Haustiere werden zum Wirtschaftsfaktor

Thailand baut Stellung als Tierfutter-Exporteur weiter aus

Haustiere gelten zunehmend als Familienmitglieder und entwickeln sich damit zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Haustiere gelten zunehmend als Familienmitglieder und entwickeln sich damit zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Foto: epa/Rungroj Yongrit

BANGKOK: Haustiere gelten heute immer häufiger nicht mehr nur als Begleiter, sondern als vollwertige Familienmitglieder. Dieser gesellschaftliche Wandel entwickelt sich zunehmend zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Weltweit steigen die Ausgaben für hochwertige Tiernahrung, Nahrungsergänzungsmittel, Tierkrankenversicherungen, luxuriöse Betreuungsangebote und zahlreiche weitere Produkte und Dienstleistungen.

Die sogenannte „Pet Economy“ eröffnet neue Geschäftsmöglichkeiten und verschafft Thailand gute Chancen, seine Position als einer der weltweit führenden Hersteller von Premium-Tiernahrung weiter auszubauen.

Küche der Welt für Tiernahrung

Nach einer Analyse der digitalen Wirtschaftsplattform Bnomics, die zur Bangkok Bank gehört, verfügt Thailand über günstige Voraussetzungen, um vom starken Wachstum der Branche zu profitieren und seine Rolle als „Küche der Welt für Tiernahrung“ weiter zu festigen.

Veränderte Lebensgewohnheiten haben das Verhältnis vieler Menschen zu ihren Haustieren grundlegend verändert. Hunde und Katzen werden zunehmend als Familienmitglieder betrachtet. Dieser Trend, der als „Pet Humanisation“ bezeichnet wird, beeinflusst auch das Konsumverhalten. Tierhalter investieren heute verstärkt in hochwertige Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, vorbeugende Gesundheitsvorsorge, Versicherungen sowie intelligente Geräte zur Überwachung des Gesundheitszustands ihrer Tiere.

Pet Economy wächst rasant

„Was mit Zuneigung und Gesellschaft beginnt, hat sich zu einer schnell wachsenden wirtschaftlichen Kraft entwickelt, die als Pet Economy bekannt ist“, erklärte Kusuma Thanavong, Ökonomin bei Bnomics.

Nach Angaben von Euromonitor International wird der weltweite Markt für Heimtierprodukte im Jahr 2025 auf rund 207 Milliarden US-Dollar geschätzt. Das jährliche Wachstum liegt bei etwa fünf Prozent. Neben einer steigenden Zahl von Haustieren trägt vor allem die zunehmende Ausgabenbereitschaft pro Tier zum Wachstum bei. In vielen Ländern wächst die Zahl der Haustiere inzwischen schneller als die Zahl der Neugeborenen. Als Ursachen gelten unter anderem alternde Gesellschaften, kleinere Haushalte, zunehmende Urbanisierung und die steigende Zahl alleinlebender Menschen.

Tierhaltung kostet immer mehr

Mit der stärkeren emotionalen Bindung steigen auch die Kosten für die Haltung von Haustieren. Laut dem Bericht „True Cost of Pet Parenthood 2025“ des US-Unternehmens Rover belaufen sich die jährlichen Ausgaben für einen Hund auf umgerechnet zwischen 1.390 und 5.295 US-Dollar. Über die gesamte Lebensdauer entstehen durchschnittliche Kosten von rund 34.550 US-Dollar. Bei Katzen liegen die jährlichen Ausgaben zwischen 760 und 3.495 US-Dollar, die durchschnittlichen Gesamtkosten bei etwa 32.170 US-Dollar.

Besonders Katzen entwickeln sich zu einem wichtigen Wachstumstreiber der Branche. Zwischen 2020 und 2025 soll der weltweite Markt für Katzenfutter jährlich um durchschnittlich sechs Prozent gewachsen sein und damit deutlich stärker als der Markt für Hundefutter mit erwarteten 3,8 Prozent. Hintergrund sind veränderte Wohn- und Lebensverhältnisse, da immer mehr Menschen in Städten sowie kleineren Wohnungen oder Eigentumswohnungen leben und Haustiere bevorzugen, die weniger Platz benötigen.

Neue Märkte rund ums Haustier

Nach Einschätzung von Bnomics reicht die wirtschaftliche Bedeutung der Branche inzwischen weit über die Produktion von Tiernahrung hinaus. Zum Markt gehören unter anderem Tierkliniken, Versicherungen, Tiercafés, haustierfreundliche Hotels und Wohnanlagen, tragbare Gesundheitsgeräte sowie abonnementbasierte Lieferdienste für Tierfutter. Thailand könne deshalb auch in Bereichen wie tiermedizinischer Versorgung, haustierfreundlichem Tourismus und integrierten Betreuungsangeboten zusätzliche Wachstumschancen erschließen.

Thailand zählt bereits heute zu den weltweit führenden Exporteuren von Tiernahrung. Nach Angaben von Bnomics liegt das Land hinter Deutschland auf Platz zwei und hält rund zehn Prozent des Weltmarktes. Die umfangreichen landwirtschaftlichen und maritimen Rohstoffe, international anerkannte Produktionsstandards sowie wettbewerbsfähige Herstellungskosten hätten Thailand zu einem bedeutenden Produktionsstandort für hochwertige Tiernahrung gemacht.

Tierbranche gilt als krisenfest

Ein weiterer Vorteil sei die vergleichsweise hohe Krisenfestigkeit der Branche. Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten seien viele Tierhalter bereit, weiterhin erhebliche Ausgaben für ihre Haustiere zu tätigen. Nach Einschätzung von Bnomics gilt die Heimtierbranche daher als vergleichsweise rezessionsresistent.

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Chris Jomtien 20.07.26 20:20
Worin liegt der Zusammenhang?
Herr Tochtermann, vermutlich fliegen Sie hin und wieder um die halbe Welt, zwischen Thailand und Europa.
Währenddessen laufen in Afrika viele Menschen barfuß und ständig ersticken Delfine in Schleppnetzen. Ich denke gerade darüber nach, ob nicht noch mehr Menschen hungern müssten wenn weniger Delfine ersticken würden und wie viel Rohstoff für Sandalen man aus dem für Ihre Flüge verbrauchten Kerosin hätte gewinnen können. Hilft das?
Johannes Tochtermann 20.07.26 16:10
Tiercafes, haustierfreundliche Hotels .....
... und auf dem gleichen Planeten leiden, resp. sterben Menschen an fehlender Nahrung .....
das macht mindestens nachdenklich.....

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