Flughafen Chiang Mai setzt auf Ausbau

Lange Öffnungszeiten statt Neubau

Dicht gedrängte Passagiere warten im Gatebereich des Flughafens Chiang Mai auf den Einstieg in ihren Flug. Archivfoto: DER FARANG
Dicht gedrängte Passagiere warten im Gatebereich des Flughafens Chiang Mai auf den Einstieg in ihren Flug. Archivfoto: DER FARANG

CHIANG MAI: Nach einem neuen Passagierrekord im Februar, als während der chinesischen Neujahrsferien an einem Spitzentag über 36.000 Fluggäste abgefertigt wurden, treibt der internationale Flughafen Chiang Mai eine umfassende Modernisierung seines bestehenden Standorts voran. Die Kapazität soll in den kommenden Jahren schrittweise ausgebaut und der bereits genehmigte 24-Stunden-Betrieb dauerhaft etabliert werden. Langfristig peilt der Airport eine Abfertigung von bis zu 20 Millionen Passagieren pro Jahr an.

Zugleich wächst in Chiang Mai die Sorge, dass der Airport auch während des bei Thais und ausländischen Besuchern gleichermassen beliebten Songkran-Fests im April an seine Grenzen stossen könnte. Beobachter erwarten, dass insbesondere internationale Urlaubsreisen für das Wasserfest weiter zunehmen. Gedämpft werden könnte der Andrang jedoch eher durch hohe Kerosinpreise und teure Flugtickets als durch fehlende Nachfrage, zumal viele Airlines ihre Kapazitäten nur vorsichtig ausbauen. Der FARANG hatte bereits im Februar unter dem Titel „Passagierhoch am Chiang Mai Airport“ über den neuen Rekordtag mit 36.554 Passagieren berichtet.

Klarer Fokus auf bestehenden Standort

Kern des Plans ist ein zehnjähriges Ausbauprogramm, das bis 2033 eine deutliche Erweiterung der Terminalflächen, zusätzliche Abstellpositionen für Flugzeuge sowie effizientere Abläufe am Boden vorsieht. Die erste Bauphase läuft bereits an und soll bis 2029 abgeschlossen sein, damit der Flughafen zunächst rund 16,5 Millionen Fluggäste pro Jahr bewältigen kann. Im Anschluss folgt eine zweite Phase, die die Kapazität bis 2033 auf 20 Millionen Passagiere und etwa 31 Flugbewegungen pro Stunde steigern soll.

Der Flughafen setzt dabei verstärkt auf den seit 1. November 2023 offiziell eingeführten 24-Stunden-Betrieb, um vor allem zusätzliche internationale Nachtflüge aufnehmen zu können. Die Ausweitung der Betriebszeiten gilt als zentraler Hebel, um mehr Verbindungen zu ermöglichen, ohne kurzfristig neue Start- und Landebahnen zu bauen, wie thailändische Medien berichten. In den Nachtstunden bleibt die Zahl der Flugbewegungen jedoch begrenzt, um Lärmschutzauflagen zu berücksichtigen.

Neuer Lanna-Flughafen vorerst auf Eis

Ursprünglich war geplant, einen komplett neuen „Lanna International Airport“ in der Nachbarprovinz Lamphun zu errichten, der langfristig mehr als 20 Millionen Passagiere pro Jahr aufnehmen könnte. Das Projekt mit einem geschätzten Investitionsvolumen von rund 70 Milliarden Baht ist zwar grundsätzlich weiter in der Planung, muss aber komplexe Landkäufe und Entschädigungsfragen klären, darunter potenziell mehrere tausend betroffene Grundstücke. Der damalige Premierminister Srettha Thavisin hatte im Jahr 2024 bei einem Besuch in Chiang Mai wiederholt darauf hingewiesen, dass Kosten, Flächenverfügbarkeit und Umweltauswirkungen sorgfältig geprüft werden müssten, bevor ein Baubeginn möglich sei.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht spricht derzeit vieles dafür, den bestehenden Standort so weit wie möglich auszureizen. Kurzfristig lässt sich zusätzlicher Verkehr leichter über längere Betriebszeiten, effizientere Abläufe und erweiterte Terminalkapazitäten abfangen als über ein völlig neues Großprojekt. Zugleich bleibt der Lanna-Airport als mittel- bis langfristige Option im Hintergrund, falls das Passagieraufkommen im Norden schneller wächst als erwartet.

Lärmschutz und Digitalisierung

Für die Anwohner rund um den bestehenden Flughafen bringt der Ausbau des 24-Stunden-Betriebs zusätzliche Belastungen durch Fluglärm mit sich. Die staatliche Betreibergesellschaft Airports of Thailand (AOT) hat deshalb Lärmschutzprogramme angekündigt, die unter anderem Schallschutzfenster, bauliche Anpassungen an besonders exponierten Gebäuden sowie finanzielle Entschädigungen vorsehen. Lokale Planungsunterlagen sprechen von mehreren tausend betroffenen Haushalten entlang der Ein- und Abflugschneisen, die in den kommenden Jahren schrittweise berücksichtigt werden sollen.

Parallel dazu setzt der Betreiber auf eine umfassende Digitalisierung der Abläufe. Moderne Kontroll- und Abfertigungssysteme, biometrische Lösungen an den Kontrollstellen sowie verbesserte Gepäcklogistik sollen dafür sorgen, dass sich die Abfertigungszeiten bei Ein- und Ausreise spürbar verkürzen und der Flughafen mehr Fluggäste mit der bestehenden Infrastruktur bewältigen kann. Nach Angaben der AOT sollen die Prozesse langfristig um bis zu ein Drittel schneller werden, sobald alle Systeme installiert und eingespielt sind.

Gebührenanstieg ab Juni 2026

Finanziert wird ein Teil der milliardenschweren Modernisierungsprojekte über höhere Abgaben für Passagiere. Die AOT hat beschlossen, die Passenger Service Charge (PSC) für internationale Abflüge an ihren sechs Flughäfen – darunter Chiang Mai – von derzeit 730 auf 1.120 Baht anzuheben. Die neue Gebühr gilt ab dem 20. Juni 2026 für alle ausreisenden internationalen Fluggäste, während die Inlandsgebühr von 130 Baht unverändert bleibt.

Nach AOT-Berechnungen soll die Erhöhung der internationalen PSC-Einnahmen jährlich rund 10 Milliarden Baht zusätzlich in die Kassen spülen, die in den weiteren Ausbau von Kapazitäten, Sicherheit und Servicequalität an den Airports fliessen sollen. Kritiker befürchten allerdings, dass die höheren Gebühren über die Ticketpreise an die Passagiere weitergegeben werden und damit insbesondere preissensible Reisende treffen – ein Faktor, der auch für den künftigen Andrang zu Feiertagen wie Songkran eine Rolle spielen dürfte.

Langfristige Rolle als Nord-Thailand-Drehkreuz

Mit dem zweistufigen Ausbauprogramm folgt Chiang Mai dem übergeordneten Ziel der thailändischen Luftfahrtpolitik, das Land bis zum Ende dieses Jahrzehnts als führenden regionalen Verkehrsknotenpunkt in Südostasien zu etablieren. Die sechs von AOT betriebenen Flughäfen sollen gemeinsam deutlich mehr internationale und regionale Verbindungen aufnehmen und damit Tourismus und Wirtschaft ankurbeln. Bereits 2026 verzeichnete Thailand wieder Rekordwerte bei den Passagierzahlen, wobei nördliche Ziele wie Chiang Mai besonders von der Rückkehr chinesischer und koreanischer Besucher profitieren.

Für Chiang Mai bedeutet dies einerseits stabile Perspektiven als Tor zum Norden des Landes, andererseits einen steigenden Druck, Infrastruktur, Umweltauflagen und Lebensqualität für die Anwohner in Einklang zu bringen. Entscheidend wird sein, ob der vorhandene Standort mit seinen räumlichen Grenzen den Verkehrszuwachs dauerhaft stemmen kann oder ob der parallele Bau eines zweiten Flughafens in Lamphun mittelfristig doch an Fahrt aufnimmt – nicht zuletzt abhängig von politischen Prioritäten, Finanzierung und gesellschaftlicher Akzeptanz.

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