Zwischen all den Tagen, an denen meine Herzallerliebste mürrisch und schlecht gelaunt im Haus hin und her rennt, gibt es auch plötzliche Momente, wo sie so nett und freundlich ist, dass bei mir sofort alle Alarmglocken zu läuten beginnen.
Was hat sie jetzt wieder vor?
Ich muss nicht lange darüber nachdenken, denn sie prescht selber vor:
"Callolo"
"Hm."
"Ich hab da eine Idee."
"Ja, und?"
"Was hältst du davon, wenn wir eine Export-Firma gründen?"
"Um Gottes Willen, keine Geschäfte in Thailand!"
"Nun hör doch erstmal zu, Callolo."
"Okay, was willst du denn exportieren, junge Frauen oder junge Männer?"
"Callolo, mir ist nicht nach Witzen zumute. Könntest du vielleicht mal für kurze Zeit etwas Ernst aufbringen?"
"Schon gut. Also, um was geht es?"
"Ich habe dir doch erzählt, dass mein Bruder jetzt Geschäftsführer in einer Krabbenzucht-Anlage ist. Er ist daran interessiert, diese Krabben mit deiner Hilfe und deinen Beziehungen nach Europa zu exportieren."
"Liebe Nai, ich habe weder Beziehungen zu Krabben-Importeuren noch verstehe ich von diesem Geschäft etwas."
"Aber da ist ein Markt, Callolo, ein Riesenmarkt, in den wir einsteigen können."
Eine Woche hat sie mich belabert, bis ich mich schließlich bereit erklärte, im Internet nach entsprechenden Firmen in Deutschland zu suchen, die Krabben aus Thailand importieren wollten. Ich habe auch einige gefunden und Kontakt mit ihnen aufgenommen. Der Preis und die Verdienstmöglichkeiten schienen zu stimmen. Allerdings überließ ich es meiner Herzallerliebs-ten und meinem Schwager, einen Vertrag über die erste Lieferung von einer Tonne Krabben zu unterzeichnen: Eine Tonne Krabben im Kühlcontainer nach München, ein richtig gutes Geschäft. Beinahe. Während meine Herzallerliebste sich schon wie eine Großunternehmerin vorkam und mein Schwager angeblich nur noch gelegentlich aus dem Alkohol-Koma erwachte, erreichte uns die Mitteilung, dass der Zoll in München die Ware konfisziert hatte, da die Krabben stark medikamentös belastet waren und für den Verzehr nicht frei gegeben wurden. Alles in allem ein Scheißgeschäft, denn für den Rücktransport musste die Firma meines nicht ganz sauberen Schwagers zahlen, der inzwischen auch wieder einmal arbeitslos ist. Ich kann nur froh sein, dass wir in diese Geschichte nicht weiter hineingezogen worden sind.
Inzwischen scheint meine Herzallerliebste sich damit abgefunden zu haben, dass sie im Export-Geschäft keine größeren Dinger mehr landen wird, und ich ermahne sie dringend, von weiteren Geschäften dieser Art Abstand zu nehmen.
Sie verspricht es auch hoch und heilig, und für den Moment meint sie es sicher auch ganz ernst.
Aber morgen? Das wissen nur die Götter.
Callolo und seine HerzallerliebsteIn 130 heiteren Kurzgeschichten hat Autor Carolus in zwei Büchern sich mit unterschiedlichen Erfahrungen, die sich aus dem Zusammenleben zwischen Thais und Farangs ergeben, verfasst. Die humorvollen Geschichten behandeln das Eheleben zwischen Nai und Callolo. Im Leben der beiden wird viel Toleranz abverlangt. Dass es trotzdem immer wieder ein Happy End geben kann, beweist der Autor, im ersten Buch, in vielen unerwarteten Entwicklungen. Im zweiten Werk hat der Autor seine „rosarote Brille“ abgenommen und erzählt auf ehrliche und gewohnt charmante Weise über Probleme und Schwierigkeiten, die in seiner nicht mehr ganz taufrischen Beziehung zu Nai entstehen.
Die beiden Taschenbücher können Sie im FARANG-Onlineshop bestellen. |

Und was die Beziehung zur Herzallerliebsten betrifft: Auch völlig normal, egal ob DACH oder Thai!