Thailand.

Auf dem Bang-Khen-Campus der Kasetsart University in Bangkok finden sich an diskreten Orten stille Vorboten eines gesellschaftlichen Wandels: In den Herren-WCs, der Mensa und den Aktivitätsgebäuden stehen unscheinbare Boxen, gefüllt mit Kondomen. Monatlich bestückt mit rund 4.000 Stück in unterschiedlichen Größen, werden sie vom Büro für studentische Angelegenheiten bereitgestellt – ein niedrigschwelliges Angebot, das dem wachsenden Bedürfnis nach geschütztem Sex gerecht werden soll.

Uni reagiert auf starke Zunahme von STIs

Der Zeitpunkt ist nicht zufällig: Die steigenden Fallzahlen sexuell übertragbarer Krankheiten wie Syphilis und Aids unter jungen Thailändern bereiten den Gesundheitsbehörden zunehmend Sorge. Die Universität begegnet dem mit einem niederschwelligen, zugleich diskreten Angebot, das nicht nur den Zugang zu Verhütungsmitteln erleichtern, sondern auch gesellschaftliche Tabus aufbrechen soll.

Anirut Narungsri, ehemaliger stellvertretender Leiter des studentischen Büros, initiierte das Projekt bereits während seines Wahlkampfs. „Viele Studierende wollen sich schützen, aber das Kondomkaufen im Laden ist ihnen unangenehm“, erklärt er. Für die Umsetzung kooperierte die Universität mit mehreren Organisationen – allen voran der Rainbow Sky Association of Thailand, deren Kondomspenden weniger strikten Auflagen unterliegen als staatliche Programme.

Diskretion wichtig, Nachschub gefragt

Die Verteilung erfolgte bewusst an diskreten Orten. „Privatsphäre war uns wichtig, um Schamgefühle zu vermeiden“, so Narungsri. Das Feedback sei durchweg positiv. „Die Boxen sind schnell leer, und wir erhalten regelmäßig Nachfragen nach Nachschub.“

Größere Hürden sieht Narungsri im gesellschaftlichen Umfeld: „Für Studenten sind Kondome längst ein Instrument der Eigenverantwortung. Schwieriger ist es, die ablehnende Haltung vieler Erwachsener zu ändern.“

Syphilis-Fälle bei Jugendlichen steigen

Dass Aufklärung und Zugang wichtiger denn je sind, belegen aktuelle Zahlen des Gesundheitsministeriums: Zwischen Oktober und März wurden 13.708 Syphilis-Fälle registriert – das entspricht einer Rate von 21,1 pro 100.000 Einwohner. Fünf Todesfälle wurden gemeldet. Laut Pongtorn Chartpituck, Leiter des Amtes für Aids und Geschlechtskrankheiten, haben sich die Fallzahlen in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht. Besonders betroffen: Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren – sie machen rund ein Drittel der Infizierten aus.

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass lediglich 43 Prozent der jungen Menschen regelmäßig Kondome verwenden, während 24 Prozent angaben, nie welche benutzt zu haben. Die Gründe sind vielfältig: 27 Prozent empfinden den Kauf als peinlich, 11 Prozent fürchten, bei Mitführen als sexbesessen zu gelten, und 5 Prozent sehen darin ein Zeichen des Misstrauens gegenüber dem Partner.

Weniger Kondome, mehr Infektionen

„Der Rückgang beim Kondomgebrauch ist einer der Hauptgründe für die Rückkehr der Syphilis“, so Pongtorn. Während die HIV-Zahlen dank antiviraler Medikamente weitgehend stabil seien (etwa 5.000 Neuinfektionen pro Jahr), nehme die Verbreitung anderer Geschlechtskrankheiten wieder zu. Besonders besorgniserregend sei der Anstieg angeborener Syphilis: Von 273 Fällen im Jahr 2018 stieg die Zahl Neugeborener mit der Infektion 2024 auf 1.290.

Im Rahmen der nationalen Aids-Strategie 2020–2030 hat das Gesundheitsministerium vier zentrale Maßnahmen formuliert: Kondomgebrauch im Alltag normalisieren, Zugang erleichtern, Produktqualität sichern und langfristige institutionelle Unterstützung aufbauen. Doch gerade der Zugang bleibt schwierig – insbesondere für Jugendliche.

Verhütung bleibt im Unterricht tabu

Thanakrit Jainaen vom Jugendrat in Khon Kaen berichtet von gemischten Reaktionen in Schulen: „Die Schüler sind offen, wenn wir über Sexualität und Verhütung sprechen. Lehrer hingegen haben oft Hemmungen, solche Themen anzusprechen.“ Dabei würden sich Jugendliche ohnehin online informieren – mit teils fragwürdigen Quellen.

Auch Surachet Phosaeng vom Thailand Youth Institute (TYI) kritisiert, dass staatliche Verteilwege wie Krankenhäuser, Gesundheitsfreiwillige oder die App „Pao Tang“ kaum jugendgerecht seien. „Wir brauchen eine offensive Kampagne, die Kondome als normalen Bestandteil der Gesundheitsvorsorge etabliert“, fordert er. „Zugang muss einfach, anonym und ohne Stigmatisierung möglich sein.“

Ernüchternde Zahlen zur Kondomnutzung

Eine landesweite Umfrage von TYI und dem Gesundheitsministerium unter 15.000 Jugendlichen zwischen 15 und 21 Jahren brachte ernüchternde Ergebnisse: 57 Prozent gaben an, beim Sex kein Kondom zu verwenden – viele davon hatten ihre Partner über Dating-Apps oder beim Ausgehen kennengelernt.

Die Botschaft, die mit der schlichten Präsenz von Kondomboxen auf dem Campus gesendet wird, ist daher klar: Safer Sex ist nicht nur vernünftig, sondern auch ein Ausdruck von Verantwortung – sich selbst und anderen gegenüber.

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Urs 14.07.25 17:41
Traurig - Sie wollen fortschrittlich sein - leben aber in der Vergangenheit.
Seit 40 Jahren habe ich in Thailand noch NIE Werbung oder ein Plakat gesehen zum Thema HIV - SEX
oder Schütze Dich und Deinen Partner vor Krankheiten - EIN TABU - in Thailand -
Kein Wunder gibt es so viele HIV infizierte Junge Menschen -
Auch Prostitution die ja verboten ist gibt es zu tausenden - in den Baren für Frauen und Männer
DER WAHRHEIT WILL NIEMAND IN DIE AUGEN SCHAUEN...
Die leidtragenden sind die jungen Menschen die damit konfrontiert werden.
Norbert Schettler 14.07.25 13:10
Thema Verhütung im Unterricht tabu
Ja klar, es werden ja auch keine Fragen oder Diskussionen zugelassen. Und der Lehrer hat kein Interesse, aus Scham oder was auch immer, einen Monolog zu halten.

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