Lung Sen macht sich Gedanken . . .

Lung Sen macht sich Gedanken . . .

Die Sprache der Thais ist eine Tonalsprache. Ein Wort kann bis zu zehn verschiedene Bedeutungen haben, je nachdem wie es betont wird und in welchem Satzzusammenhang es steht. Ferner wird ganz anders, für den Westler verwirrend geschrieben. Bei ihm ist ein Buchstabe ein Buchstabe. In der thailändischen Schrift gibt es aber verschiedene „a” oder „k” und viele mehr, da ja die Betonung mit ausgedrückt werden muss. Auch gibt es in dieser Schrift Buchstaben, die gar nicht mitgesprochen werden. Das gängigste Beispiel ist Singha Bier. So wird es denn auch vom Farang bestellt. Der Thai aber sagt Bier Sing - denn von der Schreibweise weiss er, dass das „ha” nicht ausgesprochen wird. Das merkt der Ausländer spätestens, wenn er sagt, er fliege nach Fuket. Lächelnd sagt ihm dann der Thai, dass es Puket (Phuket = das „h” wird nicht gesprochen) heisst. „Ph” steht in vielen Sprachen eben als „F”, wie z.B. in Philosophie.

Als der König dem neuen Flughafen in Bangkok den Namen Suvannaphumi gab, übernahm er eine Bezeichnung aus dem Altertum. Geschrieben kann dieses Wort auch als Suvarnabhumi.  Es kommt aus der Pali-Sprache, in der noch heute die Mönche ihre Andachten sprechen. Suvarna oder Suvanna heisst Gold und Bhumi oder Phumi heisst Land = Goldenes Land. Schon zu Zeiten der Römer wurde so das genannt, was wir heute als Südostasien bezeichnen. Im dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung sandte der indische Kaiser Asoke Mönche in alle Welt, um den Buddhismus zu verbreiten. Die beiden Theras (= Ältester) Sona und Uttara erreichten damals Suvarnabhumi. Bald begann der Handel mit diesem gelobten Land, das zwar kaum Goldvorkommen hatte, aber in dem alles golden glänzte und in dem Gold einen hohen Stellenwert bei der Bevölkerung hatte - wie auch noch heute. Es waren Inder, die das Land ab dem ersten Jahrhundert nach Christus kolonisierten. Noch heute finden sich Ruinen aus jener Zeit im ganzen Land. Die berühmtesten Ruinen liegen nahe dem heutigen Nakhon Pathom, westlich von Bangkok. Interessant auch zu erwähnen, dass mit Laem Thong ein alter Name für Thailand nachgewiesen wurde. Das heisst übersetzt: Goldene Halbinsel. 

Aber genug der Geschichte und zurück zu der so schwierigen Sprache und Schrift der Thais. Wie am Beispiel des Namens Suvannaphumi gesehen, kann dieses Wort, und eben alle thailändischen Wörter, in unserer Schrift verschieden wieder gegeben werden. Suvarnabhumi, Suvannaphumi oder auch Suvannapumi - alles bedeutet das Gleiche. Und wieder die Feinheit: Das „i” am Ende des Wortes wird nicht mitgesprochen! Ja, fragten sich damals viele Ausländer, warum wird es dann geschrieben? Weil es nun einmal so im thailändischen Schriftsatz steht. Die Franzosen schreiben ja auch Bordeaux und sprechen „Bordo”, und die Italiener reden vom Badeort Riccione (Ritchione), und der Deutsche sagt gerne Rikkione zum gleichen Ort, was aber etwas ganz anderes im Italienischen bedeutet. Als da noch wäre die Lieblingsinsel der Deutschen: Mallorca - und so sprechen sie den Namen auch aus, obwohl es Majorka heissen müsste.

Würde man die thailänd­ischen Buchstaben für Coca Cola Buchstabe für Buchstabe übersetzen, so käme Occa Ocla heraus. Freilich weiss der Thai durch den Wortaufbau, dass er Coca Cola liest. Die meisten Wörter fangen mit einem Selbstlaut an, und erst die Vokale, Diphthonge und Konsonanten verraten, wie sie gelesen und gesprochen werden müssen. Es gibt 45 Konsonanten und 23 Vokale, wobei bei den letzteren noch zwischen kurz oder lang unterschieden wird. Sich mit der Schrift und dem Lesen dieser Sprache vertraut zu machen, erfordert viel Geduld. Wirt Dick vom „Alt Heidelberg” hat es einmal versucht, kam ganz gut voran, gab dann aber doch auf. Das Sprechen erlernen hingegen ist gar nicht so schwierig, wenn man auf die richtige Betonung achtet. Aber auch die Zusammenfügung von Worten kann verwirren. Gin Kao Leo und Gin Kao Yang heisst wörtlich übersetzt: Essen Reis schon. Hier macht einmal das Wort den Unterschied. Gin Kao Leo heisst: Ich habe schon gegessen, während Gin Kao Yang als Frage zu verstehen ist: Hast Du schon gegessen?  Das „ich” oder „du” wird nicht gesprochen. Kommt ja auch bei uns vor: Schon gegessen? Der Thai wird immer von Gin Kao = Reis essen sprechen, egal ob nun Reis auf den Tisch kommt oder etwas anderes. Gin, also essen, wird aber auch im Volksmund als trinken verwendet. Gin Bier yang?  Hast (Du) schon Bier getrunken? Freilich gibt es mit Duem ein Wort für das Trinken, es wird aber selten verwendet. Hat man Hunger, wird Hiu gesagt. Ist jemand satt, sagt er: Imm. Durst wird als Hiu naam bezeichnet, wörtlich: Hunger (nach) Wasser. Au heisst möchte. Au Bier = möchte Bier. Mai hat je nach Betonung viele Bedeutungen. Es kann Knie, weiss, Fusspilz, Seide, neu oder brennt heissen. Aber es ist auch die Frage- und Verneinungsform. Mai au Bier = (Ich) möchte kein Bier. Au Bier mai? = Möchtest (Du) Bier? Bei der Frage wird das „ai” beim Aussprechen nach oben gezogen. Aber in der Thai-Sprache gibt es viele Wörter, die wir einfach nicht richtig aussprechen können. So die Stadt Loei. Schwierig, das Wort in unsere Buchstaben zu bringen. Vielleicht kommt „Löi” noch am nächsten. Oder das Wort für Geld: Nguen. Ja, es wird tatsächlich so ausgesprochen wie hier geschrieben: Ngün.

Lung Sen denkt: Wirklich nicht einfach, das Thailändisch. Um sich ein Thai-Wort zu merken, können Eselsbrücken gebaut werden. Es tut weh = au. Wonnemonat = Mai. Zappalot = Ananas. Wie oben erwähnt, kann ein Wort viele Bedeutungen haben. Nur auf die richtige Betonung kommt es an. Und so fragt Lung Sen die geschätzten Leser: Was heisst zu Deutsch wohl „Kai Kai Kai Gai?”

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