Lung Sen macht sich Gedanken

Lung Sen macht sich Gedanken

Pattaya wird allgemein als das grösste Beach Resort Asiens bezeichnet. Es rühmt sich, einen internationalen Standard zu haben. Was aber ist ein Resort überhaupt? Die World Trade Organisation (WTO) definiert ein Resort folgendermassen: "Eine Tourismusdestination, die relativ abgeschlossen ist und eine grosse Spanne von Einrichtungen und Dienstleistungen, speziell diejenigen für Erholung und Entspannung, Lernen und Gesundheit bietet.” Das alles trifft auf Pattaya heute nicht mehr zu, sondern nur auf bestimmte Hotels in der Stadt wie das Marriott oder das Dusit Thani. Aber auch zu Recht nennen sich so das Sunset Park Resort oder das Pinnacle Grand Resort. In diesen Häusern findet der Gast alles, was die WTO sich unter einem Resort vorstellt. Aber die Stadt Pattaya?

Sie war einst ein Resort. Vor rund 40 oder auch noch 30 Jahren, als sie noch keine Stadt war. Da konnte der Gast sich am Hauptstrand entspannen, vor der Sonne geschützt von riesigen "Pilzen” (siehe Foto), wie es sie noch heute im Pinnacle gibt. In gemütlicher Runde sass man damals und wurde, wie heute auch, von den Liegestuhlvermietern umsorgt. Aber es gab auch noch keine Promenade. Garküchen standen direkt am Strand, der Urlauber konnte sich dort mit leckeren Gerichten eindecken. Auch am Hauptstrand gelegen war der Yacht Club. Ein Restaurant mit Blick aufs Meer gegenüber der heutigen Mike Shopping Mall. Es gab am Abend oft Strandfeten, die manchmal bis zum Sonnenaufgang dauerten. Keiner machte Vorschriften, ob und wie lange gefeiert werden durfte. Die Strandstrasse war in beiden Richtungen befahrbar, gab es doch noch keine Second Road, und die Fahrt kostete einen Baht pro Person - daher der Name Bahtbus.

Einige wenige Bar Beers (müsste eigentlich Beer Bars heissen) lagen an der heutigen Beach Road, und am bekanntesten war die Marine Bar in der heutigen Walking Street. Die erste GoGo-Bar eröffnete im November 1978. Es gibt sie noch heute: Thaitian Queen bei der Soi 12. Für die Abendunterhaltung ging der Feriengast in die Disco "Byblos”, gelegen im Orchid Lodge, dem heutigen Amari Orchid. Oder aber ins Kino im Royal Garden Hotel, dort, wo heute die Royal Garden Plaza steht. Selbst in Naklua gab es ein Kino, das die neuesten Filme zeigte. In einem abgetrennten Raum hörte der Gast den englischen Originalton. Oder aber man besuchte ein Hotel, in dem am Abend eine Musikband spielte. Ja, es war noch ruhig im Resort Pattaya, es konnte noch viel gelernt werden, und was die Gesundheit betrifft, gab es auch damals gute Thai-Massagesalons, z.B. im Royal Cliff Beach Resort, in dem sich zur Unterhaltung auch eine Bowling-Bahn befand.

Und heute? Von dem einst so freizügigen Resort ist nichts mehr übrig geblieben. Es ist alles reglementiert worden. Über Nacht am Strand durchfeiern ist nicht mehr drin, ausser man setzt sich auf den Sand. Liegestühle müssen heute wie Soldaten ausgerichtet stehen - und wehe, jemand verschiebt die Stühle! Schon kommt der Vermieter und richtet sie wieder aus. Er kann nichts dafür, die Anweisung kommt aus dem Rathaus. Die City Hall verfügte denn auch, dass die wunderschönen Sonnenschutz abgerissen und durch hässliche, kleine Plastikschirme ersetzt wurden. Ebenso ordneten die Stadtverwalter an, dass das einzige Restaurant an der nun neu entstandenen Promenade, der oben erwähnte Yacht Club, abgerissen wurde. Das ist genau das, was die Urlauber in Pattaya vermissen: Kleine Cafés oder Restaurants auf der Promenade. Blick auf das Meer und eine kühle Brise um die Nase.

Liegt der Urlauber am Strand, freut er sich über die Händler, die von Essen und Getränken über "echte” Uhren bis hin zu T-Shirts auch noch vieles andere anbieten. Dann der Schock. Polizei taucht auf, und die Händler ergreifen die Flucht. Wie Hasen werden sie vor den Augen der Touristen gejagt, flüchten sich zum Teil ins Meer. Einige werden verhaftet und auf einen Polizeiwagen abtransportiert. Dann ist wieder Ruhe - aber nicht bei den Feriengästen, die heftig diskutieren, warum die Polizei diese netten Menschen vertrieben hat. Zwar ist die Erklärung einfach: Sie hatten keine Verkaufslizenzen, die im Rathaus beantragt werden müssen. Ist das aber ein Grund, Leute zu schikanieren, die auf redliche Art und Weise ihr Geld verdienen möchten?

Und schon fragen sich die Gäste, warum die Polizei/die Stadtverwaltung sie nicht vor den rüpelhaften Jetski-Verleihern schützt, warum nichts getan wird gegen die Plage der streunenden Hunde oder auch gegen Fahrrad- und Mopedfahrer auf der Strandpromenade? Doch bald beruhigt sich der Urlauber wieder, kann er ja doch nichts ändern. So nimmt er auch die allgegenwärtigen Schlaglöcher in Kauf, den wilden Verkehr und die Sonnenblenden der Geschäfte, die manchmal so tief hängen, dass der Spaziergänger mit dem Kopf daran stösst. Er kann ja nicht gleichzeitig nach unten Ausschau nach Löchern halten und gleichzeitig geradeaus schauen. Es gibt vieles, was Feriengäste in Kauf nehmen, nehmen müssen. Aber es gibt eine Grenze, an der sie dann sagen: Genug ist genug. Hierhin kommen wir nie wieder.

Lung Sen denkt: Werden Urlauber bei den Plänen der Stadt eigentlich berücksichtigt? Deren Wünsche und Vorstellungen mit einkalkuliert bei neuen Vorhaben? Geht man im Rathaus auf das ein, was der Feriengast hier erwartet? Wurde jemals mit ausländischen, speziell europäischen Reiseveranstaltern diskutiert, was deren Gäste sich unter Urlaub vorstellen? Natürlich nicht! Und so werden die Stadtväter auch niemals lernen, welche Erwartungen Europäer haben und wie sie sich ihren Urlaubsort vorstellen.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.