Keine Tsunamigefahr im Golf von Thailand

Carlos hatte sich in seiner Kolumne mit Erdbeben, Tsunami und Atomdrama in Japan befasst ("Angst – Weltweit”, Ausgabe Nr. 8). Dazu erreichten die Redaktion mehrere Zuschriften:

Verschiedene Faktoren bestimmen die Gefährlichkeit eines Tsunami. U.a. die Wassermenge, welche durch das Seebeben - vertikal - verschoben wird. Der Golf von Thailand ist nirgends tiefer als etwa 40 m. Selbst wenn sich darin aufgrund eines Seebebens (welches schon von der tektonischen Beschaffenheit des Untergrunds her sehr unwahrscheinlich ist) eine Insel herausheben würde, betrüge die Wassersäule maximal 40 m, und die vertikal kurzfristig verschobene Gesamtwassermenge wäre (verglichen mit einem Seebeben in beispielsweise 2.000 m Tiefe) sehr gering. Die sich in Küstennähe wegen der abnehmenden Wassertiefe aufbauende Flutwelle wäre also wesentlich bescheidener und würde kaum Schaden anrichten. Bei einem weiter südöstlich in den Tiefen zwischen Vietnam und den Philippinen liegenden Epizentrum (die einzige Verbindung des Golfs zu einem Tiefseebecken) würde die Wasser-Druckwelle bereits weit unten im Golf, am Rand des Tiefseebeckens, in einer Meerestiefe von etwa 70 m zu Riesenwellen aufsteigen, welche das überschüssige Wasser horizontal verdrängen und in hohen, steilen Brechern ableiten. Wegen des energiefressenden Brechens dieser Wellen würden sie rasch an Höhe und damit auch an Wirkung verlieren und deren Ausläufer in Thailand wahrscheinlich nicht mehr Schaden anrichten als die Wellen eines gewöhnlichen Sturmwindes. U.a. wegen dieser Tatsachen besteht für Thailand, soweit den Golf betreffend, definitiv keine Tsunamigefahr.

Reto Derungs

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