Callolo - Der erste Schultag

Callolo und seine Herzallerliebste (Teil 3)

Diese eindrucksvolle Szene zeigt Callolo und seine Herzallerliebste Nai in einem freudigen und herzlichen Moment ihres gemeinsamen Lebens, inspiriert von Ce-eff Krügers Erzählungen. Illustration: Generiert von OpenAI's DALL·E
Diese eindrucksvolle Szene zeigt Callolo und seine Herzallerliebste Nai in einem freudigen und herzlichen Moment ihres gemeinsamen Lebens, inspiriert von Ce-eff Krügers Erzählungen. Illustration: Generiert von OpenAI's DALL·E

Endlich war der langersehnte Tag der Einschulung für unseren Sohn gekommen. Voller Stolz betrachtete er sich vorm Spiegel in seiner Schuluniform, und wir, meine Herzallerliebste und ich, begleiteten ihn ebenso stolz zu seiner neuen Stadtschule. Wir hatten diese Schule ausgewählt, weil auch die Zwillinge unserer Nachbarn am gleichen Tag hier eingeschult wurden. So konnte ich in Zukunft abwechselnd mit Herrn Wohlers oder seiner Frau die Kinder zur Schule fahren.

Die neuen Schüler und Schülerinnen hatten sich in langen Reihen auf dem Schulhof aufgestellt. Die Nationalfahne wurde gehisst und die Landeshymne gespielt. Der Direktor hielt eine kurze Begrüßungsansprache und ermahnte die Kinder zum Respekt vor ihren Lehrern, zu Pünktlichkeit, Höflichkeit und Sauberkeit.

Meine Herzallerliebste sah sich gelangweilt um und musterte die Eltern der Kinder, die um uns herum standen.
„Callolo, alle Mütter sind jünger als ich. Ich bin die Älteste.“

Ich kenne ihr Problem mit dem Alter. Deshalb entgegnete ich schnell: „Mein Schatz, dafür siehst du aber viel jünger und besser aus als die meisten Mütter.“ Nai schaute mich dankbar und beglückt an. Ich sah ihr an, dass sie mir am liebsten um den Hals gefallen wäre, aber sie hielt sich zurück.

Dann wurden die Kinder einzeln aufgerufen und in ihre Klassen geführt. Joachim Wohlers und sein Zwillingsbruder Klaus landeten in derselben Klasse wie unser Sohn.

Neugierig drängten auch wir uns mit einigen anderen Eltern in den Klassenraum. Jeder Junge wurde nacheinander aufgefordert, aufzustehen und seinen Namen zu nennen. Als unser Sohn dran war, sagte er: „Ich heiße Christian, aber ich werde Chrissi genannt.“

Selbstbewusst fuhr er fort: „Und wie heißt du mit Vornamen?“

Die Lehrerin, die sich vorher als Khun Rhatvasri vorgestellt hatte, schaute irritiert auf unseren vorlauten Sohn. Die anderen Kinder lachten. Dann antwortete sie: „Du darfst mich wie alle anderen Schulanfänger mit Khun Rhatvasri ansprechen.“

Damit schien Chrissi aber nicht einverstanden zu sein. Er hob seinen rechten Arm und insistierte: „Im Kindergarten haben wir unsere Betreuerinnen mit Tante Alisa, Tante Darin und Tante Orawan angesprochen.“

„Ja“, entgegnete die Lehrerin, „aber jetzt seid ihr nicht mehr im Kindergarten, sondern in der Schule. Hier gelten andere Regeln.“

Chrissi setzte sich. Man sah ihm an, dass diese Antwort ihn nicht befriedigt hatte.

Da der erste Schultag nur eine Stunde dauern sollte, gingen wir mit unseren Nachbarn, Herrn und Frau Wohlers, in ein nahes Café, um auf die Kinder zu warten. Nach einer Stunde holten wir sie ab. Chrissi hatte viel zu erzählen und war nicht zu bremsen. Er freute sich, dass seine Freunde aus dem Nachbarhaus auch in seine Klasse eingeteilt worden waren.

„Ich habe Khun Rhatvasri erzählt, dass ich schon lesen kann, und morgen darf ich meinen Klassenkameraden aus meinem Lieblingsbuch vorlesen.“

Chrissi hatte „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry schon so oft gelesen, dass er den Text fast auswendig vortragen konnte. Damit würde er morgen bestimmt großen Erfolg haben.

Wer selbst kleine Kinder hat, kann sicher nachempfinden, was wir fühlten: Nai und ich waren sehr glücklich über unseren schlauen und selbstbewussten Sohn. Meine Herzallerliebste platzte fast vor Stolz, als sie am anderen Tag erfuhr, dass die ganze Klasse ihm stehend applaudiert hatte, und auch ich kann meinen Stolz kaum verbergen.

Zum Autor: Ein Leben für Kunst und Literatur

Carl-Friedrich Krüger, bekannt als Ce-eff, wurde in der norddeutschen Kleinstadt Bad Oldesloe geboren. Wegen besserer Bildungschancen zog er bereits in jungen Jahren nach Hamburg, wo er seine Ausbildung durch zahlreiche Jobs finanzierte. Nach seinem Ersatzdienst begann er zu schreiben: Gedichte, Satiren, Kurzgeschichten, Romane und Drehbücher. Das ZDF engagierte ihn als Redakteur, und er gründete das Kabarett „Die Poli(t)zisten“, aus dem das bundesweit bekannte Mainzer Forum-Theater UNTERHAUS hervorging. Dort leitete er viele Jahre Programme und trat mit eigenen Stücken auf. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz. Heute lebt er als freier Autor in Deutschland und Thailand und ist Kolumnist der deutschsprachigen Zeitschrift DER FARANG.

Callolo und Nai: Geschichten einer Farang-Thai-Liebe

Mit viel Humor und Charme beschreibt Ce-eff Krüger die Höhen und Tiefen des Zusammenlebens von Thais und Farangs. Im Fokus stehen Nai und Callolo, deren Eheleben von Toleranz und Herausforderungen geprägt ist – und dennoch immer wieder ein Happy End findet.

Im ersten Buch erzählt der Autor durch eine „rosarote Brille“ von liebevollen Momenten und überraschenden Entwicklungen. Das zweite Buch beleuchtet ehrlich und humorvoll die Schwierigkeiten in einer reiferen Beziehung. Der dritte Teil „Alte Liebe rostet nicht“, exklusiv im Newsportal DER FARANG, zeigt, wie ein unerwartetes Ereignis das Leben von Carolus und Nai verändert. Alle zwei Wochen erscheint dort eine neue Kurzgeschichte.

In Thailand verfügbare Taschenbücher von Ce-eff Krüger:

Die Taschenbücher sind im Büchershop erhältlich und werden in Thailand versendet.

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