Regierung stoppt 40-Baht-Mahlzeiten-Plan

Kritik zwingt Handelsministerium zur Überarbeitung

Grafik: DER FARANG
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BANGKOK: Der Vorschlag des thailändischen Handelsministeriums, landesweit Mahlzeiten für 40 Baht im Rahmen eines staatlich unterstützten Programms anzubieten, sollte die Lebenshaltungskosten senken. Stattdessen hat die Initiative eine Debatte ausgelöst, da zahlreiche Garküchen und kleine Restaurants in Thailand bereits seit Jahren Gerichte zu diesem Preis anbieten – ganz ohne staatliche Zuschüsse.

Ein Beispiel ist der Markt Lat Pla Khao im Bangkoker Bezirk Bang Khen. Dort verkauft die Betreiberin eines südthailändischen Imbissstands seit mehr als zehn Jahren ein Reisgericht mit einer Beilage für 40 Baht. Trotz gestiegener Preise für Lebensmittel, Energie und Arbeitskräfte hält sie an diesem Preis fest. Nach eigenen Angaben wurden lediglich die Gemüseportionen reduziert, während Qualität, Fleischmenge, Reis und Gewürze unverändert geblieben seien.

Schuldenfrei durch enge Kalkulation

Täglich bereitet der Familienbetrieb rund 30 verschiedene Beilagen zu. Bereits ab 05.00 Uhr morgens wird gekocht, häufig ist das gesamte Angebot schon gegen 09.00 Uhr ausverkauft. Möglich sei dies vor allem durch den Einkauf großer Mengen gemeinsam mit Verwandten, die ebenfalls Verkaufsstände auf demselben Markt betreiben. Dadurch ließen sich Einkaufs- und Transportkosten senken. Dennoch beliefen sich die täglichen Betriebskosten einschließlich Zutaten, Miete und Löhnen auf mehr als 25.000 Baht. Der Tagesumsatz schwanke je nach Kundenaufkommen zwischen 10.000 und 35.000 Baht. Da der Betrieb schuldenfrei sei, könne das Geschäft trotz der geringen Gewinnspanne fortgeführt werden.

Diese Erfahrungen spiegeln einen der zentralen Kritikpunkte an dem Regierungsprojekt wider. Nach Ansicht vieler Händler hängt ein niedriger Verkaufspreis weniger von staatlichen Zuschüssen als vielmehr von günstigen Einkaufsbedingungen, einer ausreichenden Kundenzahl und einer soliden finanziellen Ausgangslage ab.

40-Baht-Programm vorgestellt

Das Handelsministerium hatte den Plan am 11. Juli 2026 als Erweiterung des Co-Payment-Programms „Thais Help Thais Plus“ vorgestellt. Handelsministerin und Vizepremierministerin Suphajee Suthumpun kündigte an, landesweit 100.000 Restaurants und Garküchen für das Programm gewinnen zu wollen. Teilnehmende Betriebe sollten je nach Größe Zuschüsse zwischen 3.000 und 10.000 Baht erhalten, um gestiegene Zutatenkosten teilweise auszugleichen. Vorgesehen war eine Laufzeit von mindestens drei Monaten. Nach den Plänen sollten Restaurants freiwillig ausgewählte Gerichte, etwa Reis mit zwei Beilagen, für 40 Baht anbieten.

Unmittelbar nach der Vorstellung des Projekts regte sich jedoch Widerstand von Oppositionspolitikern, ehemaligen Abgeordneten und zahlreichen Essensverkäufern.

Staatshilfe allein reicht nicht

Ebenfalls auf dem Markt Lat Pla Khao verkauft ein weiteres Restaurant Mahlzeiten ab 40 Baht. Dessen Betreiberin erklärte jedoch, dass niedrige Preise allein mit staatlicher Unterstützung nicht dauerhaft möglich seien. Nach dem Umzug von einem Marktstand in ein Ladenlokal seien hohe Mietkosten von monatlich 30.000 Baht hinzugekommen. Erst nach etwa sechs Monaten habe sich wieder ein fester Kundenstamm aufgebaut.

Heute bietet das Restaurant täglich rund zehn verschiedene Gerichte an und erzielt seine Einnahmen in zwei Verkaufsphasen am Morgen und am Nachmittag. Zusätzlich nutzt die Betreiberin eine Line-Gruppe, um Tagesangebote zu veröffentlichen und Vorbestellungen entgegenzunehmen.

Zuschüsse kommen oft zu spät

Auch staatliche Förderprogramme betrachtet sie mit Skepsis. Zuschüsse würden teilweise verspätet ausgezahlt. Gerade bei knappen Gewinnspannen könne dies dazu führen, dass frische Zutaten zunächst nicht eingekauft werden könnten und der Geschäftsbetrieb ins Stocken gerate.

Angesichts der wachsenden Kritik setzte Handelsministerin Suphajee den Vorschlag inzwischen vorerst aus. Sie betonte, dass das Projekt nicht aufgehoben sei, sondern umfassend überarbeitet werde. Das Ministerium wolle zunächst die Auswirkungen auf Preise und Umsetzung genauer prüfen.

Sorge vor Wettbewerbsverzerrung

Nach Angaben der Ministerin bestehe zudem die Gefahr, dass eine Förderung nur einzelner Restaurants den Wettbewerb verzerren und Millionen kleiner Essensverkäufer benachteiligen könnte, die keine Unterstützung erhalten. Ziel der Regierung bleibe es, insbesondere Menschen mit geringem Einkommen durch preiswerte Mahlzeiten zu entlasten, ohne dabei den Markt insgesamt zu schädigen. Gleichzeitig räumte sie ein, dass das Ministerium vor allem Einfluss auf die Preise von Zutaten habe, nicht jedoch auf Mieten, Löhne oder Energiekosten.

Kritiker fordern stattdessen Maßnahmen gegen die strukturellen Ursachen steigender Kosten. Der Abgeordnete der Thai Pakdee Party, Dr. Warong Dechgitvigrom, der selbst früher ein Projekt mit 10-Baht-Mahlzeiten initiierte, begrüßte zwar das Ziel, Verbraucher zu entlasten, warnte jedoch vor möglichem Missbrauch. Ohne wirksame Kontrollen könnten sogenannte „Geisterrestaurants“ staatliche Zuschüsse beantragen, ohne tatsächlich günstige Mahlzeiten anzubieten.

Zweifel am Nutzen des Programms

Auch der stellvertretende Vorsitzende der Demokratischen Partei, Chaichana Dechdecho, äußerte Zweifel an der Notwendigkeit des Programms. Preiswerte Mahlzeiten gebe es bereits an Schulen, in ländlichen Gemeinden und in staatlichen Einrichtungen.

Für viele kleine Essensverkäufer wirkt die politische Debatte daher wenig praxisnah. Lange bevor die Regierung ein 40-Baht-Programm vorgeschlagen habe, hätten zahlreiche Betriebe bereits Wege gefunden, günstige Mahlzeiten anzubieten. Die eigentliche Herausforderung bestehe nicht darin, den Preis festzulegen, sondern das Geschäft trotz steigender Kosten dauerhaft wirtschaftlich zu betreiben.

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