«NZZ am Sonntag»: AfD sieht sich auf dem Sprung zur Macht
ZÜRICH: Die «Neue Zürcher Zeitung am Sonntag» kommentiert den Parteitag der AfD in Erfurt:
«Auf dem Sprung zur Macht sieht sich die Alternative für Deutschland, in zwei Monaten schon könnte sie mit Sachsen-Anhalt ihr erstes Bundesland gewinnen. Und wer ins Regierungsamt springen will, schlägt besser keine Kapriolen mehr - so viel hat die AfD schon von den «Kartellparteien» gelernt, wie sie Union, SPD, Grüne und FDP nennt. An ihrem Parteitag in Erfurt am Samstag gab die AfD ein möglichst diszipliniertes Bild ab.
Über Lager und widerstreitende Gruppen in der Partei zu diskutieren, ist müßig geworden. Die AfD ist eine mindestens in Teilen rechtsextreme Partei, und den Haufen an Rechtsnationalisten, Libertär-Autoritären und völkisch Gesinnten hält jetzt taktisches Kalkül zusammen. Den in ihren Ämtern bestätigten Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla nutzt der charismatische Rechtsextreme Björn Höcke, und umgekehrt ist es ebenso.
Höcke hat in Erfurt seine Leute in der Parteiführung platzieren können. Weidel tat es ihm gleich und konsolidierte mit einer der Personalentscheidungen auch den Machtkampf im AfD-Landesverband Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland. Teile, herrsche, provoziere. Mit dem Datum ihres Parteitags, dem 100. Jahrestag eines wichtigen Reichsparteitags der NSDAP, hatte die AfD deshalb überhaupt kein Problem.»