Lung Sen macht sich Gedanken

Lung Sen macht sich Gedanken

Herbei gesehnt hatten sich viele Residenten, Urlauber und Thais einen gut funktionierenden Linienbusverkehr in Pattaya. Keinen Ärger sollte es mehr geben mit den teils frechen Bahtbus-fahrern. In einem sauberen, klimatisierten Bus mit freundlichem Personal wollte jeder gerne fahren. Und nun? Pattaya hat bis dato zwei gut funktionierende Linienbusse, eine rote und eine grüne Linie (eine gelbe Linie soll noch kommen), die an vielen Attraktionen Haltestellen haben. Die Busse fahren auch in entfernte Teile der Stadt und machen es für Residenten bequem, in die Stadt zu kommen. Doch die Busse haben wenige Fahrgäste, sind manches Mal leer.

Warum? fragt sich Lung Sen betrübt. Da wird in verschiedenen Zeitungen weiter auf die ach so bösen Bahtbusse und deren Fahrer gewettert. Immer wieder geht es um dasselbe Thema: Der Farang muss 10 Baht, der Thai (angeblich) nur 5 Baht für eine kurze Strecke bezahlen. Der Bus hingegen kostete bis Ende Dezember vom Einsteigen bis zum Aussteigen 20 Baht und nun gerade mal 30 Baht pro Person. Ist das teuer? Sicher nicht, wenn eine längere Strecke gefahren wird. Oder doch, weil man ja für 30 Baht ein Chang-Bier haben kann? Oder liegt es am Warten? Denn wie zu Hause muss an einer Haltestelle gewartet werden, bis der Bus kommt. Da aber fahren so viele Bahtbusse vorbei, so dass es schwer fällt, weiter zu warten. Hier liegt wirklich ein zu behebendes Problem vor: Die Busse fahren zu unregelmässig. Mal kommen gleich zwei hintereinander, ein anderes Mal muss man 30 Minuten auf einen grünen oder roten Bus warten.

Längst hat Lung Sen die Runde mit dem roten Bus gemacht und sich gefreut, dass zahlreiche Urlauber ihn nutzen. Im Gespräch erfuhr er, dass sie von ihren Reiseleitern auf den Busverkehr aufmerksam gemacht wurden, und dass es die preiswerteste Möglichkeit für eine Stadtrundfahrt ist. In der Tat! Mit den Bussen kommt man in Gegenden, die fernab aller touristischen Ströme liegen, Neuland wird entdeckt. So kann mit dem roten Bus Naklua und Bäcker Peter erreicht werden, das Mini Siam, die grossen Einkaufszentren Big C und Lotus, das Lakeland (Wasserski), die Affenshow, den Jomtien Strand und den Pattaya Park sowie den grossen Buddha auf dem Pattaya-Hügel. Mit dem grünen Bus kommt jeder bequem nach Nord-Pattaya, ins Berliner Bistro zum Frühschoppen, vorbei am Bangkok Pattaya Hospital zum Mini Siam, beim Verbrauchermarkt Big C wird gewendet, und es geht nach Süd-Pattaya, zur Telecom, dem Wochenmarkt, dem Tucom (Computer, Handys und Digitales) sowie dem Früchtemarkt. Das haben Touristen bereits kennen und schätzen gelernt und nutzen die Busse, weil sie komfortabel, klimatisiert und sauber sind. Auch fällt das Handeln mit den Fahrern der Bahtbusse weg.

Residenten hingegen sind anscheinend nicht zu überzeugen. Lieber streiten sie sich weiter mit den Fahrern herum und nutzen Leserbriefforen, um ihren Frust los zu werden. Dabei ist es so einfach: Wer hinter der Sukhumvit Road lebt, lässt sich bis an diese Hauptstrasse bringen und steigt dann in den Bus der roten Linie. Aber das ist, wie schon erwähnt, vielen zu teuer – und vielleicht auch zu umständlich. Hinzu kommt die Wartezeit. Erstaunlich ist, dass keiner die Geduld aufbringen will, auf einen Bus zu warten. Von den hier lebenden Rentnern muss keiner pünktlich zur Arbeit, und ob man nun 5 oder 10 Minuten später in seine geliebte Kneipe kommt, spielt doch wirklich keine Rolle. Ausserdem würden Residenten endlich einmal Pattaya kennen lernen.

Lung Sen hat festgestellt, dass sehr wenige Residenten sich ausserhalb der Zonen auskennen, in denen sie sich bewegen. Er versuchte Wirt Dick vom Restaurant "Alt Heidelberg" einmal zu erklären, wo die ROWA-Kfz-Werkstatt liegt. Hinter der Caltex-Tankstelle links Richtung Sattahip nach dem Lotus. "Nein, die Tankstelle ist doch auf der rechten Seite", meinte er. Stimmt, lieber Dick, da ist auch eine Caltex-Tankstelle, und es ist ersichtlich, dass Freund Dick über den Lotus nicht hinaus gekommen ist.

Dem Peter von der ROWA-Garage spricht Lung Sen seinen herzlichen Dank aus. Er hat es doch geschafft, am 30. Dezember eine neue Benzinpumpe für Lung Sens Auto aufzutreiben, nachdem die alte Pumpe nicht mehr ansprang. Er baute sie mit Überstunden ein, und um 19 Uhr konnte Lung Sen freudestrahlend wieder fahren. Selten findet man Deutsche, die so behilflich sind und die Überstunden nicht überhöht in Rechnung stellen. Schon vorher leistete Peter sehr gute Arbeit, als er das Auto nach einem Unfall wieder in einen Top-Zustand versetzte. Selten spricht Lung Sen eine Empfehlung aus, aber hier ist es angebracht. Adresse und Telefon sind in dieser Ausgabe des FARANG zu finden.

Aber, ach, am Samstag, 31. Dezember, blieb der Wagen in der Fussgängerzone um 9 Uhr stehen. Die neue Pumpe hatte ihren den Dienst eingestellt: Fabrikationsfehler. Ein Abschleppdienst wurde bestellt bei CMS Trucks. Das ist ein 24-stündiger Service, und so lernte Lung Sen den Schweizer Martin kennen und schätzen. Denn, wie zuvor Peter, scheute er sich nicht, an Silvester die Reparatur vorzunehmen – eigenhändig, da das Thai-Personal längst nach Hause gefahren war. Er trieb eine gebrauchte Pumpe auf, baute sie ein, und um 15 Uhr konnte Lung Sen wieder fahren. Auch hier keine überhöhte Rechnung und eine Empfehlung anzurufen, wenn ein Abschleppen erforderlich ist (Tel.: 01.621.7105).

Lung Sen denkt: Siehe da, es gibt sie noch, die anständigen Deutschen und Schweizer. Leider ist das nicht immer so. Micha oder Ina können davon ein Lied singen, aber auch Dick und Heiner. Und doch sollte immer das Positive im Menschen gesucht werden. Es ist da – man muss es nur finden gemäss der Weisheit: Trau, schau, wem?

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.


Sind Sie bereits Online-Abonnent? Lesen Sie die vollfarbige PDF-Ausgabe DER FARANG.