Wieder Tote bei Messerstecherei verfeindeter Jugendbanden

Wieder Bewegung im Mordfall Schwartges vom 20. August 2014? – Immerhin gibt es nun eine offizielle Stellungnahme des Thailändischen Auswärtigen Amtes an die große Tageszeitung ‚Düsseldorfer Express‘.
Wieder Bewegung im Mordfall Schwartges vom 20. August 2014? – Immerhin gibt es nun eine offizielle Stellungnahme des Thailändischen Auswärtigen Amtes an die große Tageszeitung ‚Düsseldorfer Express‘.

KOH SAMUI: Zwei offensichtlich getötete junge Thais bei einer brutalen Messerstecherei nach einem Discotheken-Streit  am Samstag – aber von der Polizeidirektion Chaweng-Bophut gibt es bis heute keine offizielle Bestätigung oder Verlautbarung zu dem Vorfall.

Aus bestens informierten Kreisen sickerte Anfang dieser Woche auf Koh Samui durch, dass es am Wochenende im berüchtigten Sound Club in Chawengs Soi Green Mango zu früher Morgenstunde eine schwere Auseinandersetzung zwischen verfeindeten jungen Männern gab. Zunächst war in Internetblogs bei Facebook und unter Residenten auf Koh Samui behauptet worden, europäische Urlauber seien involviert gewesen. FARANG-Recherchen ergaben, dass dies nicht zutrifft und ein tödlicher Kampf zwischen Einheimischen stattgefunden haben muss.

In Höhe der Rajabath Universität „International School of Tourism“ an der Chaweng Umgehungsstraße kam es laut Augenzeugen am Samstag früh gegen 6 Uhr kurz vor dem Family Markt zum Aufeinandertreffen der Gangs. Diese sind – ebenfalls Zeugenberichten zufolge – in der Discothek Sound Club nach einem handfesten Schlagabtausch zunächst weggefahren. Im Anschluss kam es nach einer wilden Verfolgungsjagd auf Motorrädern  zum blutigen Finale auf der Straße. In dessen Folge sollen zwei junge Thais erstochen worden sein.

Lokale Schnellrestaurant-Betreiber, die am gleichen Morgen in der Nähe ihre Shop öffneten, sprechen von zwei Leichen, die auf der Straße gelegen seien. Ein großes Polizeiaufgebot sowie später Sanitäter von ‚Samui Rescue‘ hätten den Tatort gesichert und die Toten weggebracht.

Besondere Brisanz erhält dieser Fall, weil ebenfalls in der Soi Green Mango vor fünf Monaten der Deutsche Volker Schwartges (46) von mindestens vier Thaijugendlichen angegriffen und mit einem Messer seine Halsschlagader aufgeschlitzt worden war. Schwartges war damals mit seiner Thai-Verlobten aus dem Sound Club gekommen und zu seinem geparkten Motorrad gegangen. Dort soll es zur Eskalation gekommen sein, weil sich der gebürtige Düsseldorfer darüber beschwerte, dass Thaijugendliche auf seinem Motorroller saßen.

Neue Recherchen des FARANG ergaben, dass dieser Streit möglicherweise gar nicht stattgefunden hat, sondern Schwartges bereits beim Betreten des Parkplatzes ohne Vorwarnung von fünf Jugendlichen angegriffen und zu Boden getreten wurde. Die deutsche Dolmetscherin Liz Luxen, die im Auftrag der Familie des ermordeten Deutschen bei der Staatsanwaltschaft nachfragte, durfte jüngst das Tatortvideo einsehen.

Laut Liz Luxen ist darin kein Streit zu erkennen, lediglich fünf junge Täter, die gemeinschaftlich den hilflosen Deutschen zu Boden treten. Die Szene, in der Volker Schwartges mit einem Messer die Halsschlagader durchgetrennt wurde, sei nicht zu sehen gewesen, sagte Frau Luxen auf Anfrage unserer Redaktion.

Ob das Verfahren gegen den Haupttäter Ittison Tanprasert (17) sowie weitere vier mutmaßliche Mittäter überhaupt noch eröffnet wird, ist völlig unklar. Die Zeitung ‚Düsseldorfer Express“ aus der Heimat des getöteten Barbesitzers Volker Schwartges hat immerhin nach mehrwöchigem Warten eine Antwort des Auswärtigen Amtes Thailand auf eine Anfrage wegen der schleppenden Mordermittlungen erhalten. Darin wird verlautbart, dass die thailändische Justiz weiter an dem Fall dran sei.

Der Wortlaut des für den ‚Düsseldorfer Express‘ übersetzten Polizeiberichtes der Direktion Chaweng-Bophut hier nachfolgend:

(Inoffizielle Übersetzung des Polizeiberichts der Polizeidirektion Bo Phut durch die Königlich Thailändische Botschaft)

[...] Auf Ihre Frage, warum die Staatsanwaltschaft von Samui die Klage noch nicht beim Gericht eingereicht hat, lässt sich wie folgt beantworten: Die Staatsanwaltschaft hat zusätzliche Ermittlungen angeordnet. Diese Ermittlungen sind von den Zuständigen durchgeführt worden. Momentan befindet sich die Klage bereits zur letzten Prüfung bei der Staatsanwaltschaft von Samui. Die Anklagen für folgende Personen sind wie folgt:

1. Herr Itthisorn Tanprasert, 17 Jahre alt, wurde mit vorsätzlicher Tötung belastet. Außerdem wurde er des grundlosen Besitzes eines Messers im Wohngebiet bzw. im öffentlichen Bereich beschuldigt.

2. Herr Wisrut Sriphaew, 18 Jahre alt, wurde mit Körperverletzung mit physikalischen und mentalen Folgen belastet. Er wurde von Mitschuld an der vorsätzlichen Tötung entlastet.

3. Herr Kulthorn Nusom, 16 Jahre alt, wurde mit Körperverletzung mit physikalischen und mentalen Folgen belastet. Er wurde von Mitschuld an der vorsätzlichen Tötung entlastet.

4. Herr Kornvichit Thongmoh, 16 Jahre alt, wurde mit Körperverletzung mit physikalischen und mentalen Folgen belastet. Er wurde von Mitschuld an der vorsätzlichen Tötung entlastet.

5. Herr Volker Schwartges, deutscher Staatsangehöriger, wurde von körperlicher Verletzung mit physikalischen und mentalen Folgen entlastet, weil er verstorben ist.

6. Die Polizeidirektion Bo Phut hat am 11. November 2014 das Ermittlungsprotokoll an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

Laut Informationen unserer Redaktion hat der leitende Oberstaatsanwalt Paibul Achawanantakkul bis heute nicht die von ihm eingeforderten neuen Ermittlungsresultate der Polizei Chaweng-Bophut erhalten. Der damalige Chefermittler der Polizei, Napa Saengathit, ist nicht mehr auf Koh Samui tätig und nach Koh Tao versetzt worden.

Auch die Uhr des leitenden Staatsanwaltes Paibul läuft auf Koh Samui ab. Er soll im Mai die Insel verlassen und einen neuen Aufgabenbereich übernehmen. Ob damit auch der Mordfall Schwartges endgültig in der Versenkung verschwindet, das wird sich bis dahin zeigen. Der FARANG wird weiter berichten.

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