Callolo - Ein Drama in Chiang Mai

Callolo und seine Herzallerliebste (Teil 3)

Diese eindrucksvolle Szene zeigt Callolo und seine Herzallerliebste Nai in einem freudigen und herzlichen Moment ihres gemeinsamen Lebens, inspiriert von Ce-eff Krügers Erzählungen. Illustration: Generiert von OpenAI's DALL·E
Diese eindrucksvolle Szene zeigt Callolo und seine Herzallerliebste Nai in einem freudigen und herzlichen Moment ihres gemeinsamen Lebens, inspiriert von Ce-eff Krügers Erzählungen. Illustration: Generiert von OpenAI's DALL·E

Ich bin ein Warmduscher, unser kleiner Filius auch, aber meine Herzallerliebste liebt kaltes Wasser auf ihrer Haut. Und danach kommt regelmäßig die Frage: „Callolo, wann fliegen wir mal wieder nach Deutschland?“ So auch heute Morgen. Ich erinnerte sie an das Elend unseres ersten Winterurlaubs in Garmisch-Partenkirchen. Aber das hatte sie längst verdrängt.

Um sie abzulenken, fragte ich: „Warum fahren wir nicht mal nach Chiang Mai? Da warst du doch noch nie.“ Ja, sie sprang sofort darauf an. Worauf also warten? Ich packte die wichtigsten Sachen in den Kofferraum unseres Wagens und reservierte noch schnell ein Zimmer im Hotel „The Empress“, direkt am Mae Ping River, das mein Freund Martin mir wärmstens empfohlen hatte.

Dann ging die Reise los. Das Wetter spielte mit. Der Verkehr war ruhig. Etwa auf halber Strecke, in Kamphaeng Phet, machten wir eine Pause. Der Kleine bekam sein Eis, meiner Herzallerliebsten verlangte es nach einer Nudelsuppe, und ich genehmigte mir ein Bier – allerdings alkoholfrei.

Als wir unser Ziel gegen Abend mithilfe des Navigators erreichten, war der Himmel schwarz, seine Schleusen öffneten sich, und im Nu standen die Straßen unter Wasser. Auf dem kurzen Weg vom Parkplatz ins Hotel wurden wir alle pudelnass.

Zum Abendessen zogen wir uns um. Danach waren wir müde und legten uns zum Schlafen. Ich weiß nicht, wie spät es war, als plötzlich an unsere Tür gepocht wurde. Ehe ich reagieren konnte, wurde die Tür mit Gewalt aufgebrochen. Vier maskierte Polizisten, Waffen im Anschlag, sprangen ins Zimmer. „Hände hoch!“ brüllten sie. Chrissi begann vor Angst zu schreien. Ich fragte: „Was wollen Sie von uns?“ und bekam einen kräftigen Faustschlag ins Gesicht. Man legte mir Handschellen an und führte mich ab. Hinter mir hörte ich die verzweifelte Stimme meiner Herzallerliebsten: „Was haben wir verbrochen? Was soll das? Was ist hier los?“

Ich hatte keine Ahnung, was mit mir gerade passierte. Es war wie ein Spuk, wie ein Alptraum. Ich war wie gelähmt. Man sperrte mich in eine Kammer. Nach Stunden – eine mir endlos erscheinende Zeit später – wurde ich zum Verhör in ein Büro gebracht. Uniformierte Polizisten stellten mir Fragen, die ich nicht verstand und die für mich keinen Sinn ergaben. Auf meine Frage, was mir vorgeworfen wurde, erhielt ich keine Antwort.

Plötzlich betrat ein offensichtlich höher gestellter Polizist den Raum. Er erteilte Befehle, ließ meine Handfesseln entfernen und sagte:
„Sorry, das war eine Verwechslung. Sie sind frei.“

Man geleitete mich freundlich zu meiner Herzallerliebsten und zu meinem immer noch verängstigten Sohn. Wir beschlossen sofort abzureisen, aber zuvor verlangte ich eine Kopie des Protokolls, das man angefertigt hatte.

„Wofür?“, fragte ein Uniformierter, „seien Sie doch froh, dass alles vorbei ist.“ Ich fühlte mich schon wieder bei Kräften. „So einfach kommen Sie nicht davon“, sagte ich. „Noch leben wir in einer Demokratie, auch in Thailand. Sie glauben doch nicht, dass diese Geschichte für uns mit einem ‚Sorry‘ beendet ist.“

Ich erhielt die verlangte Kopie. Wir packten. Dann kam der Hotelmanager und entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten.

Als wir abreisten, ging die Sonne auf. Nach einigen Minuten stoppte ich den Wagen. Aus einem offenen Restaurant drang Musik an unsere Ohren.
„Komm“, sagte ich zu meiner Herzallerliebsten, „jetzt haben wir uns ein anständiges Frühstück verdient.“

Wollen Sie wissen, wie dieses Drama ausging? Ich nahm mir einen der renommiertesten Anwälte, der eine ausgesprochen hohe Entschädigung für uns erstritt. Alle Zeitungen des Landes berichteten über diesen Fall. Auch der FARANG veröffentlichte ein ausführliches Interview mit mir.

Meine Herzallerliebste meinte, die Reise hätte sich trotz allem gelohnt. Das sehe ich natürlich anders. Aber angesichts der hohen erstrittenen Abfindung hat sie bereits einen Wunschzettel geschrieben, der den erkämpften Betrag bei weitem übersteigt.

Was soll ich machen? So ist sie eben, und ich habe keine Hoffnung, dass sie sich auf diesem Gebiet ändern wird.

Zum Autor: Ein Leben für Kunst und Literatur

Carl-Friedrich Krüger, bekannt als Ce-eff, wurde in der norddeutschen Kleinstadt Bad Oldesloe geboren. Wegen besserer Bildungschancen zog er bereits in jungen Jahren nach Hamburg, wo er seine Ausbildung durch zahlreiche Jobs finanzierte. Nach seinem Ersatzdienst begann er zu schreiben: Gedichte, Satiren, Kurzgeschichten, Romane und Drehbücher. Das ZDF engagierte ihn als Redakteur, und er gründete das Kabarett „Die Poli(t)zisten“, aus dem das bundesweit bekannte Mainzer Forum-Theater UNTERHAUS hervorging. Dort leitete er viele Jahre Programme und trat mit eigenen Stücken auf. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz. Heute lebt er als freier Autor in Deutschland und Thailand und ist Kolumnist der deutschsprachigen Zeitschrift DER FARANG.

Callolo und Nai: Geschichten einer Farang-Thai-Liebe

Mit viel Humor und Charme beschreibt Ce-eff Krüger die Höhen und Tiefen des Zusammenlebens von Thais und Farangs. Im Fokus stehen Nai und Callolo, deren Eheleben von Toleranz und Herausforderungen geprägt ist – und dennoch immer wieder ein Happy End findet.

Im ersten Buch erzählt der Autor durch eine „rosarote Brille“ von liebevollen Momenten und überraschenden Entwicklungen. Das zweite Buch beleuchtet ehrlich und humorvoll die Schwierigkeiten in einer reiferen Beziehung. Der dritte Teil „Alte Liebe rostet nicht“, exklusiv im Newsportal DER FARANG, zeigt, wie ein unerwartetes Ereignis das Leben von Carolus und Nai verändert. Alle zwei Wochen erscheint dort eine neue Kurzgeschichte.

In Thailand verfügbare Taschenbücher von Ce-eff Krüger:

Die Taschenbücher sind im Büchershop erhältlich und werden in Thailand versendet.

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