Oskar glaubt, dass den meisten Thais die Vorfahrtregelung unbekannt ist. Er hat zwei Spezies von Autofahrern ausgemacht: Entweder kümmern sie sich nicht um die Strassenverkehrsordnung und erzwingen sich die Vorfahrt, oder sie stoppen an Kreuzungen und lassen andere Autofahrer erst einmal passieren.
Es scheint aber eine Rangfolge der Vorfahrtberechtigten zu geben: Lastwagen und Busse, dann PS-starke Autos wie Benz und BMW, es folgen weitere Limousinen und die Pick-ups. Nach den Motorrädern stehen die Fussgänger an letzter Stelle. Wer zu Fuss geht, ist eben rechtlos!
Für Westler ist das Fahren in diesem Land gewöhnungsbedürftig. Nicht nur wegen des Linksverkehrs. So akzeptiert der Ausländer besser, dass beim Rechtsabbiegen die aus der Seitenstrasse kommenden Autofahrer glauben, sie hätten Vorfahrt und müssten den Weg frei machen. Dies scheint in Thailand ein ungeschriebenes Gesetz zu sein. Wer sich darüber hinwegsetzt, kann schnell in eine Karambolage verwickelt werden.
Dabei sollte die Vorfahrtregelung eigentlich unproblematisch sein. Denn es gilt links vor rechts. Sieht man von den wenigen Stopp-Schildern an Einmündungen und Kreuzungen ab, weiss der Motorisierte allerdings nicht, ob er sich auf einer vorfahrtberechtigten Strasse befindet. Entsprechende Schilder hat Oskar jedenfalls noch nicht gefunden. Vielleicht bestimmt ja die Fahrbahnbreite die Vorfahrt?
Wenn nicht, machen die Thais auf ihren Motorrädern nichts falsch. Sie kommen aus den Nebenstrassen und biegen gewöhnlich mit hoher Geschwindigkeit und ohne auf den fliessenden Verkehr zu achten links ab. So, als gelte für sie die Links-vor-rechts-Regelung.