BANGKOK: Thailand will seine kulturellen Stärken in Europa künftig noch stärker wirtschaftlich nutzen. Im Mittelpunkt der Soft-Power-Strategie der Regierung stehen Muay Thai, die thailändische Küche sowie traditionelle darstellende Künste. Regierungssprecherin Rachada Dhnadirek erklärte, dass mehrere Behörden gemeinsam daran arbeiteten, die thailändische Kultur gezielt als wirtschaftliches Potenzial für Handel, Tourismus, Investitionen und Beschäftigung zu erschließen.
Europa gilt dabei aufgrund seiner hohen Kaufkraft und des wachsenden Interesses an der thailändischen Kultur als besonders wichtiger Zielmarkt. Die Regierung verfolgt deshalb einen stärker abgestimmten Ansatz, um thailändische Produkte und Dienstleistungen international zu fördern.
4.000 Muay-Thai-Schulen in Europa
Besonders erfolgreich entwickelt sich Muay Thai als kulturelles Aushängeschild des Landes. Nach Angaben der thailändischen Sportbehörde bieten inzwischen rund 4.000 Muay-Thai-Schulen in Europa Trainings an. Dadurch steigt die Nachfrage nach thailändischen Trainern, Ausrüstung und weiteren Dienstleistungen rund um den Kampfsport. Gleichzeitig soll die Entwicklung den Sporttourismus fördern, indem europäische Kampfsportler für weiterführende Trainings nach Thailand reisen.
Das Department of International Trade Promotion organisierte bereits Werbeveranstaltungen in Deutschland und der Schweiz mit dem bekannten Muay-Thai-Kämpfer Buakaw Banchamek. An den Trainingseinheiten nahmen mehr als 530 Personen teil, insgesamt besuchten rund 20.000 Menschen die Veranstaltungen.
Qualitätssiegel für Muay-Thai-Gyms
Zur Sicherung einheitlicher Qualitätsstandards baut Thailand zudem das Zertifizierungsprogramm „Standard Muaythai Gym“ (SMG) aus. Bis November 2025 erhielten weltweit 138 Trainingszentren diese Auszeichnung. Das Programm soll das Vertrauen in die Qualität des Muay-Thai-Unterrichts im Ausland stärken und zugleich neue Geschäftsmöglichkeiten für qualifizierte Trainer und thailändische Unternehmen schaffen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Soft-Power-Strategie ist die thailändische Küche. Mit dem Gütesiegel „Thai SELECT“ werden Restaurants ausgezeichnet, die festgelegte Standards für authentische thailändische Küche und Qualität erfüllen. Mehr als 1.500 Restaurants in 72 Ländern tragen inzwischen die Zertifizierung. Sie soll das Vertrauen der Verbraucher stärken und zugleich die Nachfrage nach thailändischen Lebensmitteln und Zutaten erhöhen.
Thai-Food-Exporte in die EU wachsen
Nach Prognosen des National Food Institute sollen Thailands Lebensmittelexporte im Jahr 2026 einen Wert von 1,4 Billionen Baht erreichen. Für die Europäische Union wird ein Exportwachstum von 15,9 Prozent erwartet – der zweithöchste Zuwachs nach Südasien. Dies spiegele die steigende Nachfrage nach thailändischen Lebensmitteln in Europa wider.
Auch traditionelle darstellende Künste werden gezielt zur internationalen Kulturvermittlung eingesetzt. Das dem Kulturministerium unterstellte Bunditpatanasilpa Institute präsentierte beim „Thailand Grand Festival 2026“ im niederländischen Den Haag den traditionellen Nora-Tanz, der von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt ist. Die Veranstaltung bot zugleich thailändischen Gemeinschaften im Ausland die Möglichkeit, Wissen über die traditionelle Tanzkunst weiterzugeben und diese einem internationalen Publikum näherzubringen.
Soft Power mit wirtschaftlichem Nutzen
Nach Angaben der Regierung soll die Förderung der thailändischen Kultur künftig nicht nur das internationale Ansehen des Landes stärken, sondern messbare wirtschaftliche Effekte erzielen. Dazu zählen zusätzliche Touristen, steigende Lebensmittelexporte, neue Arbeitsplätze sowie bessere Chancen für thailändische Unternehmen auf internationalen Märkten.