Lung Sen macht sich Gedanken . . .

Lung Sen macht sich Gedanken . . .

Dass der Verkehr in Pattaya eine Katastrophe ist, darüber sind wir uns alle einig. Aber so schlimm war es auch schon vor 20 Jahren! Damals gab es zwar nicht so viele Autos, aber auch wenige Strassen. Und die führten, wie heute, zum Stau. Da es heute mehr Autos gibt, reichen die neu hinzu gebauten Strassen nicht mehr aus. Dazu kommen die unzähligen Busse mit asiatischen Urlaubern. Weiter Mopeds, Motorräder sowie geschobene oder mit Motorrad versehene Garküchen, die dem Autofahrer das Leben schwer machen (siehe Foto). Nicht zuletzt sind da noch die Fussgänger...

Die haben es wirklich schwer, eine Strasse zu überqueren. Kein Motorisierter hält an, erst recht nicht am Zebrastreifen. Und vielleicht ist das auch gut so, denn: Da hält eine freundliche Person an, winkt dem Fussgänger gar zum Gehen zu. Der läuft los - und hinein in das überholende Motorrad. Weil dessen Fahrer das stehende Auto schnellstens hinter sich lassen will und nicht denkt, dass dort jemand die Strasse überquert. Also: Auch vorsichtig sein, wenn jemand höflich ist. Nicht nur bis zur Strassenmitte laufen, sondern warten, bis die ganze Strasse zügig überquert werden kann.  Sollten Ampeln angebracht werden? Gab und gibt es in Pattaya auch für Fussgänger. Doch jeder weiss, wie auf Ampeln reagiert wird... Und so bleibt eben nur die Vorsicht beim Überqueren einer Strasse.

Es stellt sich wirklich die Frage, wofür die Ampeln überhaupt da sind. Selbst am hellen Tag wird Rot nicht befolgt, geschweige denn in der Nacht. Viele Fahrer schauen, wie bei Kreuzungen ohne Ampeln, nach rechts und links, und wenn keiner kommt wird Gas gegeben. Nicht etwa nur die lieben Thais. Lung Sen hat so manchen Farang das Nämliche tun sehen... Eleganter: Kurz nach links abbiegen, wenden, und zurück zur Kreuzung. Dann links abbiegen, was meistens auch bei roter Ampel erlaubt ist.

Die meisten Unfälle in Thailand geschehen mit Zweirädern. Und/oder auch unter der Einwirkung von Alkohol. Dann kommt die Übermüdung am Steuer. Das abzuschaffen würde ungemeine Polizeiarbeit bedeuten. Und die Hüter des Gesetzes haben so viel anderes um die Ohren... Da hier kaum einer eine richtige Fahrschule besucht hat, sein Wissen vom Kumpel, Vater oder Bekannten in deren Fahrzeugen erwarb, kam nur ein Bruchteil des ebenfalls mangelhaften Wissens der „Lehrer” herüber. Folglich weiss keiner so richtig, wie die Regeln wirklich sind. Am besten zu beobachten beim Kreisverkehr in Nordpattaya. Hier mal eine halbe Stunde zuzusehen ist Unterhaltung für sich. Und was den Alkohol betrifft: „Ach, mir wird nichts passieren” ist die gängige Denkweise. Der Thai denkt nun mal nicht im Voraus und schon gar nicht an etwas Unangenehmes wie einen Unfall. Leider muss Lung Sen auch hier einige Ausländer mit einbeziehen...

Die Übermüdung am Steuer lässt sich durch den Stress erklären, unter dem Lkw- aber auch Busfahrer stehen. Unter Druck gesetzt durch ihre Arbeitgeber, können sie gar nicht anders als das Fahrtzeitlimit zu überschreiten. Das kennen wir leider auch aus europäischen Landen. Auch die Einnahme von aufputschenden Mitteln ist nicht auf Thailand begrenzt. Bevor hier kritisiert wird, sollte erst vor der eigenen Haustür gekehrt werden.

Lung Sen will gar nicht an den Zustand vieler Fahrzeuge im „Land des Lächelns” denken. Da leuchten keine Lichter, sei es vorne, hinten oder beim Bremsen. Selbst die Blinker haben den Geist aufgegeben. Dabei kostet eine Birne nur um die 20 Baht. Nachts zu fahren, besonders über Land, ist deshalb ein Risiko, das oft unterschätzt wird. Zu spät wird das nicht beleuchtete Fahrzeug erkannt, und schon ist man aufgefahren. Und das nicht nur bei kleinen Motorrädern etc., sondern auch beim Benz oder BMW. Geld für das Auto, aber nicht für die Sicherheit? Autos, die über sieben Jahre alt sind, müssen jährlich einmal zum TÜV, und erst dann werden die Birnen (vielleicht) gewechselt. Denn eine Nachuntersuchung gibt es nicht. Vom sonstigen Zustand der hier zugelassenen Fahrzeuge will Lung Sen gar nicht erst reden. Ob abgenutzte Reifen, Rost, Strassenlage, verzogene Chassis - you name it! Aber auch der deutsche TÜV fing einmal klein an...

Lung Sen muss an einen Satz aus seiner Schulzeit denken: Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir. Den Satz kennen  sicher viele Deutschsprachige. Er ist goldrichtig, wenn auch manche es zu spät begreifen. Auf Thailand abgewandelt: Nicht für die Polizei, für unser Überleben tragen wir Helme. Toll! Warum geht das keinem in den Kopf, den Thais wie auch Ausländern? Gerade Ausländer sollten es doch besser wissen. Aber auch die Farang fahren ohne Helm oder haben ihn unter dem Kinn nicht zugebunden, was einem Nichttragen gleichkommt. Die Polizei sollte mit gutem Beispiel vorangehen - tut sie nicht. Auch ohne Helm und schön umgekehrt hinein in die Einbahnstrassen. Das ist auch so ein Thema... Aber bleiben wir beim Helm. Warum diese Aversion? Bei allen Gesprächen, die Lung Sen mit gebildeten Thais führte, kam keine Erklärung zustande. Ausser der, die schon oben erwähnt wurde: Mir passiert nichts. Es fehlt das Vorausdenken. Das Schlechte und Unangenehme, das auf jeden zukommen kann, wird verdrängt. Der Thai ist Fatalist. Müssen wir es ihm gleichtun? Immer mit gutem Beispiel vorangehen, und die anderen werden es mit der Zeit lernen.

Lung Sen nimmt sich selbst als Beispiel. Nicht, dass er immer alle Regeln genau befolgt (auch Lung Sen ist kein Heiliger), aber er fährt grundsätzlich links auf mehrspurigen Strassen. Nur zum Überholen geht es mit Blinker nach rechts und gleich wieder zurück nach links, auch mit Blinker. Und siehe da: Notorische Rechtsfahrer sieht er im Rückspiegel sich nach links einordnen, nachdem er sie, aus Frust falsch, links überholt hat. Lung Sen ist wohl auch einer der Wenigen, die bei der Ausfahrt aus dem Kreisverkehr nach links blinken. Doch in letzter Zeit hat er beobachtet, dass es vermehrt nun auch die Thais tun. Man will den Kreis ja nach links verlassen, also muss auch links geblinkt werden. Wie Zuhause. Freilich blinkt man da eben rechts, wenn der Kreisverkehr verlassen wird.

Nun könnte man noch vom Nichtgebrauch der Rückspiegel, zu schnellem Fahren, ablenkenden Gesprächen während der Fahrt, und, und, und reden. Oder dem schnellen Make-up, dem Blättern in der Zeitung oder dem Suchen im Handschuhfach vor der roten Ampel. Jeder Autofahrer weiss, dass ein Anfahren, wenn die Ampel auf Grün schaltet, unheimlich lange dauert - da sich keiner auf die Ampel konzentriert.

Lung Sen denkt: Die meisten Urlauber sind Fussgänger und sollten wirklich Obacht geben, wenn sie eine Strasse überqueren. Und immer nach rücksichtslosen Mopedfahrern Ausschau halten.

Lung Sen aber setzt sich nach dem Schreiben dieser Zeilen selbst ans Steuer und fährt auf sein Landgut, um sich vom Pattaya-Stress zu erholen. Sein Ziel liegt in Sakon Nakhon, 740 km von Pattaya entfernt. Herrliche Ruhe erwartet ihn dort, und natürlich seine Gaysorn und die beiden Kinder. Die Provinz ist auch bekannt als jene, in der Hundefleisch verzehrt wird. Darüber mehr in der nächsten Kolumne.

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