Neue Details zum Ladprao-Brandfall

Cyanid und Kohlenmonoxid führten binnen Minuten zum Tod

Polizisten sichern den Eingangsbereich des Musikrestaurants während der laufenden Ermittlungen. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Polizisten sichern den Eingangsbereich des Musikrestaurants während der laufenden Ermittlungen. Foto: epa/Rungroj Yongrit

BANGKOK: Neue Erkenntnisse der Ermittler deuten darauf hin, dass eine überlastete Elektroinstallation den verheerenden Brand im Musikrestaurant Rong Beer Na Ladprao in Bangkok ausgelöst haben könnte. Zudem soll ein Notausgang in der Nähe der Toiletten zum Zeitpunkt des Feuers mit einem Riegel verschlossen gewesen sein und dadurch die Flucht erschwert haben.

Pol Lt Gen Siam Boonsom, Kommandeur des Metropolitan Police Bureau, überprüfte am Donnerstag (16. Juli 2026) gemeinsam mit den Ermittlern den aktuellen Stand der Untersuchungen auf der Polizeiwache Phahon Yothin. Bislang wurden mehr als 106 Personen vernommen, darunter Mitglieder der Geschäftsleitung, Beschäftigte, Angehörige von Todesopfern und Verletzten sowie Sachverständige der Kriminaltechnik, Ingenieure und Vertreter der Elektrizitätsbehörde. Außerdem suchen die Ermittler nach Elektrikern, die in der Vergangenheit Umbauten an der Elektroanlage vorgenommen haben.

Kurzschluss durch Überlastung vermutet

Nach Angaben der Polizei rückt die Stromversorgung des Gebäudes zunehmend in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Das Lokal war ursprünglich für einen Stromanschluss mit einer Leistung von 30/100 ausgelegt. Später stieg der Stromverbrauch erheblich an, weshalb eine Leistungserhöhung beantragt wurde. Mehrfach hätten Mitarbeiter der Metropolitan Electricity Authority jedoch keinen Zugang zur Anlage erhalten, weil das Unternehmen erklärte, noch nicht für eine Inspektion bereit zu sein. Die Ermittler vermuten deshalb, dass Veränderungen an der Elektroinstallation ohne behördliche Abnahme vorgenommen wurden und dadurch eine Überlastung mit anschließendem Kurzschluss entstanden sein könnte.

Rettungskräfte und Einsatzleiter koordinieren die Bergung der Todesopfer nach dem Großbrand. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Rettungskräfte und Einsatzleiter koordinieren die Bergung der Todesopfer nach dem Großbrand. Foto: epa/Rungroj Yongrit

Eine abschließende Bewertung der Brandursache steht jedoch noch aus. Die Polizei wartet weiterhin auf die Gutachten des Kriminaltechnischen Instituts der Polizei, des Instituts für Rechtsmedizin sowie des Engineering Institute of Thailand. Auch Unterlagen des zuständigen Bezirksamts sollen in die abschließende Beurteilung einfließen.

Ermittler prüfen Notausgang

Im Fokus steht außerdem ein Notausgang neben den Toiletten. Nach Aussagen von Mitarbeitern und mehreren Gästen, die sich rechtzeitig ins Freie retten konnten, war die Tür vor Ausbruch des Feuers mit einem Riegel verschlossen. Personen, die den Ausgang nutzen wollten, mussten diesen zunächst entfernen, obwohl Notausgänge jederzeit ohne Hindernisse zugänglich sein müssen. Die Ermittler prüfen nun, welchen Einfluss dies auf die Evakuierung hatte und ob sämtliche Ein- und Ausgänge den geltenden Sicherheitsvorschriften entsprachen. Ebenso wird untersucht, ob das Lokal regelmäßig Evakuierungsübungen durchgeführt hatte.

Die sterblichen Überreste eines Brandopfers werden zur Übergabe an die Angehörigen vorbereitet. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Die sterblichen Überreste eines Brandopfers werden zur Übergabe an die Angehörigen vorbereitet. Foto: epa/Rungroj Yongrit

Die kriminaltechnischen Untersuchungen am Gebäude sind inzwischen abgeschlossen. Der offizielle Abschlussbericht zu den Notausgängen, den verwendeten Baumaterialien sowie möglichen baulichen Mängeln liegt jedoch noch nicht vor.

Brandrauch enthielt tödliches Cyanid

Die rechtsmedizinischen Untersuchungen ergaben, dass die Todesopfer Kohlenmonoxid und Cyanid eingeatmet hatten, die beim Brand freigesetzt wurden. Nach Angaben von Pol Lt Gen Siam verhinderten die giftigen Gase die Sauerstoffversorgung des Körpergewebes und konnten bereits innerhalb weniger Minuten tödlich wirken. Mehrere Polizeibeamte, die während des Feuers Menschen aus dem Gebäude retteten, erlitten ebenfalls schwere Rauchvergiftungen und Atemwegsreizungen. Sie wurden im Police General Hospital behandelt und inzwischen wieder entlassen. Der nationale Polizeichef ordnete an, Auszeichnungen und Entschädigungsleistungen für die eingesetzten Beamten zu prüfen.

Angehörige trauern in der Gerichtsmedizin um die Opfer der Brandkatastrophe. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Angehörige trauern in der Gerichtsmedizin um die Opfer der Brandkatastrophe. Foto: epa/Rungroj Yongrit

Parallel zu den technischen Ermittlungen untersucht die Polizei die Eigentums- und Finanzverhältnisse des Betriebs. Laut den Registrierungsunterlagen gehören das Unternehmen dem verletzten Betreiber sowie dessen Mutter. Der Betreiber befindet sich weiterhin in ärztlicher Behandlung und wird noch künstlich beatmet, soll sich jedoch langsam erholen. Seine Mutter wurde bislang nicht vernommen, da sie nach bisherigen Erkenntnissen nicht am täglichen Geschäftsbetrieb beteiligt gewesen sein soll. Dagegen hat die ältere Schwester des Betreibers, die zum Management gehören soll, bereits eine Aussage gemacht.

Suche nach weiteren Teilhabern

Darüber hinaus prüfen die Ermittler Hinweise auf weitere bislang nicht offiziell registrierte Geschäftspartner. Dazu werden die Finanzunterlagen ausgewertet, um nachzuvollziehen, an wen Gewinne nach Abzug der laufenden Kosten ausgezahlt wurden. Personen, die am Gewinn beteiligt waren oder Einfluss auf den Betrieb des Lokals genommen haben, könnten ebenfalls strafrechtlich belangt werden.

Verkohlte Tische und Hocker zeugen von der Wucht des Feuers im Musikrestaurant Rong Beer Na Lat Phrao. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Verkohlte Tische und Hocker zeugen von der Wucht des Feuers im Musikrestaurant Rong Beer Na Lat Phrao. Foto: epa/Rungroj Yongrit

Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz war noch keine Anklage erhoben worden. Nach Angaben der Polizei soll der Betreiber jedoch nach seiner Genesung unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung, fahrlässiger Brandverursachung, unerlaubter baulicher Veränderungen sowie des Betriebs außerhalb des genehmigten Lizenzumfangs angeklagt werden. Außerdem wird untersucht, ob zuständige Bezirksbeamte ihre Kontrollpflichten verletzt oder Inspektionen unzureichend durchgeführt haben. Sollten sich entsprechende Hinweise bestätigen, drohen auch ihnen strafrechtliche Konsequenzen.

Premierminister fordert rasche Aufklärung

Die Ermittlungen sollen nach Abschluss aller rechtsmedizinischen, kriminaltechnischen und ingenieurtechnischen Gutachten sowie der Auswertung der Unterlagen des Bezirksamts abgeschlossen und anschließend an die Staatsanwaltschaft sowie das Gericht übergeben werden. Nach Angaben der Polizei erfolgt die Untersuchung auf Anweisung von Premierminister Anutin Charnvirakul mit hoher Priorität.

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