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Oskar möchte ohne Handy und Internet nicht mehr auskommen. Damit reiht er sich in die schier endlos lange Reihe von Frauen und Männern nahtlos ein, die sich ein Leben ohne World Wide Web nicht mehr vorstellen können. Allerdings weiß Oskar, dass er ohne Mobile und Internet ein ruhigeres Leben hätte.

In sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter ist Oskar nicht vertreten. Auch chattet er nicht über Line. Einerseits aus Bequemlichkeit, andererseits sucht er weltweit keine virtuellen Freunde und auch keine Followers.

Jeden Monat gibt`s einen weiteren Datenskandal, jede Woche wird eine neue Sicherheitslücke bei Computern und Handys bekannt. Oskar möchte keine persönlichen Daten freiwillig preisgeben und schützt sich mit einem professionellen Anti-Virus-Programm gegen Eindringlinge. Dank Edward Snowdens Enthüllung über den US-Geheimdienst NSA hat sich bei Oskar die Gewissheit verfes­tigt: Alles, was wir im Internet tun, kann ausspioniert werden.

Oskar bewundert seine Töchter nicht, die ihre Freizeit fast ausschließlich mit ihren Smartphones verbringen. Sie lesen keine Zeitung, keine Bücher mehr und sind nur noch mit Freunden und Bekannten am chatten. Kommunikation – fast nur im Internet! Und wenn Oskar mit ihnen reden möchte, kommt prompt die Antwort: „Sorry, habe jetzt keine Zeit, ich muss meine sozialen Kontakte pflegen.“

Jaron Lanier, Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, hat es auf den Punkt gebracht: „Du bist nicht der Kunde der Internetkonzerne. Du bis ihr Produkt.“

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