Joachim und Klaus Wohlers, die Zwillingssöhne unserer Nachbarn, sehen sich so ähnlich, dass nur ihre Eltern sie unterscheiden können. Chim und Chem, wie sie genannt werden, sind die besten Freunde unseres Sohnes und gehen mit Chrissi in dieselbe Klasse.
Gerne spielen sie ihrer Lehrerin einen Streich: Wenn zum Beispiel Chim gefragt wird, steht Chem oft auf, und wenn er die Frage nicht beantworten kann, behauptet er, er sei Chim, was dieser aber meistens abstreitet. Damit bringen sie die ganze Klasse zum Lachen und die Lehrerin zur Verzweiflung. Wie wir hörten, hat sie deshalb die Versetzung in verschiedene Klassen beantragt. Dadurch wird das Problem aber sicher nicht gelöst, denn die beiden lustigen Knirpse werden ihre Klasse nach Belieben wechseln.
Dass sie ihre Ähnlichkeit aber auch für kriminelle Taten ausnützen und sogar Chrissi mit hineinziehen würden, erfuhren wir erst vor einigen Tagen, als plötzlich ein Polizist bei uns vor der Tür stand. Meine Herzallerliebste fiel aus allen Wolken, und auch ich war mehr als überrascht.
„Ist Ihr Sohn Christian im Haus?“, fragte er.
„Hat er etwas ausgefressen?“, entgegnete Nai höchst erschrocken.
Der Polizist konnte ein Grinsen nur schwer unterdrücken.
„Ausgefressen ist das richtige Wort“, erwiderte er, während ich Chrissi herbeirief.
Schuldbewusst und mit hochrotem Kopf betrat er das Zimmer.
„Du bist also Christian“, sprach er ihn an. „Weißt du nicht, dass der Hehler ebenso schlimm ist wie der Stehler?“
Chrissi stand da wie ein begossener Pudel, meine Herzallerliebste hatte sich in einen Sessel fallen lassen, und ich bat den Uniformierten um Aufklärung.
Der zog einen Zettel aus seiner Tasche und las uns vor:
„Die minderjährigen Zwillinge Joachim und Klaus Wohlers sind mehrmals beim Stehlen von Süßigkeiten und Obst aus kleinen Supermärkten erwischt worden. Während einer den Verkäufer ablenkte, stahl der andere Schokolade, Bonbons oder Obst.“
„Und was hat unser Sohn damit zu tun?“, unterbrach ich ihn.
„Ihr Sohn wartete draußen und nahm die gestohlenen Waren an sich. Natürlich profitierte er auch davon, wie die Zwillinge ausgesagt haben.“
Meine Herzallerliebste brach in Tränen aus, und auch Chrissi begann zu weinen. Der Polizist fuhr fort:
„Die geschädigten Geschäfte haben Anzeigen erstattet und verlangen eine Kostenerstattung. Da die Diebe nicht strafmündig sind, werden die Eltern dafür verantwortlich gemacht, weil sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben.“
Chrissi rannte plötzlich aus dem Zimmer und kam Sekunden später mit seiner Spardose in der Hand zurück. Er reichte sie dem Polizisten und sagte: „Es war blöd von mir, dabei mitzumachen. Ich entschuldige mich aufrichtig.“
Damit zauberte er meiner Nai ein Lächeln ins Gesicht, und auch ich war sehr beeindruckt. Der Polizist gab Chrissi seine Spardose zurück und meinte schon im Gehen: „Das ist sehr anständig von dir. Ihr bekommt demnächst eine Rechnung zugeschickt.“ Damit verabschiedete er sich.
Meine Herzallerliebste drückte den Kleinen an sich und sagte: „Callolo, das wird ihm eine Lehre fürs Leben sein. So etwas wird er ganz bestimmt nie wieder tun, nicht wahr, Chrissi?“
Der hob die Hände zu einem Wai: „Papi und Mami, verzeiht mir bitte. Ich verspreche euch, nie wieder etwas Unrechtes zu tun. Bitte seid mir nicht mehr böse.“
Damit war auch für uns alles wieder gut.
Zum Autor: Ein Leben für Kunst und Literatur
Carl-Friedrich Krüger, bekannt als Ce-eff, wurde in der norddeutschen Kleinstadt Bad Oldesloe geboren. Wegen besserer Bildungschancen zog er bereits in jungen Jahren nach Hamburg, wo er seine Ausbildung durch zahlreiche Jobs finanzierte. Nach seinem Ersatzdienst begann er zu schreiben: Gedichte, Satiren, Kurzgeschichten, Romane und Drehbücher. Das ZDF engagierte ihn als Redakteur, und er gründete das Kabarett „Die Poli(t)zisten“, aus dem das bundesweit bekannte Mainzer Forum-Theater UNTERHAUS hervorging. Dort leitete er viele Jahre Programme und trat mit eigenen Stücken auf. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz. Heute lebt er als freier Autor in Deutschland und Thailand und ist Kolumnist der deutschsprachigen Zeitschrift DER FARANG.
Callolo und Nai: Geschichten einer Farang-Thai-Liebe
Mit viel Humor und Charme beschreibt Ce-eff Krüger die Höhen und Tiefen des Zusammenlebens von Thais und Farangs. Im Fokus stehen Nai und Callolo, deren Eheleben von Toleranz und Herausforderungen geprägt ist – und dennoch immer wieder ein Happy End findet.
Im ersten Buch erzählt der Autor durch eine „rosarote Brille“ von liebevollen Momenten und überraschenden Entwicklungen. Das zweite Buch beleuchtet ehrlich und humorvoll die Schwierigkeiten in einer reiferen Beziehung. Der dritte Teil „Alte Liebe rostet nicht“, exklusiv im Newsportal DER FARANG, zeigt, wie ein unerwartetes Ereignis das Leben von Carolus und Nai verändert. Alle zwei Wochen erscheint dort eine neue Kurzgeschichte.
In Thailand verfügbare Taschenbücher von Ce-eff Krüger:
- Callolo und seine Herzallerliebste (Taschenbuch, Teil 1)
- Angekommen in der Wirklichkeit (Taschenbuch, Teil 2)
- Ein Leben für Kabarett und Kleinkunst (Autobiographie)
Die Taschenbücher sind im Büchershop erhältlich und werden in Thailand versendet.
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