Urlaub nach Wetterbericht

​​Callolo und seine Herzallerliebste - Eine humorvolle Geschichte

Urlaub nach Wetterbericht - Callolo und seine Herzallerliebste, Thailand, Pattaya
Urlaub nach Wetterbericht - Callolo und seine Herzallerliebste, Thailand, Pattaya

Zum vierzigsten Geburtstag hatte ich meiner Herzallerliebs­ten einen einwöchigen Urlaub in Ayutthaya versprochen. Wir vertrauten der Wettervorhersage aus dem Internet: Für die nächsten zehn Tage war ein Hoch vorhergesagt mit Temperaturen zwischen 27 und 33 Grad. Wir packten jeder unseren Koffer, gaben den Hund und das Kaninchen in Pflege und fuhren nach Bangkok, wo wir ein Passagierschiff bestiegen, das uns an unser Ziel brachte. Das Hotel, in der Nähe der Tempelruinen, hatten wir im Voraus übers Internet gebucht.

Nachdem wir eingecheckt hatten, begaben wir uns in das hoteleigene Restaurant. Wir waren in bester Urlaubsstimmung und bestellten ein Gericht mit frischen Waldpilzen. Der Kellner servierte und bat gleichzeitig um die Begleichung der Rechnung.

Ich fragte ihn: "Ist das hier so üblich, zu kassieren, bevor die Gäste gegessen haben?" Mit einem freundlichen Lächeln antwortete er: "Nein, aber bei Pilzgerichten bitten wir immer um Vorkasse." Ich war etwas verblüfft, aber dann verriet das Gesicht des Kellners, dass er sich einen makabren Witz geleistet hatte. Wir haben das Gericht auch überlebt, zum Abschluss mit einer guten Flasche Wein. "Hörst du auch das Geräusch, Callolo?" fragte Nai und spitzte die Ohren. "Mir scheint, es regnet." "Ich höre nichts." Der Wein wurde serviert. Ich probierte. Er war köstlich. Wir stießen an: "Auf einen schönen Urlaub."

Ein Donnerschlag ließ uns auffahren. Dann folgten Blitze und Donner in Sekundenabstand. Und dann hörte ich auch den Regen, der an die Fensterscheiben klatschte und keine Sicht nach außen mehr zuließ. Einen Monsunregen wie diesen hatte ich selten erlebt. Aber ich tröstete meine Herzallerliebste: "Je heftiger, umso schneller ist es vorbei."

Danach gingen wir früh ins Bett, denn der Tag war anstrengend gewesen. Das monotone Geräusch des Regens, der an die Scheiben schlug, begleitete uns in den Schlaf. Beim Aufwachen waren wir schockiert: Es goss immer noch wie aus Kübeln. Der Himmel war von dunklen, schweren Wolken verhangen, und beim Blick aus dem Fenster sahen wir nichts als Wasser, aus dem hier und da ein paar Baumspitzen hervorsahen.

"Mein Gott", dachte ich, "das ist die Sintflut." Meiner lieben Nai schossen die Tränen in die Augen: "Callolo, meinst du, dass das Wetter sich noch ändern wird?"

"Ja, nach der Wettervorhersage war dieser Regen gar nicht vorgesehen", versuchte ich sie aufzumuntern und überreichte ihr zu ihrem 40. Geburtstag einen goldenen Buddha-Anhänger im Stil der Ayutthaya-Periode.

Für den Moment versöhnte sie das mit dem Wetter, und wir gingen hinunter ins Restaurant zum Frühstücken. Der Oberkellner fing uns ab: "Sorry, das Restaurant steht leider unter Wasser. Wir servieren das Frühstück heute im ersten Stock, direkt neben der Küche." "Was für ein Glück, dass die Küche sich nicht im Erdgeschoss befindet", sagte ich zu Nai, "sonst würden wir auch noch auf das Frühstück verzichten müssen."

Sie lächelte gequält. Der Kellner kam und sagte mit Leidensmiene: "Wir haben zur Zeit leider keinen Strom und können Ihnen deshalb keinen Kaffee anbieten. Dürfen wir Ihnen stattdessen etwas anderes servieren?" "Ja, was denn?"

""Hm…" Lappriger Toast mit aufgeweichter Butter und Marmelade, dazu warmes Wasser. Der Geburtstag meiner Herzallerliebsten begann nicht allzu vielversprechend.

Aber es kam ja noch schlimmer. Der Regen dauerte an. Der Wasserstand lag inzwischen bei zwei Metern. Wir wollten weg. Aber wie denn?

Es gab weder Autos noch Boote. Es gab nach zwei Tagen auch kein Frühstück mehr und kein Dinner

"Bitte", sagte der Hoteldirektor, "Sie müssen verstehen, mit solch einer Situation konnte keiner rechnen." Sie gaben uns ein paar Flaschen Wasser, Erdnüsse und Cracker. Aber der Regen hörte nicht auf. Inzwischen gab es wieder Strom. Das Hotel wurde durch Boote beliefert, und wir wollten nur fort. Das wurde aber wie auch immer verhindert. Stattdessen bekamen wir, wie auch all die anderen Gäste, die hier unfreiwillig hängengeblieben waren, jeden Abend gratis Sekt und Wein. Eigentlich hatten wir alles, außer dass wir das Hotel nicht verlassen konnten. Endlich, nach einer Woche, hörte der Regen auf, aber das Wasser lief nicht ab.

Der Wirt verlangte Geld für den verlängerten Aufenthalt, was wir ablehnten. "Wenn Sie nicht in der Lage sind, uns die Abreise zu ermöglichen, dann zahlen wir keinen Baht."

Nach zehn Tagen fanden wir endlich ein Boot, das uns zu einer Busstation brachte, von der aus wir die Heimreise antreten konnten. Nai sagte. "Das waren doch genau die zehn Tage, für die uns von der Wettervorhersage ein Hoch vorausgesagt war". "Du hast natürlich völlig recht, liebe Nai", sagte ich, "aber das war keine Wettervorhersage, sondern eine Wettervorher- Sage. Und Sagen haben mit der heutigen Realität leider nichts zu tun."

Callolo und seine Herzallerliebste und Angekommen in der Wirklichkeit

Callolo und seine Herzallerliebste

In 130 heiteren Kurzgeschichten hat Autor Carolus in zwei Büchern sich mit unterschiedlichen Erfahrungen, die sich aus dem Zusammenleben zwischen Thais und Farangs ergeben, verfasst. Die humorvollen Geschichten behandeln das Eheleben zwischen Nai und Callolo. Im Leben der beiden wird viel Toleranz abverlangt. Dass es trotzdem immer wieder ein Happy End geben kann, beweist der Autor, im ersten Buch, in vielen unerwarteten Entwicklungen. Im zweiten Werk hat der Autor seine „rosarote Brille“ abgenommen und erzählt auf ehrliche und gewohnt charmante Weise über Probleme und Schwierigkeiten, die in seiner nicht mehr ganz taufrischen Beziehung zu Nai entstehen.

Die beiden Taschenbücher können Sie im FARANG-Onlineshop bestellen.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder
Dieter Kowalski 25.07.22 11:00
Zur Regenzeit Urlaub machen ;-)
Damit hat doch der PM geworben.
"Fon tok jukjuk“ oder „fon tok yang fah rua“ (Regen, der fällt, als ob der Himmel „undicht“ ist) – schwere, langanhaltende Regengüsse. - That's it.
Maddin 24.07.22 23:20
Overstay
Finde ich nicht OK. Wenn man länger in einem Hotel bleibt als vereinbart, sollte man auch bezahlen. Oder draußen übernachten.
Der Hotelier kann doch nichts für das Wetter.
Hit the Lights 23.07.22 21:10
Öha, a neichs Gschichtl. Ich liebe Regen, gibt frische Luft.