Update: Zugunglück in Nakhon Ratchasima

Mindestens 22 Tote nach Kran-Sturz

Rettungskräfte arbeiten an der Unglücksstelle im Bezirk Sikhio (Provinz Nakhon Ratchasima), nachdem ein Passagierzug mit fast 200 Menschen an Bord infolge eines umgestürzten Baukrans entgleist ist. Foto: epa/Narong Sangnak
Rettungskräfte arbeiten an der Unglücksstelle im Bezirk Sikhio (Provinz Nakhon Ratchasima), nachdem ein Passagierzug mit fast 200 Menschen an Bord infolge eines umgestürzten Baukrans entgleist ist. Foto: epa/Narong Sangnak

NAKHON RATCHASIMA: In Thailand stürzt ein massiver Baukran um, ein Zug entgleist bei voller Fahrt: Viele Studenten und Pendler kommen bei dem schweren Unglück ums Leben. Was über den Unfallhergang bekannt ist.

In Thailand ist ein Passagierzug gerade mit voller Geschwindigkeit unterwegs, als die Katastrophe passiert: Ein massiver Baukran aus Stahl stürzt plötzlich herab. Der Zug mit fast 200 Menschen an Bord entgleist, ein Abteil fängt Feuer. Rettungskräfte und Behörden sprechen von mindestens 30 Todesopfern. Jedoch ist der genaue Unfallhergang auch Stunden später noch unklar. 

Arbeiter begutachten die Trümmer eines Passagierzugs, nachdem im Bezirk Sikhio ein Baukran auf den Zug gestürzt war. Foto: epa/Narong Sangnak
Arbeiter begutachten die Trümmer eines Passagierzugs, nachdem im Bezirk Sikhio ein Baukran auf den Zug gestürzt war. Foto: epa/Narong Sangnak

Mehrere örtliche Medien schrieben zunächst, der Kran sei wenige Sekunden vor dem Eintreffen des Zuges auf die Gleise gestürzt. Dieser sei daraufhin mit voller Wucht mit dem Stahlgerüst kollidiert. Bis zum Nachmittag häuften sich aber Berichte, wonach der Kran direkt auf den Zug gestürzt sein soll. Dutzende Passagiere wurden teilweise schwer verletzt - verschiedenen Angaben zufolge sind es zwischen 55 und 80. 

Viele Studenten und Pendler

Es ist ein sonniger Morgen in weiten Teilen Thailands, kurz nach 9.00 Uhr. Der Zug ist gerade im Bezirk Sikhio in der Provinz Nakhon Ratchasima unterwegs, etwa 230 Kilometer nordöstlich von Bangkok. Sein Ziel ist Ubon Ratchathani nahe der Grenze zu Laos und Kambodscha. An Bord befinden sich nach Angaben des staatlichen Betreibers (SRT) mindestens 195 Menschen, darunter Passagiere und Personal. Nach Angaben des Portals «Thaiger» handelte es sich vor allem Studenten und Pendler.

Rettungskräfte bergen ein Todesopfer an der Unglücksstelle Foto: epa/Narong Sangnak
Rettungskräfte bergen ein Todesopfer an der Unglücksstelle Foto: epa/Narong Sangnak

Gleichzeitig laufen die Bauarbeiten an einer Eisenbahnbrücke für die thailändisch-chinesische Hochgeschwindigkeitsstrecke (HGV), die Thailand in Zukunft über Laos mit China verbinden soll. Das Projekt ist Teil der riesigen chinesischen Infrastrukturinitiative «Neue Seidenstraße». 

Als der Zug gerade mit etwa 120 Kilometern pro Stunde unter der Brücke entlangfährt, stürzt plötzlich der Kran herab. Im Zuge des Unglücks sollen nach Medienberichten weitere schwere Baumaterialien auf die Waggons gefallen sein. Was genau die Katastrophe auslöste, wird derzeit noch ermittelt.

Schlimme Szenen am Unglücksort

Die Szenen, die sich den herbeigeeilten Rettern bieten, sind schockierend: Ein Großteil des Zuges ist völlig zerstört, die eingedrückten Waggons liegen auf der Seite, Teile stehen in Flammen. Viele Passagiere sind in den Trümmern eingeschlossen, vor allem im zweiten der drei Waggons. 

Rettungskräfte mit Spürhunden durchsuchen die Trümmer des verunglückten Passagierzugs. Foto: epa/Narong Sangnak
Rettungskräfte mit Spürhunden durchsuchen die Trümmer des verunglückten Passagierzugs. Foto: epa/Narong Sangnak

«Die Flucht gestaltete sich schwierig, weil der klimatisierte Zug über elektrische Türen und Fenster verfügte, die sich nicht manuell öffnen ließen», schrieb die Zeitung «Bangkok Post». Die Teams sind unter anderem mit hydraulischen Schneidgeräten und Löschfahrzeugen im Einsatz, um Verletzte zu befreien. Viele sollen in kritischem Zustand sein.

Premier fordert vollständige Aufklärung

Da die Bergung des Wracks sehr kompliziert ist, bleibt die wichtige Bahnstrecke in Richtung Nordosten von Thailand auf unbestimmte Zeit blockiert, wie Anan Pothinimdaeng mitteilte, der stellvertretende Gouverneur der Thailändischen Staatsbahn. Zahlreiche Züge müssen umgeleitet werden.

Thailands Premierminister Anutin Charnvirakul (M.) besucht die Unglücksstelle des verunglückten Passagierzugs. Foto: epa/Narong Sangnak
Thailands Premierminister Anutin Charnvirakul (M.) besucht die Unglücksstelle des verunglückten Passagierzugs. Foto: epa/Narong Sangnak

Thailands Ministerpräsident Anutin Charnvirakul forderte eine lückenlose Aufklärung des Unglücks. «Dieses Projekt ist auf mehrere Probleme gestoßen. Letztes Jahr stürzte während der Bauarbeiten ein Tunnel ein, und diesmal ist ein Kran umgestürzt», sagte er. «Wir müssen untersuchen, ob die Bauarbeiten fehlerhaft ausgeführt wurden.» Solche Unfälle könnten nur passieren, wenn Fahrlässigkeit vorliege oder die Baupläne nicht eingehalten würden, betonte er.

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