Zeitungen in Spanien, auf den Balearen, vor allem aber auf Mallorca titeln: „Bleibt zu Hause“ und „Kommt nicht hierher.“ Allein die Insel Mallorca, die weniger als eine Million Einwohner hat, verkraftete im letzten Jahr 13,5 Millionen Touristen, davon 5 Millionen aus Deutschland.
Hoteliers und Kneipiers sind darüber froh und glücklich, ganz im Gegensatz zur Einstellung der Einwohner. Es fehlt an Wohnraum, weil immer mehr Häuser und Wohnungen in Touristenunterkünfte umgewandelt werden. Viele Mallorquiner leben inzwischen in Slums, in billig zusammengeschusterten Behausungen, oder sie schlafen im Freien, in Parks oder am Strand.
Trotz der Milliardeneinnahmen, die von den Touristen auf den Inseln ausgegeben werden, schlittern immer mehr Bewohner in die Armut. Viele sehen keinen anderen Ausweg, als in einem anderen Land ihr Heil zu suchen. Aber auch diejenigen, die vom Tourismus profitieren und alle anderen Einheimischen müssen die Folgen dieses Massentourismus ertragen: Umweltverschmutzung, Lärm und höhere Preise.
Die Lieblingsinsel der Deutschen ist völlig überlaufen, und die Proteste häufen sich, die Wut schlägt langsam um in Hass auf die sonnenhungrigen Eindringlinge. Erst vor wenigen Tagen kam es an der beliebten Beach Playa de Palma zu einem Eklat: Ein englisches Paar kopulierte splitternackt am hellen Tag vor zahlreichen Badegästen. Das führte zu einer handfesten Auseinandersetzung mit Einheimischen. Für die beiden schamlosen Briten endete der Urlaub im Krankenhaus, und wahrscheinlich werden sie auch strafrechtliche Konsequenzen zu tragen haben.
Vieles erinnert mich bei diesen Nachrichten an Thailand. Auch hier scheint sich etwas zusammenzubrauen. Denn die negativen Folgen der touristischen Überfüllung sind nicht zu übersehen. Aus Phuket hört man: Die Infrastruktur ist an ihre ihre Grenzen geraten. Trotzdem sollen hier in den nächsten drei Jahren 1.200 Hotelzimmer zu den bestehenden 3.800 geschaffen werden. Aktuell stehen mehr als 15.000 Wohneinheiten zum Verkauf, ein drohendes Überangebot.
Hat Thailand bei fast 30 Millionen Urlaubern im Jahr endlich sein Ziel erreicht? Oder wird die Werbetrommel weiterhin gerührt?
In einigen der überlaufenen Gegenden der Welt hat man das Problem erkannt: In Venedig ist die Zahl der erlaubten Einreisen beschränkt worden, und die Touristen müssen eine Abgabe leisten, die sich auf 6 bis 10 Euro pro Kopf und Tag beläuft. Ich vermute, diese verzweifelten Maßnahmen werden den Massentourismus so wenig verhindern, wie Grenzen den weltweiten Migrationsströmen Einhalt gebieten können.
Erst wenn die Touristen merken, dass sie nicht mehr willkommen sind, wenn das Duschwasser abgestellt wird, Stromsperren den Urlaubsspaß vermiesen, die Preise massiv ansteigen, wenn Überfälle und Diebstähle zunehmen, Müllberge, Abgase und Verkehrsstaus im Ferienparadies den Traumurlaub zum Alptraum geraten lassen, werden die entspannungssüchtigen deutschen Reiseweltmeister die Schönheit ihrer eigenen Heimat wieder entdecken und lieber zuhause bleiben, denn das sagte schon meine Mutter immer: Daheim ist es doch am schönsten.