Pattaya ist im Norden und Süden vom Meer umspült. Vom Wongamat-Strand im Norden über den Stadt-Strand an der Beach Road bis zur Dongtan Beach und über die gesamte Jomtien Street können Touristen und Thais das Bad im Golf von Siam genießen. Leider war das Wasser noch bis vor wenigen Jahren ziemlich verdreckt, weil zahlreiche Abwässer im Meer entsorgt wurden. Dem Tourismus hat das nicht geschadet. Im Gegenteil, die Besucherzahlen sind von Jahr zu Jahr gestiegen.
Inzwischen ist die Wasserqualität halbwegs akzeptabel. Aber zum Schwimmen bevorzuge ich trotzdem den Pool in meinem Condo. Für mich ist der Dongtan-Strand, benannt nach einer Palmenart, zum Lieblingsplatz geworden, um zu relaxen. Die Beach ist in viele Parzellen aufgeteilt, die von den Betreibern gepachtet werden. Sie stellen jeden Morgen die Liegestühle und die Sonnenschirme auf, damit die Besucher vor Sonnenbrand geschützt sind. Besonders die Thais meiden die Sonne wie der Teufel das Weihwasser. Sie wollen weiß sein, damit jeder sieht, dass sie nicht auf dem Reisfeld oder auf dem Bau arbeiten. Ganz anders die Touristen. Einige legen sich so lange in die pralle Sonne, bis sie verbrannt sind oder endlich die Bräune erlangt haben, mit der sie den Daheimgebliebenen nach ihrer Rückkehr imponieren wollen.
Ich bin während meiner regelmäßigen Aufenthalte in Pattaya jeden zweiten Tag an der Beach. Ich habe dort meinen festen Platz und lasse mich auf einer Decke im warmen Sand für 300 Baht die Stunde massieren. Einmal monatlich nehme ich auch die Fußpflege von Noy in Anspruch, einer Thai, die schon seit dreißig Jahren für mich zuständig ist. Dazwischen gilt es, Hunderte von Händlern abzuwimmeln, die von Lebensmitteln über Textilien, Obst und Zigaretten bis zu Potenzmitteln alles im Angebot haben. Meistens verbringe ich die Zeit mit Lesen. Die anderen Besucher vor und neben mir sind mit ihren Smartphones beschäftigt oder lassen sich mit Getränken und kleinen Thai-Gerichten versorgen. Es sind erholsame Stunden, die ich sehr genieße.
Plötzlich werde ich aufgeschreckt. Die Leute um mich herum springen auf und rennen nach vorn ans Ufer. Knapp zweihundert Meter vom Strand entfernt winkt jemand verzweifelt mit seiner Badehose. Lebensgefahr. Einige Männer stürzen sich ins Wasser, andere telefonieren mit dem Rettungsdienst. Ein Jet-Ski jagt in Richtung des Ertrinkenden. Der ist nicht mehr zu sehen. Sekunden später ist ein Rettungsschiff zur Stelle. Zwei Männer springen ins Wasser, um nach dem Ertrinkenden zu suchen. Endlich tauchen sie wieder auf, zwischen sich die leblose Gestalt eines bärtigen Mannes. Sie hieven ihn in ihr Boot.
Schon höre ich die Sirenen des Notdienstes, gefolgt von zwei Polizeiautos. Die Rettungsschwimmer tragen den nackten Mann ans Ufer, wo er auf einer Bahre fixiert wird, während ein Notarzt seinen Puls misst. Gott sei Dank. Der Mann lebt. Alles passiert in wenigen Minuten. Einige Gaffer stören das Hilfsteam und machen Fotos. Im Laufschritt wird die Bahre zum Wagen gebracht und hineingeschoben. Schon entfernen sich die Sirenen. Ruhe kehrt wieder ein.
Die Abendsonne steht über der vorgelagerten Insel Larn. Kleine Schnellboote bringen Tagesbesucher zurück ans Festland. Dann beginnt das allabendliche Schauspiel am Himmel. Ein Feuerspektakel wie nur die Natur es zustande bringt. Ich bestelle mir einen Campari zum Sundowner. Nirgendwo habe ich je einen eindrucksvolleren Sonnenuntergang erleben dürfen.
Nach wenigen Minuten ist alles vorbei, und schon wird es dunkel. Die Fangschiffe fahren hinaus, und kurz darauf leuchtet am Horizont eine Perlenkette auf. Mit ihren Lampen locken die Fischer die kleinen Tintenfische an die Wasseroberfläche, wo sie mit Keschern eingesammelt werden. Frittiert und mit einer Curry- oder Knoblauchsoße werde ich sie mir später schmecken lassen. Und mit einem guten Schoppen danach geht ein ganz normaler Tag zu Ende.
Für mich gehört er zu den unvergesslichen Urlaubstagen in Thailand.