Japan könnte Chinesen abwerben

Thailands Tourismusbehörde stellt sich auf härteren Wettbewerb ein

Die Entwicklung des chinesischen Reisemarktes bleibt für Thailands Tourismusbranche von großer Bedeutung. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Die Entwicklung des chinesischen Reisemarktes bleibt für Thailands Tourismusbranche von großer Bedeutung. Foto: epa/Rungroj Yongrit

BANGKOK: Die Thailändische Tourismusbehörde (TAT) beobachtet aufmerksam eine mögliche Wiederbelebung des Reiseverkehrs zwischen China und Japan. Nach Einschätzung der Behörde könnte eine Lockerung der bisherigen Beschränkungen für chinesische Gruppenreisen nach Japan den thailändischen Tourismussektor in der zweiten Jahreshälfte beeinflussen. Gleichzeitig wirkten sich die Folgen des Nahostkonflikts weiterhin auf den internationalen Reiseverkehr aus.

Nach Medienberichten hatten mehrere chinesische Reiseveranstalter bereits wieder Pauschalreisen nach Japan für Juli und August angeboten. Nachdem das Thema in der vergangenen Woche mediale Aufmerksamkeit erlangte, stellten einige Anbieter den Verkauf jedoch vorerst wieder ein. Eine offizielle Bestätigung für eine Änderung der chinesischen Reisebeschränkungen liegt bislang nicht vor.

TAT beobachtet Entwicklung genau

Pattaraanong Na Chiangmai, stellvertretende Gouverneurin der TAT für internationales Marketing in Asien und dem Südpazifik, erklärte, dass auch thailändische Tourismusunternehmen sich nach den Berichten an die Behörde gewandt hätten. Sollten die Beschränkungen tatsächlich gelockert werden, werde dies bei der Marketingstrategie für den chinesischen Markt in der zweiten Jahreshälfte berücksichtigt.

In den ersten fünf Monaten des Jahres sank die Zahl chinesischer Besucher in Japan infolge der Einschränkungen für Gruppenreisen um 52 Prozent auf 1,7 Millionen. Pattaraanong betonte, dass Thailand in gewissem Umfang mit Auswirkungen rechnen müsse, falls chinesische Gruppenreisen nach Japan wieder vollständig zugelassen würden. Japan gehöre weiterhin zu den beliebtesten Reisezielen chinesischer Urlauber.

China-Prognose nach unten korrigiert

Zu Jahresbeginn hatte die TAT das Ziel ausgegeben, im Jahr 2026 rund 6,73 Millionen chinesische Besucher zu begrüßen und damit das Niveau von 2024 zu erreichen. Inzwischen wurde diese Prognose jedoch nach unten korrigiert. Neben dem nachlassenden Vertrauen chinesischer Reisender infolge früherer Betrugsfälle habe auch der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran den internationalen Reiseverkehr belastet. Die Behörde rechnet derzeit mit rund fünf Millionen chinesischen Touristen im laufenden Jahr.

Siriges-a-nong Trirattanasongpol, Direktorin der TAT für Ostasien, erklärte, dass die 60-tägige Waffenruhe im Nahen Osten bislang nicht zu einer raschen Wiederaufnahme internationaler Flugverbindungen geführt habe.

Airlines setzen auf Kurzstrecken

Fluggesellschaften konzentrierten sich weiterhin auf wirtschaftlich rentable Strecken und bevorzugten nahegelegene Ziele wie Südkorea oder Hongkong, die im Vergleich zu Thailand geringere Treibstoffkosten verursachten.

Auch zwischen China und Japan werde eine vollständige Wiederaufnahme des Flugverkehrs Zeit benötigen. Nach Angaben der TAT sei die Zahl der Flugverbindungen in diesem Sommer um mehr als 55 Prozent zurückgegangen.

Dennoch sieht die Behörde Thailand im Wettbewerb weiterhin gut positioniert. Bis zum 20. Juni 2026 verzeichnete das Land nach Angaben der TAT rund 2,5 Millionen chinesische Besucher und damit ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das Jahr 2027 erwartet die Behörde trotz zunehmender Konkurrenz durch andere Destinationen weiteres Wachstum im chinesischen Markt.

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