Callolo - Chrissi, der Künstler

Callolo und seine Herzallerliebste (Teil 3)

Diese eindrucksvolle Szene zeigt Callolo und seine Herzallerliebste Nai in einem freudigen und herzlichen Moment ihres gemeinsamen Lebens, inspiriert von Ce-eff Krügers Erzählungen. Illustration: Generiert von OpenAI's DALL·E
Diese eindrucksvolle Szene zeigt Callolo und seine Herzallerliebste Nai in einem freudigen und herzlichen Moment ihres gemeinsamen Lebens, inspiriert von Ce-eff Krügers Erzählungen. Illustration: Generiert von OpenAI's DALL·E

Meine Herzallerliebste ist schuld. Sie erlaubt unserem kleinen Sohn alles, schimpft nie, wenn er Dummheiten macht, und setzt ihm keine Grenzen. Und Chrissi hat nichts anderes zu tun, als diese Grenzen ständig zu seinem Vorteil zu verschieben.

Aber der Reihe nach:

Vorige Woche hatten wir Besuch von einem Kunstmaler aus Kanchanaburi, mit dem ich seit vielen Jahren befreundet bin. Ich hatte mich mit ihm in mein Arbeitszimmer zurückgezogen und ließ mich von ihm in die Kunst der Aquarellmalerei einweisen, nur so zum Spaß. Chrissi schaute dabei interessiert zu.

Heute waren wir, meine Herzallerliebste und ich, zu einem Meeting in der Immigration eingeladen, wo frühere Kollegen und Kolleginnen von Nai sich zu einer Beratung treffen wollten. Nai hat bekanntlich längere Zeit sehr erfolgreich im Rathaus von Pattaya gearbeitet, und ihr Rat und ihre Meinung sind immer noch sehr gefragt.

Man hatte dringend darum gebeten, dass ich auch an diesem Treffen teilnehmen sollte. Wir machten uns also auf den Weg, obwohl unser Kindermädchen Urlaub hatte und verreist war. Wir schärften Chrissi ein, das Haus nicht zu verlassen. Vorsichtshalber verschloss Nai die Vorder- und Hintertür.

Die Beratung in der Immigration zog sich länger hin als geplant.

Wir kamen heim, öffneten leise die Haustür und betraten das Wohnzimmer, aus dem uns laute Musik entgegenschallte. Und dann stockte uns der Atem. Die Längswand des Zimmers war bunt bemalt, der Boden, Sessel und Couch mit Farben beschmiert. Und davor hockte unser Herr Sohn, links sein Kaninchen im Arm, rechts unseren Hund, und betrachtete stolz sein Kunstwerk. Mit Aquarellfarben hatte er die Wand bemalt: eine Sonne, einen blauen Himmel mit einigen Wolken, darunter das Meer, Sand, Palmen und ein weißes Haus, das entfernt unserem ähnelte.

Ich wollte lospoltern, meinem Ärger Luft machen, aber meine Herzallerliebste hielt mich zurück. Chrissi fiel ihr in die Arme:
„Hab’ ich das gut gemalt, Mama? Ist das Kunst?“

Ich sah, dass meine Herzallerliebste mit den Tränen kämpfte.

„Das geht aber zu weit, Chrissi“, sagte ich. „Du ruinierst unser Haus, dazu noch die Möbel, sogar die Gardinen sind voller Farben. Was ist in dich gefahren? Spinnst du? Was hast du dir dabei gedacht?“

Chrissi begann sofort zu heulen, und meine Herzallerliebste drückte ihn beschützend an sich.

„Beruhige dich, Callolo. Chrissi wollte uns mit diesem Bild doch überraschen.“

„Das ist ihm auch ausgezeichnet gelungen“, schnaufte ich.

„Callolo, schau doch mal genau hin. Das ist naive Kunst, kindliche, naive Kunst. Das muss ich sofort fotografieren.“

Ja, mach nur Fotos von dieser Schmiererei, dachte ich und versuchte, mich zu besänftigen. Meine geliebte Nai wird morgen den ganzen Tag brauchen, um den Boden, die Möbel und die Gardinen zu reinigen, und ich werde einen Eimer weiße Farbe kaufen, auch wenn meine Herzallerliebste darauf besteht, das „Kunstwerk“ zu erhalten. Kommt nicht infrage! Irgendwann ist Schluss mit meiner Toleranz. Wenn es so weitergeht, zündet unser Liebling noch das Haus an, und seine Mama wird ihn zu seinem gelungenen Feuerwerk noch beglückwünschen. Ich begreife das nicht. Aber meine Herzallerliebste ist davon überzeugt, dass unser Sohn ein Künstler ist.

Zum Autor: Ein Leben für Kunst und Literatur

Carl-Friedrich Krüger, bekannt als Ce-eff, wurde in der norddeutschen Kleinstadt Bad Oldesloe geboren. Wegen besserer Bildungschancen zog er bereits in jungen Jahren nach Hamburg, wo er seine Ausbildung durch zahlreiche Jobs finanzierte. Nach seinem Ersatzdienst begann er zu schreiben: Gedichte, Satiren, Kurzgeschichten, Romane und Drehbücher. Das ZDF engagierte ihn als Redakteur, und er gründete das Kabarett „Die Poli(t)zisten“, aus dem das bundesweit bekannte Mainzer Forum-Theater UNTERHAUS hervorging. Dort leitete er viele Jahre Programme und trat mit eigenen Stücken auf. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz. Heute lebt er als freier Autor in Deutschland und Thailand und ist Kolumnist der deutschsprachigen Zeitschrift DER FARANG.

Callolo und Nai: Geschichten einer Farang-Thai-Liebe

Mit viel Humor und Charme beschreibt Ce-eff Krüger die Höhen und Tiefen des Zusammenlebens von Thais und Farangs. Im Fokus stehen Nai und Callolo, deren Eheleben von Toleranz und Herausforderungen geprägt ist – und dennoch immer wieder ein Happy End findet.

Im ersten Buch erzählt der Autor durch eine „rosarote Brille“ von liebevollen Momenten und überraschenden Entwicklungen. Das zweite Buch beleuchtet ehrlich und humorvoll die Schwierigkeiten in einer reiferen Beziehung. Der dritte Teil „Alte Liebe rostet nicht“, exklusiv im Newsportal DER FARANG, zeigt, wie ein unerwartetes Ereignis das Leben von Carolus und Nai verändert. Alle zwei Wochen erscheint dort eine neue Kurzgeschichte.

In Thailand verfügbare Taschenbücher von Ce-eff Krüger:

Die Taschenbücher sind im Büchershop erhältlich und werden in Thailand versendet.

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Michel Maillet 03.03.26 15:20
@Pires
Sie haben schon mitgekriegt dass es sich hier eine fiktive Kurzgeschichte handelt?
Thomas Sylten 03.03.26 15:00
Hoffentlich lernt er daraus - der Vater.
Denn das war das Bessere, was schief gehen konnte. Das Schlechtere wäre Dracomirs Szene: Man schließt kleine Kinder nicht unbeaufsichtigt allein zu Hause ein - das geht IMMER (irgendwann) schief. Gut dass es hier eine vergleichsweise harmlose Lehrstunde war..
Dracomir Pires 01.03.26 15:30
"Vorsichtshalber verschloss Nai ...
... die Vorder- und Hintertür"? Hmmm. Und wenn ein Feuer ausgebrochen wäre? Bei kleinen Kindern weiss man nie.

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