Callolo - Das chinesische Neujahrsfest

Callolo und seine Herzallerliebste (Teil 3)

Diese eindrucksvolle Szene zeigt Callolo und seine Herzallerliebste Nai in einem freudigen und herzlichen Moment ihres gemeinsamen Lebens, inspiriert von Ce-eff Krügers Erzählungen. Illustration: Generiert von OpenAI's DALL·E
Diese eindrucksvolle Szene zeigt Callolo und seine Herzallerliebste Nai in einem freudigen und herzlichen Moment ihres gemeinsamen Lebens, inspiriert von Ce-eff Krügers Erzählungen. Illustration: Generiert von OpenAI's DALL·E

Zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar feiern Chinesen und Thai-Chinesen in Thailand das dreitägige chinesische Neujahrsfest, ein Familienfest, das sich letztlich aber über 15 Tage erstreckt. Und die Thai lassen es sich nicht nehmen mitzufeiern.

Für mehr als 10 Millionen Thai mit chinesischen Wurzeln ist dies das wichtigste Fest des Jahres, etwa mit dem Weihnachtsfest der Christen vergleichbar. Die teilweise weit auseinander lebenden Familien treffen sich, gedenken der Ahnen, beschenken sich gegenseitig und genießen ein üppiges Festmahl. Hinzu kommen öffentliche Veranstaltungen, Theateraufführungen, Konzerte, Drachentänze und akrobatische Darbietungen. Die seit Jahrhunderten assimilierten Thai-Chinesen haben in der thailändischen Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft großen Einfluss.

Chrissi hatte schon vor einem Jahr im Fernsehen Bilder von den Feierlichkeiten im Chinesenviertel von Bangkok gesehen und bettelte darum, einmal dabeisein zu dürfen. Also machten wir uns auf nach Bangkok in die Yaowarat Street in Chinatown, einem der größten Chinesen-Märkte weltweit. Wir hatten nicht mit dem Andrang gerechnet. Ein Tuk-Tuk brachte uns in die Nähe des Zentrums, von dort aus ging es nur noch zu Fuß weiter. Einheimische und Touristen drängten sich mit uns durch die teilweise überdachte Sampeng Lane. Garküchen verbreiteten exotische Düfte. Überall gab es kleine Bühnen mit Puppentheater, Musik und Tanz. Dazu ein ohrenbetäubender Lärm. Unter unzähligen roten Lampions bewegten sich als Löwen und Drachen kostümierte Menschen. Sie schlugen auf Becken und Trommeln, um die bösen Geister zu vertreiben. Aufgeregt und begeistert nahm Chrissi das bizarre Geschehen um uns herum auf.

Vor einem bunten goldglänzenden Tempel bewegte sich ein Löwentanz in Form einer Schlange mit einem riesigen Löwenhaupt. Chrissi klatschte dazu mit beiden Händen den Takt.

Plötzlich stürmten einige athletische Männer heran und bildeten einen Kreis. Jüngere Männer schwangen sich auf ihre Schultern, immer mehr und mehr. Ein Menschenturm entstand, und die Spitze bildete in schwindelnder Höhe ein kleiner Junge, der lächelnd in die Menge winkte und mit einer Thai-Fahne wedelte. Atemlos sah Chrissi diesem Kunststück zu. Dann ein Schrei. Der Menschenturm schwankte. Und dann geschah es: Der Junge stürzte ab, der Turm fiel in sich zusammen. Alles schrie durcheinander. Zum Glück war der Junge weich auf andere Körper gefallen. Er stand auf und winkte. Alles halb so schlimm. „Mai pen rai." Keiner der Männer war ernsthaft verletzt worden.

Auch Chrissi beruhigte sich schnell wieder. Altklug meinte er nur: „Das hätte ganz schön ins Auge gehen können."

Ich fragte ihn, ob er auch mal oben auf so einem Menschenturm stehen möchte. Er schüttelte nachdrücklich den Kopf:

„Ich bin doch nicht lebensmüde, Papa. Aber wenn ich groß und stark bin, könnte ich vielleicht einer der Untermänner sein, auf die andere aufbauen."

„Keine schlechte Idee," entgegnete ich, „daran können wir arbeiten."

„Callolo, ich bin hungrig," erinnerte meine Herzallerliebste daran, dass wir seit den frühen Morgenstunden nichts gegessen hatten. Wir ließen uns den Imbiss an einer der vielen Garküchen schmecken. Als Chrissi dann noch einen Eisbecher bekam, war der Tag für alle gerettet.

Glücklich fuhren wir heim.

Zum Autor: Ein Leben für Kunst und Literatur

Carl-Friedrich Krüger, bekannt als Ce-eff, wurde in der norddeutschen Kleinstadt Bad Oldesloe geboren. Wegen besserer Bildungschancen zog er bereits in jungen Jahren nach Hamburg, wo er seine Ausbildung durch zahlreiche Jobs finanzierte. Nach seinem Ersatzdienst begann er zu schreiben: Gedichte, Satiren, Kurzgeschichten, Romane und Drehbücher. Das ZDF engagierte ihn als Redakteur, und er gründete das Kabarett „Die Poli(t)zisten“, aus dem das bundesweit bekannte Mainzer Forum-Theater UNTERHAUS hervorging. Dort leitete er viele Jahre Programme und trat mit eigenen Stücken auf. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz. Heute lebt er als freier Autor in Deutschland und Thailand und ist Kolumnist der deutschsprachigen Zeitschrift DER FARANG.

Callolo und Nai: Geschichten einer Farang-Thai-Liebe

Mit viel Humor und Charme beschreibt Ce-eff Krüger die Höhen und Tiefen des Zusammenlebens von Thais und Farangs. Im Fokus stehen Nai und Callolo, deren Eheleben von Toleranz und Herausforderungen geprägt ist – und dennoch immer wieder ein Happy End findet.

Im ersten Buch erzählt der Autor durch eine „rosarote Brille“ von liebevollen Momenten und überraschenden Entwicklungen. Das zweite Buch beleuchtet ehrlich und humorvoll die Schwierigkeiten in einer reiferen Beziehung. Der dritte Teil „Alte Liebe rostet nicht“, exklusiv im Newsportal DER FARANG, zeigt, wie ein unerwartetes Ereignis das Leben von Carolus und Nai verändert. Alle zwei Wochen erscheint dort eine neue Kurzgeschichte.

In Thailand verfügbare Taschenbücher von Ce-eff Krüger:

Die Taschenbücher sind im Büchershop erhältlich und werden in Thailand versendet.

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