Auto fahren

Oskar hat miterlebt, wie Thais Auto fahren lernen und sich vor der Fahrprüfung drü­cken. Eine Arbeitskollegin von Oskars ältester Tochter hatte sich vor einem Jahr einen gebrauchten Toyota Yaris auf Raten gekauft – obwohl sie keinen Führerschein besaß.

Sie bat Oskars Tochter, ihr das Fahren beizubringen. Täglich lenkte die Tochter das Auto und brachte der Arbeitskollegin alles Wissenswerte rund ums Fahrzeug bei. Dann setzte sich die junge Frau ans Steuer, fuhr anfangs unsicher, behinderte den Verkehr und beachtete so manche Regel nicht. Als sie sich nach einigen Monaten sicherer fühlte, meldete sie sich auf dem Straßenverkehrsamt für die Fahrprüfung an. Sie fiel mit Pauken und Trompeten durch, auch, weil sie sich nicht vorbereitet hatte. Sie hatte sich nicht die Mühe gemacht, eine Website der Behörde anzukli­cken und sich Hunderte Fragen und Antworten einzuprägen.

Inzwischen sind seit dem Autokauf mehr als zwölf Monate vergangen. Die junge Thai fährt weiter ohne Lizenz und hat bereits einen Unfall verursacht. Gottlob nur mit leichtem Sachschaden. Eine erneute Führerscheinprüfung steht nicht an, die Frau könnte ja gänzlich ihr Gesicht verlieren. Vor einigen Wochen, berichtete sie Oskars Tochter, sei sie in eine Polizeikontrolle geraten. Kein Führerschein? Das Problem wurde mit einem Bußgeld aus der Welt geschafft.

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Leserkommentare

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Gustav Lampe 02.03.15 17:37
Der Führerschein wird gekauft...
Führerscheinkurse werden nur in größeren Städten angeboten. Es gibt Fahrstunden, jeder darf fahren, und das Fahrtraining ist ausreichend. Vielleicht ist das ja nicht überall so. Allerdings, die schriftliche Prüfung ist ein Witz. Es wird gesagt, wer durch die schriftliche Prüfung fällt, muss 500 Baht extra bezahlen, bekommt dann den Führerschein trotzdem. Kein Wunder, dass in den Morgennews immer die so viele wirklich tragsiche Unfälle passieren die unter anderem auf eine rücksichtslose Fahrweise gründen. Das Thema hatten wir in Europa auch schon, und es hat Jahre gedauert bis wir in Deutschland eine andere Fahrkultur hatten - die südlichen Euro Länder benötigten noch länger, wenn ich da an 1972 denke, fahren in Frankreich, das war in etwa vergleichbar mit Thailand heute. Aber, den Bogen jetzt wieder zu einem Farang zu spannen und die Frage zu stellen warum es Farang gibt die in Thailand wohnen wollen und das auch noch in schlichter Lebensweise, ist eine Antwort wert. Auch die Unterstellung, in Thailand gäbe es nur Respektlosigkeit ist falsch. Ich frage - was haben Sie gegen schlichte Lebensweise? Ich bewundere auch immer den Respekt den die Thailänder gegenseitig und vor allem den Farang gegenüber, im Besonderen den Eltern gegenüber und allen höherrangigen Personen zeigen. Das ist auch im Fernsehen immer wieder zu sehen, wie respektvoll man sich begegnet. Hinter dem Steuer aber, das ist auch heute in Deutschland noch vielfach anzutreffen, wird der respektvolle und treusorgende Familienvater plötzlich zu einem anderen Menschen. Das ist nicht Thailandtypisch zu sehen.
Ernst Volker Freier 01.03.15 21:28
Warum kauft sie keinen?
Sie könnte ja eine Lizenz kaufen, beim Transportoffice, das kostet 2000 Baht und ist kein Fake. Danach kann sie zwar auch nicht besser fahren aber was macht das schon in diesem Land, 98 % aller Thais können nicht fahren tun es aber leider!
Wilhelm Peters 01.03.15 16:07
Der Beitrag ist mit seinem Ende...
...extra offen geblieben. Welche Bedeutung erwächst also daraus: Ganz einfach, das Verhalten im täglichen Strassenverkehr, wo jeder seine eigenen Regeln macht ist omnipräsent. Die "farangs" lernen übrigens auch sehr schnell genau das, was man nicht machen sollte bzw. darf. Ich kenne da eine liebe thailändische Frau aus meinem Familienkreis, die 1994 zum Amt gegangen ist, um den Pkw-FS zu bekommen. Kein Thema, ihr Cousin hat sie hingefahren, sie wurde gefragt ob sie fahren könne, musste sich ins Auto setzen und den Wagen starten. Das war es dann auch, FS alter Art für immer, den gab es damals noch. Gut, mittlerweile fährt dieses Persönchen toll, und zwar genauso toll, wie die meisten hier, eben nach eigenen Regeln. Für die meisten Damen und Herren ist der Strassenverkehr nichts anderes als ein zusätzlicher Spass, so wie eine Kirmes, man fährt drauf los und der andere hat aufzupassen. Das Interessante ist hierbei, das es von allen anderen, mit ganz wenigen Ausnahmen, akzeptiert wird, man hupt höchstens um den anderen zu begrüssen, jeder fährt ja so wie er möchte. Lediglich die Parkplätze an den Supermärkten scheinen da eine Ausnahme zu bilden: Hier wird das Fahrzeug peinlichst genau mit vielfachem Rangieren in die meist viel zu enge Parklücke gesetzt, obwohl 5 m weiter eine grosse Freifläche vorhanden ist. Ist das nun alles mentalitätsbedingt und Ergebnis einer Kultur, die man mit seinen ganzen Eigenarten niemals richtig verstehen wird? Ich vermute ja, denn als Antwort habe ich schon oft gehört: "Buddha passt doch auf!" Soll also heissen, dass Buddha die ganze Verantwortungslosigkeit und Rücksichtslosigkeit kompensiert, na toll, da hat er ja eine "Rund-um-die-Uhr-Beschäftigung"... Kann man den offen gelassenen Gedanken von Oskar nun schliessen? Eigentlich nicht so wirklich, uns, die wir auch hier leben, bleibt nichts anderes übrig, uns so zu verhalten wie in unseren Ländern, die Regeln beachten und unglaublich vorausschauend zu fahren, keinesfalls sich aber das Verhalten der vielen Kindsköpfe anzueignen... Und den vielen Thais sei gesagt: "Nein, Buddha passt nicht auf Euch auf, das müsst ihr schon selbst machen, kommt endlich von dem Verhalten herunter nach dem Motto zu leben: Heute ist heute, der morgige Tag ist mir egal, ich mache was ich will, andere Menschen und auch Tiere interessieren mich nicht, ich bin in meinen Gedanken einfach sehr schlicht und so lebe ich auch - fragt sich nur wie lange..." Ich frage mich manchmal, was "farangs" dazu bewegt, hier auch so zu leben, schlichte Lebensweise in allen Dingen, regellos, unverschämt und respektlos scheint ihre Reize zu haben. Beschämend und nicht zuträglich für ein gutes Miteinander...