Ein Taxi hielt vorm Haus. Der Fahrer geleitete meine hinkende Herzallerliebste bis zur Tür, wo sie mir heulend um den Hals fiel.
„Callolo, ich hatte einen Unfall.“
„Was? Mit unserem gesegneten Auto?“
„Aber ich war nicht schuld.“ Sie reichte mir eine Visitenkarte.
„Ein Österreicher ist mir seitlich reingefahren. Er hat auch sofort alle Schuld auf sich genommen.“
Ich las die Karte: Dr. Olaf von Buxbaum aus Wien, mit Anschrift in Bangkok, Beruf Ministerialdirigent a. D., Telefon- und Mailadresse, darunter die Namen und Nummern seiner Kranken- und Unfallversicherung. Okay.
Zuerst kümmerte ich mich um meine Herzallerliebste. Nai hatte ein paar Schrammen und Verstauchungen davongetragen, aber nach einem Beruhigungstee fühlte sie sich schon wieder fit.
„Callolo, dieser Österreicher ist ein sehr charmanter Herr. Er hat sofort ein Taxi für mich gerufen und dafür gesorgt, dass unser Wagen in die Werkstatt abgeschleppt wurde. Morgen wird er uns besuchen.“
Ich hatte sofort ein mulmiges Gefühl. Natürlich kam er auch nicht am nächsten Tag. Stattdessen kam ein Kostenvoranschlag von der Autowerkstatt. 148 000 Baht sollte die Reparatur kosten.
„Kein Problem, Callolo“, meinte meine Herzallerliebste ganz zuversichtlich, „das zahlt doch seine Versicherung.“
Als wir den reparierten Wagen abholen wollten, verlangte der Chef der Werkstatt den vollen Betrag von uns.
„Das zahlt doch die Versicherung des Unfallverursachers“, sagte ich zu ihm.
„Das mag schon sein“, erwiderte er, „aber bevor ich Ihnen den Wagen zurückgebe, müssen Sie in Vorlage treten. Ich habe keine Lust, mich mit der Versicherung herumzuschlagen.“
Ich hatte seiner Argumentation nichts entgegenzusetzen und zahlte mit meiner Kreditkarte.
Dann schickten wir die Rechnung an die Adresse von Herrn Dr. Olaf von Buxbaum in Bangkok, die mit dem Vermerk zurückkam:
„Empfänger unter der angegebenen Anschrift unbekannt.“
Als Nächstes rief ich bei der Versicherung an: keine Verbindung.
Inzwischen war mir klar, dass meine Herzallerliebste einem Hochstapler auf den Leim gegangen war. Nai war kleinlaut und völlig niedergedrückt. Verlegen und beschämt meinte sie:
„Ich habe mich wohl ziemlich naiv verhalten, Callolo. Statt auf die Polizei und den Versicherungsagenten zu warten, bin ich auf eine gefälschte Businesskarte reingefallen.“
Sie begann zu weinen, und ich nahm sie in meine Arme.
„Aber er war wirklich sehr nett“, schluchzte sie. Und dann fügte sie wütend hinzu:
„Dieser Arsch!“
Wir gingen zur Hauptwache, um gegen den Betrüger Anzeige zu erstatten. Die Polizisten grinsten nur. Dann zeigten sie uns einige Visitenkarten mit dem Namen Dr. Olaf von Buxbaum, alle mit verschiedenen Anschriften, Berufen und Telefonnummern versehen.
„Leider kennen wir seinen richtigen Namen nicht“, meinten sie, „aber wenn wir ihn erwischen, wird er garantiert für einige Jahre im Knast schmoren.“
Das war wenig tröstlich für uns. Aber wir konnten nichts ändern.
Meine Herzallerliebste ist seitdem äußerst liebevoll und versucht, mir jeden Wunsch von den Augen abzulesen.
„Callolo, was kann ich für dich tun?“, fragte sie, als wir nach Hause kamen. Sie zog mir die Schuhe aus und Hausschuhe an, stellte eine Flasche Bier vor mich auf den Tisch und sah mich demütig an.
„Schon gut“, sagte ich, „bitte noch ein Glas, und dann kein Wort mehr. Ich will das Sportprogramm sehen.“
Der Tag ging harmonisch zu Ende, denn mein Lieblingsverein hatte gewonnen.
Zum Autor: Ein Leben für Kunst und Literatur
Carl-Friedrich Krüger, bekannt als Ce-eff, wurde in der norddeutschen Kleinstadt Bad Oldesloe geboren. Wegen besserer Bildungschancen zog er bereits in jungen Jahren nach Hamburg, wo er seine Ausbildung durch zahlreiche Jobs finanzierte. Nach seinem Ersatzdienst begann er zu schreiben: Gedichte, Satiren, Kurzgeschichten, Romane und Drehbücher. Das ZDF engagierte ihn als Redakteur, und er gründete das Kabarett „Die Poli(t)zisten“, aus dem das bundesweit bekannte Mainzer Forum-Theater UNTERHAUS hervorging. Dort leitete er viele Jahre Programme und trat mit eigenen Stücken auf. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz. Heute lebt er als freier Autor in Deutschland und Thailand und ist Kolumnist der deutschsprachigen Zeitschrift DER FARANG.
Callolo und Nai: Geschichten einer Farang-Thai-Liebe
Mit viel Humor und Charme beschreibt Ce-eff Krüger die Höhen und Tiefen des Zusammenlebens von Thais und Farangs. Im Fokus stehen Nai und Callolo, deren Eheleben von Toleranz und Herausforderungen geprägt ist – und dennoch immer wieder ein Happy End findet.
Im ersten Buch erzählt der Autor durch eine „rosarote Brille“ von liebevollen Momenten und überraschenden Entwicklungen. Das zweite Buch beleuchtet ehrlich und humorvoll die Schwierigkeiten in einer reiferen Beziehung. Der dritte Teil „Alte Liebe rostet nicht“, exklusiv im Newsportal DER FARANG, zeigt, wie ein unerwartetes Ereignis das Leben von Carolus und Nai verändert. Alle zwei Wochen erscheint dort eine neue Kurzgeschichte.
In Thailand verfügbare Taschenbücher von Ce-eff Krüger:
- Callolo und seine Herzallerliebste (Taschenbuch, Teil 1)
- Angekommen in der Wirklichkeit (Taschenbuch, Teil 2)
- Ein Leben für Kabarett und Kleinkunst (Autobiographie)
Die Taschenbücher sind im Büchershop erhältlich und werden in Thailand versendet.
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