Geopolitik bremst Thailands Wirtschaft

Lieferketten, Kosten und Vertrauen unter Druck

Der private Konsum blieb im Mai stabil. Gleichzeitig trübten geopolitische Spannungen das Verbrauchervertrauen in Thailand. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Der private Konsum blieb im Mai stabil. Gleichzeitig trübten geopolitische Spannungen das Verbrauchervertrauen in Thailand. Foto: epa/Rungroj Yongrit

BANGKOK: Geopolitische Spannungen belasten nach Einschätzung des thailändischen Finanzministeriums zunehmend die globalen Lieferketten, treiben die Produktionskosten in die Höhe und bremsen das Wirtschaftswachstum des Landes. Darauf weist der aktuelle Wirtschaftsbericht für Mai hin, den das Fiscal Policy Office (FPO) veröffentlicht hat.

Pisit Puapan, Direktor des Büros für Makroökonomische Politik innerhalb des FPO, erklärte, dass der Stimmungsindex der thailändischen Industrie (Thai Industries Sentiment Index, TISI) im Mai auf 84,7 Punkte gesunken sei. Im April hatte der Wert noch bei 85,3 Punkten gelegen. Hintergrund seien die zunehmenden Sorgen der Unternehmen über die Abschwächung der Binnenwirtschaft sowie steigende Produktionskosten.

Industrie bleibt auf Wachstumskurs

Der Einkaufsmanagerindex (Purchasing Managers' Index, PMI) lag im Mai bei 52,6 Punkten und damit geringfügig unter dem Aprilwert von 52,7 Punkten. Da der Index weiterhin über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten liegt, setzte der thailändische Industriesektor seine Expansion fort.

Nach Angaben des FPO entwickelte sich der private Konsum insbesondere im Bereich langlebiger Konsumgüter weiterhin positiv. Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen stieg im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 15,2 Prozent, bei Motorrädern betrug das Plus 2,9 Prozent.

Verbrauchervertrauen unter Druck

Der Verbrauchervertrauensindex sank hingegen von 50,6 Punkten im April auf 49,5 Punkte im Mai. Als Ursache nennt das Finanzministerium die zunehmenden geopolitischen Spannungen, die in den vergangenen Monaten zu höheren Ölpreisen auf dem Weltmarkt geführt hätten.

Bei den privaten Investitionen zeigte sich insgesamt ein gemischtes Bild. Die Einfuhren von Investitionsgütern legten gegenüber dem Vorjahr um 19,6 Prozent zu und verzeichneten saisonbereinigt gegenüber April ein Wachstum von 0,9 Prozent.

Weniger neue Nutzfahrzeuge

Demgegenüber ging die Zahl der neu zugelassenen Nutzfahrzeuge im Mai im Jahresvergleich um 17,7 Prozent zurück. Saisonbereinigt lagen die Neuzulassungen ebenfalls um 3,8 Prozent unter dem Vormonat.

Im Bausektor stiegen die Zementverkäufe gegenüber dem Vorjahr um 3,9 Prozent. Nach saisonaler Bereinigung ergab sich jedoch ein Rückgang von 1,3 Prozent. Auch der Immobiliensektor entwickelte sich schwächer: Die Steuereinnahmen aus Grundstücks- und Immobilientransaktionen sanken im Mai im Jahresvergleich um 8,6 Prozent und lagen saisonbereinigt um 0,6 Prozent niedriger.

Exportboom hält weiter an

Der Exportsektor setzte seine positive Entwicklung fort. Die Ausfuhren stiegen im Mai den 23. Monat in Folge und erhöhten sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 10,6 Prozent auf einen Gesamtwert von 34,3 Milliarden US-Dollar. Besonders kräftig wuchsen die Exporte in die USA (+33,5 Prozent), in die fünf wichtigsten ASEAN-Staaten (+29,7 Prozent), in die Europäische Union (+12,1 Prozent) sowie nach Japan (+11,7 Prozent). Die Ausfuhren nach Indien gingen dagegen um 10,3 Prozent zurück.

Auch der Tourismus verzeichnete weiteres Wachstum. Im Mai reisten 2,35 Millionen internationale Besucher nach Thailand, was einem Anstieg von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht. Saisonbereinigt legten die Ankünfte um 5,9 Prozent zu.

Stabilität trotz globaler Risiken

Nach Einschätzung des Finanzministeriums bleibt die wirtschaftliche Stabilität des Landes insgesamt solide. Die Inflationsrate lag im Mai bei 2,79 Prozent, die Kerninflation bei 0,92 Prozent. Die Staatsverschuldung belief sich Ende April auf 66,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und lag damit weiterhin innerhalb der gesetzlichen Vorgaben zur Haushaltsdisziplin.

Auch die außenwirtschaftliche Stabilität werde als robust eingeschätzt. Die internationalen Währungsreserven Thailands beliefen sich Ende Mai auf 287,5 Milliarden US-Dollar und gelten nach Angaben des Finanzministeriums als ausreichend, um Risiken infolge der globalen wirtschaftlichen Unsicherheiten abzufedern.

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