IM LAND DES LÄCHELNS

IM LAND DES LÄCHELNS

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten? Die schöne Thai-Lady, die ich vorher noch nie gesehen habe, lächelte mich an, dass ich sofort schwach werden könnte. Und der junge Thai-Boy neben ihr versuchte auch, mir den Kopf zu verdrehen. Das war alles sehr schwer für mich zu verstehen, und ich begann andere Menschen zu befragen, wie sie mit dem Lächeln der Thais umgehen.

Zuerst sprach ich mit Franz aus Bad Limburg über dieses Thema. Er sagte mir:

„Als ich nach der Landung in Bangkok erstmals durch den Zoll in die Ankunftshalle trat, lächelte ein junger Thai mich an und winkte, als hätte er mich erwartet. Er kam auf mich zu und sprach mich auf Englisch an. Ich sei der Mann, den er schon aus seinen Träumen kannte.“ Und dann fügte Franz hinzu: „Ich überließ mich seiner Führung. Er brachte mich in mein vorher gebuchtes Hotel und blieb die nächsten zwei Wochen bei mir. Er hatte mich mit seinem Lächeln verzaubert. Aber dann kam das Erwachen. Plötzlich war er weg und mit ihm mein Geld, meine Uhr und ein goldenes Armband. Das Schlimmste aber war: Ich kannte nicht einmal seinen richtigen Namen.“

Erich aus München war ein „g'stand'nes Mannsbild“, 52 Jahre alt und von Beruf Schreinermeister. Auch er kam zum ersten Mal nach Thailand. Schon einige Stunden später lernte er in Bangkoks Vergnügungsviertel Patpong Tyra kennen, eine blutjunge, bildhübsche Thai, die ihn sofort anmachte. So etwas kannte er bislang nicht, denn er war zwar groß und stark aber keine Schönheit. Tyra lächelte so verführerisch, dass er gar nicht anders konnte, als sie zu sich einzuladen. Am anderen Tag führte sie ihn zu einem Juwelier, damit eine goldene Kette und ein Ring sie für immer zusammenschmieden sollte. Kurze Zeit später besaß Erich nicht mehr als sein Lufthansa-Ticket für den Rückflug.

Aurel, der verwöhnte Sohn eines Kölner Bänkers war schon als Backpacker durch halb Asien getrampt. In der Khao San Road in Bangkok traf er Bea und war Knall auf Fall ihrem Lächeln erlegen. Sie brachte ihn zu ihren Eltern in den Isaan, wo er wie ein Sohn in die Familie aufgenommen wurde. Er fühlte sich sehr wohl in Sakon Nakhon. Er war verliebt, baute ein Haus auf dem Grundstück von Beas Eltern und wollte sie heiraten. Das Geld dafür kam vom Papa. Aber Bea lebte auf großem Fuß, und als der Geldfluss aus Köln abbrach, brach auch die Liebe entzwei. Bea setzte den naiven Gockel einfach vor die Tür, denn das Haus war auf ihren Namen eingetragen.

Ungewöhnlich war für mich die Geschichte von Frau Dr. Gebhardt, die ich aus Mainz kannte. Ihr Mann, ein Schulfreund von mir, war vor schon vor einigen Jahren an Krebs gestorben. Ich hatte ihr soviel von meinem glücklichen Leben in Thailand erzählt, dass sie begann, sich für dieses Land zu interessieren. Und dann stand sie eines Tages mit zwei großen Reisekoffern bei mir vor der Tür in Pattaya. Ich war höchst überrascht. Niemand hatte mich informiert oder darauf vorbereitet. Ich bat sie in meine Wohnung und versuchte ihren Tränenfluss zu stoppen. Dann erzählte sie:

Übers Internet hatte sie einen thailändischen Mann kennengelernt. Unzählige Mails wurden hin und her geschickt, Fotos und Lebendläufe. Er war Witwer, angeblich Beamter im Finanzministerium. Aus Inte­resse wurde Sympathie, aus Sympathie Liebe. Sie fand sein Lächeln auf den Fotos unwiderstehlich. Dann kamen plötzlich nur noch traurige Nachrichten bei ihr an. Er sei ausgeraubt worden, sein Bankkonto abgeräumt und sein einziger Sohn bei einen Motorradunglück ums Leben gekommen. Er wusste nicht mehr ein und aus und wartete auf einen zugesagten Staatszuschuss. Momentan sei er auf ihre Hilfe angewiesen. Für sie war es selbstverständlich zu helfen. Mehrmals überwies sie ihm größere Beträge. Nach drei Monaten lud er sie ein, ihn in Bangkok zu besuchen. Auf dem Flughafen stand sie stundenlang allein, weder auf seiner Mailadresse noch telefonisch war er erreichbar. Sie war völlig verzweifelt. Nach einem Monat bei mir flog sie, ohne ihn gesehen zu haben, nach Deutschland zurück.

Christian war vorsichtiger. Zwei Jahre lang skypte er mit Nok, einer Zahnärztin.

Erst dann heirateten sie in Don Prom. Ich war als Trauzeuge zugegen. Anschließend zogen sie nach Rheinhessen. Ihre beiden Söhne sind meine heiß geliebten Enkel Tiago und Tino.

Niemand sollte aus den hier beschriebenen Fällen auf Allgemeingültigkeit schließen. Das Lächeln als Auslöser für viele Schicksale gehört zur Realität.

Es gibt Beziehungen unter Thais, die schief gehen. Es gibt Beziehungen unter Farangs und Thais, die ebenfalls zerbrechen, und auch die Scheidungsrate im Westen steigt von Jahr zu Jahr. Callolo und seine Herzallerliebste sind nach zehn Jahren immer noch in Liebe verbunden, denn ihre alte Liebe rostet nicht.

Wer aber glaubt, das zauberhafte Lächeln einer Bar-Lady wäre der Anfang des Glücks, der sollte sich rechtzeitig darauf einstellen, dass es sich hier oft nur um ein Geschäft handelt, ein Geschäft um verkaufte Drinks und vielleicht um Sex für eine Nacht.

Ich erfreue mich täglich am Lächeln der Thais. Ich weiß, sie sind einfach freundlich. Sie schützen sich mit ihrem Lächeln und stellen gleichzeitig Nähe und Distanz her. Ich meine, man muss schon sehr ausgehungert sein, um gleich nach der Ankunft in diesem Land nach dem Speck in der Falle zu greifen. Kluge Mäuse riechen den Braten und raten zum Verzicht.

Aber viele Kater können das Mausen nicht lassen. Wer dafür das Lächeln der Thais verantwortlich macht, begeht reinsten Selbstbetrug.

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