BANGKOK: Die thailändische Regierung treibt die Pläne für den Aufbau eines eigenen Weltraumbahnhofs voran. Das Projekt soll im Rahmen einer Public-Private-Partnership (PPP) umgesetzt werden, um private Investitionen aus dem In- und Ausland zu gewinnen und den Staatshaushalt zu entlasten. Langfristiges Ziel ist der Aufbau einer eigenen „New Space Economy“, mit der Thailand vom Käufer ausländischer Technologien zum Entwickler eigener Raumfahrttechnologien werden soll.
Die staatliche Geo-Informatics and Space Technology Development Agency (GISTDA) stellte den nationalen Aktionsplan für einen Weltraumbahnhof kürzlich im Senat vor. Nach Angaben von Prof. Dr. Yodchanan Wongsawat, stellvertretender Premierminister sowie Minister für Hochschulbildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation, soll Thailand seine natürlichen Standortvorteile gezielt nutzen, um sich in der internationalen Raumfahrtindustrie zu etablieren.
Standortvorteil nahe am Äquator
Ein wesentlicher Vorteil liegt in der geografischen Lage des Landes nahe am Äquator. Durch die höhere Rotationsgeschwindigkeit der Erde können Raketenstarts dort mit einem geringeren Treibstoffverbrauch erfolgen. Nach Angaben der Regierung lassen sich die Treibstoffkosten im Vergleich zu weiter vom Äquator entfernten Startplätzen um bis zu 20 Prozent senken. Gleichzeitig können Raketen größere Nutzlasten transportieren. Zudem wächst weltweit die Nachfrage nach Starts in äquatornahe Umlaufbahnen für kommerzielle Satellitenkonstellationen im niedrigen Erdorbit (LEO).
Die Regierung verweist außerdem auf Thailands außenpolitische Neutralität als möglichen Wettbewerbsvorteil. Internationale Betreiber könnten das Land als politisch verlässlichen Standort für zivile Raumfahrtmissionen nutzen. Finanziert werden soll der Weltraumbahnhof über ein PPP-Modell. Der Staat will dabei vor allem gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen und Flächen bereitstellen, während private Unternehmen den Großteil der Investitionen in Bau, Technik und Betrieb übernehmen. Nach Einschätzung der Regierung soll dieses Modell die Belastung des Staatshaushalts begrenzen, moderne Raumfahrttechnologien ins Land bringen, den Technologietransfer fördern und neue Arbeitsplätze schaffen.
Neue Jobs durch Raumfahrtindustrie
Mit dem Weltraumbahnhof sollen sich zudem weitere Hochtechnologiebranchen in Thailand ansiedeln. Geplant sind unter anderem Einrichtungen für die Montage und Erprobung kleiner Satelliten und Trägerraketen, Unternehmen aus der Materialforschung sowie Software- und KI-Entwicklung für das Management des Weltraumverkehrs. Dadurch sollen mehr hochqualifizierte Arbeitsplätze entstehen und der Abwanderung gut ausgebildeter Fachkräfte entgegengewirkt werden.
GISTDA soll bei der Umsetzung eine zentrale Rolle übernehmen. Die Behörde will ihre bestehende Infrastruktur wie Bodenstationen und Testeinrichtungen einbringen, den geplanten National Space Act vorantreiben und Thailand in internationalen Raumfahrtorganisationen und Programmen vertreten. Als Grundlage verweist GISTDA auf bisherige Projekte wie den Satelliten THEOS-2A sowie auf THEOS-3, den ersten vollständig von thailändischen Ingenieuren entwickelten Erdbeobachtungssatelliten, dessen Komponenten in Thailand gefertigt und in Si Racha in der Provinz Chonburi montiert und getestet werden.
Nur zivile Nutzung vorgesehen
Nach Angaben der Regierung soll der geplante Weltraumbahnhof ausschließlich friedlichen und kommerziellen Zwecken dienen. Militärische Nutzlasten, Waffen oder andere sicherheitsrelevante Systeme sollen ausdrücklich ausgeschlossen werden. Mit dieser Ausrichtung will sich Thailand als neutraler und vertrauenswürdiger Standort für die internationale kommerzielle Raumfahrt positionieren.