BANGKOK: Nach der Festnahme einer Flugbegleiterin der Thai Airways (THAI) in Australien wegen des Verdachts des Heroinschmuggels hat Premierminister Anutin Charnvirakul eine sofortige Krisensitzung aller zuständigen Behörden angeordnet.
An dem Treffen, das am Donnerstag (2. Juli 2026) stattfinden soll, werden unter anderem die thailändischen Anti-Drogen-Behörden sowie die Airports of Thailand (AoT) teilnehmen. Anlass sind der aktuelle Fall sowie ein weiterer Vorfall, bei dem kürzlich ein Ausländer versucht haben soll, Drogen von Thailand nach Australien zu schmuggeln.
Sorge um Thailands Luftfahrtimage
Die Regierung befürchtet negative Auswirkungen auf das internationale Ansehen des Landes und die Luftfahrtsicherheit. Anutin, der sich derzeit zu einem Besuch in Frankreich aufhält, reagierte auf Berichte über die Festnahme der 26-jährigen Flugbegleiterin durch die Australian Federal Police (AFP) am 25. Juni 2026 in Melbourne. Den Ermittlungen zufolge soll sie versucht haben, rund ein Kilogramm Heroin nach Australien einzuführen. Die Drogen seien in einer Tragetasche mit thailändischem OTOP-Design versteckt gewesen, die sich zwischen insgesamt zwölf Gepäckstücken befand.
Nach Angaben aus Regierungskreisen zeigte sich der Premierminister äußerst unzufrieden über die Vorfälle. Sie könnten das internationale Ansehen Thailands beschädigen, während die Regierung das Land als regionales Luftverkehrsdrehkreuz etablieren und bis 2028 die Aufnahme in die OECD anstrebe.
Ermittlungen mit AFP ausgeweitet
Parallel dazu hat das Office of the Narcotics Control Board (ONCB) seine Ermittlungen gemeinsam mit den australischen Behörden ausgeweitet. ONCB-Generalsekretär Pol. Maj. Suriya Singhakamol traf sich mit Vertretern der AFP, um Erkenntnisse auszutauschen und Beweismaterial auszuwerten. Dazu gehören die Aussagen der Verdächtigen, ihre Reisedaten sowie Informationen über den vorgesehenen Empfänger des Pakets in Australien. Gleichzeitig wollen die Behörden ihre Zusammenarbeit bei der Bekämpfung internationaler Drogennetzwerke intensivieren.
Nach Angaben des ONCB gehörte der Flug nach Melbourne zum regulären Dienstplan der Flugbegleiterin und war nicht kurzfristig mit einer Kollegin getauscht worden. Sie sei regelmäßig auf dieser Strecke eingesetzt gewesen. Die Ermittler hätten bislang keine Hinweise darauf gefunden, dass die 26-Jährige Mitglied eines Drogenschmuggelnetzwerks sei. Ebenso wenig gebe es derzeit Anhaltspunkte dafür, dass sie ohne eigenes Wissen als Kurierin missbraucht worden sei. Deshalb würden sämtliche möglichen Szenarien weiterhin geprüft.
Warum nahm sie das Paket mit?
Nach Angaben der ONCB-Sprecherin werfen die Umstände des Falls mehrere Fragen auf. So sei unklar, weshalb die Flugbegleiterin trotz der strengen Drogengesetze Australiens bereit gewesen sei, ein Paket für Dritte zu transportieren. Zwar würden einige Besatzungsmitglieder gelegentlich solche Transportdienste anbieten, viele lehnten dies wegen der erheblichen Risiken jedoch grundsätzlich ab.
Besonders auffällig sei zudem die geringe Vergütung von lediglich 8.800 Baht für den Transport. Nach Einschätzung der Ermittler stehe dieser Betrag in keinem angemessenen Verhältnis zum hohen strafrechtlichen Risiko. Auch hätten die bisherigen Untersuchungen weder im familiären Umfeld noch anhand ihres Lebensstils Hinweise auf unerklärlichen Wohlstand ergeben.
Suche nach dem Paketempfänger
Die Behörden versuchen inzwischen außerdem, den vorgesehenen Empfänger des Pakets in Australien zu identifizieren. Dessen Name war in englischer Sprache auf der Sendung vermerkt. Ob es sich um eine echte Identität handelt und welche Staatsangehörigkeit die Person besitzt, ist bislang unklar.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht außerdem ein Facebook-Konto mit dem Namen „Rose Rose“. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte dieses Profil die Flugbegleiterin am 18. und 19. Juni 2026 über die Messenger-App kontaktiert, nachdem sie auf Facebook einen Pakettransportservice angeboten hatte. Kurz nach der Festnahme wurde das Konto deaktiviert. Spezialisten der ONCB-Cybereinheit untersuchen derzeit die Aktivitäten des Profils. Dabei stellten sie fest, dass der Account auch Kontakt zu mehreren weiteren Flugbegleitern verschiedener Airlines aufgenommen hatte.