Es war einmal

Es war einmal

1985 kam ich zum ersten Mal nach Thailand. Nach einem kurzen Schnupperkurs in den umliegenden Ländern stand fest: Thailand wird meine zweite Heimat. Und bis heute ist es so geblieben.

Damals, das war die sogenannte „gute alte Zeit.“ Davon ist kaum etwas geblieben. Pattaya war noch ein überschaubares Nest. Es gab das Restaurant von Dolf Riks, in dem köstliche indonesische Reistafeln angeboten wurden für die High Society. Einfache Touristen verkehrten im „Alt Heidelberg“, einem kleinen Laden an der Walking Street, der erst vor kurzem für immer schloss.

Dort, wo heute die Second Road verläuft, wo nur wenige Hütten standen, wurden im Freien Filme vorgeführt. Im Freien hingen auch lebende Schlangen, aufgehängt wie Wäschestücke an langen Seilen. Viele Thais wählten sich ein Exemplar aus. Die Schlange wurde aufgeschlitzt und das Blut im Becher aufgefangen. Es galt als das Viagra der damaligen Zeit. Neben Schlangen wurden auch Hundegerichte angepriesen, schwarze Straßenköter, die Portion für knapp 100 Baht, ebenso Reisratten, Frösche und allerlei geröstete Insekten.

Lung Sen war damals mein Vorgänger als Kolumnist im FARANG. Er beschrieb Pattaya mit allen Vor- und Nachteilen, wurde dafür gelobt und gehasst. Ich bin in große Stiefel geschlüpft und versuche seitdem, auf meine Weise das Zeitgeschehen zu spiegeln.

Ich erinnere mich an meine erste Kolumne. Es ging dabei um angemessene Kleidung in Restaurants. Das Echo war laut, aber es gab neben viel Lob auch böse Kommentare. An meiner Einstellung hat sich bis heute nichts geändert: Ich mag es nicht, in guten Restaurants neben Touristen zu sitzen, die in durchgeschwitzten T-Shirts oder Unterhemden, dazu mit Sandalen und in kurzen Hosen – sogar an hohen Feiertagen – am Nachbartisch ihre kulturelle Vorherrschaft lärmend verkünden. Die Wirte, denen ich vorschlug, am Eingang ein Schild anzubringen mit der Bitte um angemessene Kleidung, zeigten alle Verständnis für meinen Vorschlag, meinten aber, sie seien leider auf jeden Gast angewiesen. Diese Tatsache gehört zu den wenigen Begebenheiten, die sich bis heute nicht verändert haben.

Auch das Meerwasser hat immer noch nicht die Qualität erreicht, die man heute von einem internationalen Seebad erwarten darf. Stattdessen haben die Allgemeinkosten sich fröhlich nach oben geschaukelt. Wenn Thailand damals zu recht als güns­tiges Urlaubsparadies beworben wurde, so gilt das heute nur noch eingeschränkt.

Selbst auf das Wetter ist kein Verlass mehr. Früher galten die Wintermonate in Thailand als High Season, als beste Urlaubszeit. Wer in diesem Jahr im Januar und Februar Pattaya besuchte, hat sich oft vergeblich nach Sonne umgesehen. Sie war ebenso selten zu sehen, wie die vorgelagerten Inseln, die hinter grauen Schleiern verborgen blieben. Feinstaub in bedenklichen Mengen bedeckten Himmel und Erde. Und Zwischendurch gab es heftige Regenschauer. Das gab es, solange ich zurückdenken kann, noch nie. Wenn diese Wetterperioden in den nächsten Jahren anhalten, dann dürfte es mit den erwarteten erhöhten Touristenzahlen wohl nichts werden.

Einige Thailand-Liebhaber sagen deshalb: Liebe ist das einzige Märchen, das nicht mit „Es war einmal...“ beginnt sondern damit endet.

Als optimistischer Thailand-Fan bevorzuge ich die altbewährte Schlussformulierung der Gebrüder Grimm: „...und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben (und kommen) sie noch heute.“

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.

Sind Sie bereits Online-Abonnent? Lesen Sie die vollfarbige PDF-Ausgabe DER FARANG.